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Frau mit Gips wird Krankentransport verweigert

Brandenburg/Havel Frau mit Gips wird Krankentransport verweigert

Sie trägt einen Gips und darf ihren Fuß nicht belasten. Karin Lehmann (69) aus Brandenburg/H. ist auf Hilfe angewiesen, wenn sie die Treppen zu ihrer Wohnung hochsteigen will. Trotzdem: Das Klinikum Brandenburg verweigerte ihr einen Krankentransport. Die Begründung zeigt, wie absurd das deutsche Gesundheitssystem sein kann.

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Ohne Krankentransport musste die 69-jährige Karin Lehmann die Treppe zu ihrer Eingangstür Stufe für Stufe rückwärts hochrutschen.

Quelle: Norman Giese

Brandenburg/H. Ein Liegegips fesselt Karin Lehmann derzeit an das Bett beziehungsweise an den Rollstuhl. Die 69-jährige Brandenburgerin wurde Mitte Januar in einem Berliner Krankenhaus am Fuß operiert und kann deshalb im Moment nicht gehen. In der vergangenen Woche ließ sie den Gips in der Notaufnahme des Städtischen Klinikums Brandenburg wechseln. Zu ihrer Verärgerung verwehrte man ihr anschließend einen Krankentransport, weshalb sie nur sehr umständlich zurück in ihre Wohnung gelangte. „Ich musste die Treppe rückwärts auf meinem Popo hochrutschen“, erzählt die Rentnerin.

Weil der operierte Fuß eine Woche nach ihrer Rückkehr aus Berlin unter dem Gips plötzlich dicker wurde, hatte sich Lehmann am vergangenen Freitag zunächst bei ihrer Hausärztin gemeldet. Am Telefon schilderte sie der Medizinerin ihr Leiden. Die Ärzten schickte die 69-Jährige daraufhin in die Notaufnahme des Brandenburger Klinikums. „Sie hat mir einen Einweisungsschein und einen Krankentransportschein ausgestellt“, sagt Karin Lehmann. Mit dem von der Hausärztin angeforderten Krankentransport ging es dann ins Krankenhaus. „Das hat alles wunderbar geklappt.“

Nachbarn griffen unter die Schulter

In der Notaufnahme wurden schließlich der Gips aufgemacht und der Fuß begutachtet. Die behandelnde Ärztin stellte eine Schwellung fest und legte einen neuen, etwas lockeren Gips an. „Dann hat sie mich gefragt, ob mich jemand abholen kann“, erinnert sich Lehmann. Doch weil sie und ihr Mann kein Auto mehr haben und ihr auch sonst niemand einfiel, verneinte die Rentnerin und bat um einen erneuten Krankentransport. „Da hat man mir gesagt, dass ich den nur mit einer Pflegestufe kriegen könnte.“ Stattdessen riefen die Pfleger der älteren Dame ein Taxi. „Obwohl ich der Ärztin gesagt hatte, dass ich es nicht allein die Treppe hoch schaffe, weil ich nicht auftreten darf“, so Karin Lehmann.

Der Taxifahrer brachte die Brandenburgerin dann bis vor ihr Wohnhaus und von da an war Lehmann aber auf sich allein gestellt. Weil ihr 80-jähriger Mann nicht mehr in der Lage ist zu helfen, griffen schließlich ein paar Nachbarn unter die Schultern der 69-Jährigen. So humpelte sie die ersten Meter bis zum Treppenaufgang. „Die Treppe war dann das Schlimmste.“ Um die sechs Stufen zu bewältigen, setzte sich Karin Lehmann rückwärts hin und rutschte Stufe für Stufe nach oben. In der Eingangstür wartete bereits ihr Mann mit einem Rollstuhl, die Strapazen waren endlich vorüber. Doch für Karin Lehmann war der Vorfall damit noch nicht erledigt. Sie beschwerte sich beim Klinikum und erkundigte sich außerdem bei ihrer Krankenkasse.

Krankenkasse hätte Transport genehmigen müssen

„Ambulante Patienten haben keinen Anspruch auf Krankentransporte“, erklärt Olaf String, Sprecher des Städtischen Klinikums. Dies gehe aus einer Richtlinie über die Verordnung von Krankenfahrten und Krankentransportleistungen des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) aus dem Jahr 2004 hervor. Demnach können ambulante Einrichtungen wie die Notaufnahme keine Verordnungen zu Lasten der Krankenkassen vornehmen. „Wir können nur machen, was der GBA uns vorgibt“, sagt String.

„Ein Krankentransport bedarf bei einer ambulanten Behandlung grundsätzlich einer vorherigen Genehmigung der Krankenkasse“, erklärt Yvette Ackermann, Sprecherin von Lehmanns Krankenkasse Bahn-BKK. „Da es sich im vorliegenden Fall allerdings um keine geplante ambulante Behandlung, sondern einen Notfall handelte, hätte die Genehmigung auch im Nachhinein erfolgen können.“

Bei einer vorliegenden Genehmigung, da ist sich Klinikumssprecher Olaf Stringer sicher, hätte man der Brandenburgerin auf jeden Fall einen Krankentransport organisiert. Er bezweifelt allerdings, dass Karin Lehmann überhaupt in die Notaufnahme hätte gebracht werden müssen. „Einen Gipswechsel sollte eigentlich auch der Hausarzt machen können.“ Diese Erkenntnis hilft Karin Lehmann nun allerdings nicht mehr. Sie ist letztlich die Leidtragende von bürokratischen Formulierungen und unklaren Verantwortlichkeiten.

Von Norman Giese

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