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Fohrde erlebt einen bunten Boulevard

Kreiserntefest Potsdam-Mittelmark Fohrde erlebt einen bunten Boulevard

Bei schönem Spätsommerwetter feierten tausende Besucher in Fohrde zwei Tage lang das Kreiserntefest von Potsdam-Mittelmark. Höhepunkt war der lange Festumzug mit vielen Darstellern und über 20 Landwirtschaftsmaschinen. Fest steht auch wieder der beste Pflüger zwischen Havelland und Fläming.

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So wie es früher einmal war: Als es noch keine großen Traktoren und Mähdrescher gab, ging es nicht ohne viele Menschen in der Landwirtschaft.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Fohrde. Es rumpelt, tuckert und knattert auf der Brandenburger Straße. Sie kommen! Langsam setzt sich der lange Zug mit Traktoren und Erntemaschinen in Richtung Dorfmitte in Bewegung. Es wird gewunken und gegrüßt. Viele Fohrder haben ihre Vorgärten zum Kreiserntefest geschmückt. Kleine Strohballen, Kürbisse, Sonnenblumen, Milchkannen und Obstkisten weisen der dieselnden Kolonne den Weg zur Bühne unter der Friedenseiche.

Gerhard Willmann bleibt bester Pflüger

Zum Kreiserntefest gehört das landesweit einmalige und kreisoffene Leistungspflügen. Auf den von Landwirt Wolfgang Vogeler sehr gut vorbereiteten Parzellen traten zwölf Traktor- und vier Pferdegespanne an.

Bei den Traktoren konnte Gerhard Willmann aus Mörz vor zahlreichen Zuschauern seinen Titel vom Vorjahr nach Punkten verteidigen. Meister hinter den Pferden wurde Bernd Mitteldorf aus Wernigerode, gefolgt vom Krahner Jörg Lindemann.

Doch das erste Bild des Festumzuges bestimmte das zahlreiche Fußvolk. Ohne Landarbeiter, Knechte und Mägde wäre Landwirtschaft vor der Mechanisierung nicht denkbar gewesen. Es war die Zeit der weiten Hemden, langen Kleider, Kopftücher und Hüte. Männer, Frauen und Kinder trieben Ziegen vor sich her, führten Esel, hielten Schafe an der Leine und zogen Bollerwagen an der Hand. Sensen, Dreschflegel, Harken, Körbe und Heugabeln vervollständigten die liebevolle Kostümierung der Landleute. Natürlich durften Pferde nicht fehlen. Sie zogen bunt geschmückte Erntewagen oder trugen Reiter auf ihren Rücken.

Tom Lehnhardt führt den Umzug der Landmaschinen an

Tom Lehnhardt führt den Umzug der Landmaschinen an.

Quelle: JACQUELINE STEINER

„Es gab mal sechs Höfe in Fohrde mit zusammen 30 Pferden. Heute zählen wir im Dorf 70 bis 80 Pferde. Aus den einstigen Arbeitstieren sind Kameraden und Sportpferde für den Menschen geworden“, erklärte Moderator Dirk Barnewitz vom Verein Dorf Fohrde. Bei dem Tierarzt liefen die Fäden in der monatelangen Vorbereitung für das Kreiserntefest zusammen. „Ich bin so froh, dass alle mitgemacht haben“, sagt er der MAZ. Der schönste Lohn für die Träger vom Kreisbauernverband und Kreislandfrauenverband sowie für die Fohrder Gastgeber war ein nahezu perfekt gelungenes Wochenende mit zahlreichen Ständen, Aktionen und Vorführungen. Mehrere tausend Besucher flanierten über der Hauptstraße, die sich für zwei Tage in einen bunten Boulevard verwandelte.

Maja, Lena, Lena und Hannah aus Havelsee haben Spaß im Heu

Maja, Lena, Lena und Hannah aus Havelsee haben Spaß im Heu.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Die Krönung war das schöne Wetter. Alle gönnten es den Fohrdern. Tatsächlich erlebte der Ortsteil von Havelsee ein regenfreies Fest. Die weiß aufgetürmten Wolken blieben harmlos. So lag ein Himmel voll geschlagener Sahne über der Kirchturmspitze, als Jan Lehnhardt von den Treckerfreunden Havelsee zum Mikrofon griff, um die nun unaufhaltsam heranrollende Kolonne von Landmaschinen zu begrüßen.

Start frei zum Beetpflügen

Start frei zum Beetpflügen. Kampfrichter bewerteten die Qualität der Spaltfurche und den Gesamteindruck des Beetes, das 24 Zentimeter tief umzupflügen war.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Angeführt vom Eigenbautraktor seines Sohnes Tom folgten über 20 Schlepper, Anbaugeräte, Lastwagen und Mähdrescher verschiedener Baujahre und Fabrikate, wie sie so bei noch keinem Umzug in Fohrde zu sehen waren. Mit an der Spitze ein altgedientes Simson Kleinkraftrad (SR) samt Hänger und scharfer Sense. „Damit ging es früher auf die Wiese, um Kaninchenfutter zu holen“, erinnerte Lehnhardt, der jedes Fahrzeug kommentierte. Doch dann kamen große Kaliber und Namen aus der Traktorenwelt. Lanz Bulldog wurde von Deutz abgelöst, auf IFA Pionier folgten Famulus, Belarus, ZT 300 und ein gelber Koloss, der K 700, der größte in der DDR eingesetzte Traktor aus sowjetischer Produktion, der heute in Altbensdorf stationiert ist.

Fast wie früher

Fast wie früher: Zum Kreiserntefest trafen sich ehemalige Kollegen auf ihrer Kartoffelkombine.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Ein drittes Bild war den Maschinen der Gegenwart vorbehalten. Der Hof Kraatz aus Fohrde präsentierte seinen Nachwendetraktor mit Miststreuer, der bis heute Dienst tut. Landwirt Wolfgang Vogeler steuerte einen Fendt 312 durch die dicht gedrängte Menschenmenge. In einem Kraftpaket in Blau (New Holland) saß Bastian Schumacher. Für die Marke Claas hat sich der Hof Dröscher aus Pritzerbe entschieden. Der Hof Fredrich aus Pritzerbe rückte mit einem 180-PS-John Deere samt Presswerk und Wickeltisch an. Thomas Schmidt führte für die Brielower Agrar GmbH den neuen New-Holland-Mähdrescher vor, in dessen Bunker acht Tonnen Getreide passen. Mit dabei in dem mit viel Beifall bedachten Konvoi waren auch die Höfe Krebs aus Marzahne und Holzheier aus Pritzerbe.

Auch der Bewegungshof „Pro Natura“ in Fohrde öffnete zum Kreiserntefest seine Tore

Auch der Bewegungshof „Pro Natura“ in Fohrde öffnete zum Kreiserntefest seine Tore.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Moderator Jan Lehnhardt warnte das Publikum vor falschen Erwartungen: „Große Traktoren bedeuten nicht reiche Bauern. Wer heute am Markt mithalten will, braucht schlagkräftige Technik, die verdammt viel kostet.“

Von Frank Bürstenbinder

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