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Brandenburg/Havel Frühchenalarm auf der Intensivstation
Lokales Brandenburg/Havel Frühchenalarm auf der Intensivstation
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18:13 07.12.2015
Schwester Martina Schulz und Chefarzt Hans Kössel mit einem Patienten. Quelle: V. Maloszyk
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Brandenburg an der Havel

So viele Frühchen wie im November hatte die Kinderintensivstation noch nie zu versorgen. „19 früh geborene Kinder, darunter vier Zwillingspärchen, in einem einigen Monat, das habe ich in meinen 16 Jahren als Chefarzt hier noch nicht erlebt“, sagt Hans Kössel. Auch im Dezember ist noch sehr viel los auf der Station, die sich um die Schwächsten der Schwachen kümmert. Die aktuelle Häufung ist nach Kössels Einschätzung Zufall, jedenfalls gibt es dafür keine unmittelbare Erklärung.

Viel Arbeit, Überstunden, aktivierte Rufbereitschaft, so bewältigen die Schwestern und Ärzte der städtischen Kinderklinik den aktuellen Frühchenalarm auf der Fachstation im Brandenburger Klinikum. „Die Schwestern und Schwesternschülerinnen sind unglaublich engagiert“, lobt Chefarzt Hans Kössel. Tatsächlich hängt das Leben, das der Klinik anvertraut ist, oftmals an einem seidenen Faden.

Sieben der 19 Frühchen im November brachten sogar weniger als 1250 Gramm auf die Waage, ein Wert, dessen Unterschreiten als besonders kritisch gilt. Ein Zwillingsjunge wog bei seiner Geburt sogar nur 500 Gramm und verlor an den tagen sogar noch einmal ein Zehntel seines Körpergewichts.

Babyboom 2015

Die meisten der viel zu früh geborenen Kinder überleben, nachdem sie wochen- oder monatelang auf der Brandenburger Frühchenstation versorgt wurden. Nach den Daten der vergangenen fünf Jahre blieben 118 Kinder, also mehr als 91 Prozent der 130 Brandenburger Kinder, mit einem Geburtsgewicht von unter 1500 Gramm am Leben.

Rechnet man nur die Kinder ab der 24. Schwangerschaftswoche, so liegt die Überlebensrat in Brandenburger bei 94 Prozent.

Je früher die Geburt und je geringer das Gewicht, desto schlechter stehen in aller Regel die Chancen. Von den zwölf Frühgeborene, die in Brandenburger nicht überlebten, waren meist schon in der 24. Woche oder noch früher geboren mit entsprechend geringeren Überlebenschancen.

Die jüngste Frühgeborene in der Brandenburger Klinik war vor einigen Jahren Vanessa, die nach 23 Wochen und sechs Tagen auf die Welt kam, die leichteste war die kleine Hanni mit 450 Gramm Geburtsgewicht. Beide Mädchen haben sich danach gut entwickelt.

Einen kleinen Babyboom erlebt das Klinikum Brandenburg in diesem Jahr. Die Geburtshelfer der Frauenklinik bewältigten bis zum 30. November 872 Geburten und halfen 891 Neugeborenen auf die Welt. Im Vorjahr waren es im gleichen Zeitraum 833 Geburten mit 850 Neugeborenen.

Inzwischen ist der kleine Junge so wie die anderen Kinder auf der Station auf einem guten Weg, soweit sich das in dem Stadium schon sagen lässt. Jedenfalls ist keines der aktuell auf der Station versorgten Frühchen noch auf das Beatmungsgerät angewiesen.

Der kleine Mann ist auf diesem Bild gerade drei Wochen auf der Welt. Quelle: V. Maloszyk

„Wenn die Kinder selbst atmen können bedeutet das einen ersten sehr großen Schritt“, erklärt Hans Kössel. Denn eine nicht ausgereifte Lunge ist ein besonders kritisches Organ, solange sie nicht arbeitet, bleiben die Kleinen besonders fragil.

Auch wenn der Chefarzt bei allen seinen kleinsten Patienten inzwischen gute Chancen sieht, bleibt er vorsichtig und sagt: „Der Zustand kann jederzeit wieder umkippen.“ Bis zur hoffentlich gesunden Entlassung erleben die Eltern, die Krankenschwestern und Ärzte in aller Regel viele Fortschritte, aber meistens auch einige Krisen und Rückschläge. Darmprobleme und Infektionen sind neben der fragile Lunge die Hauptgesundheitsrisiken für die Frühchen.

Vieles hängt davon ab, wie früh Komplikationen erkannt werden

Chefarzt Kössel wertet es als Zufall, dass ausgerechnet die Intensivstation mit ihren 16 Bettchen (Monitorplätzen) und sieben Beatmungsgeräten in diesem November so stark ausgelastet war und dass zwei Drittel der Frühchen Jungen waren.

Die Kinderklinik in Brandenburg hat viel Erfahrung mit Frühchen und ihren Höhen und Tiefen. Das liegt auch daran, dass die Brandenburger ungewöhnlich häufig sehr kleine Patienten behandeln müssen, nämlich in den vergangenen fünf Jahren 23 Mädchen und Jungen mit einem heiklen Geburtsgewicht von 500 bis 750 Gramm.

Mancher Verlauf ist bei diesen winzigen Menschen Schicksal, vieles hängt aber auch davon ab, wie früh Komplikationen erkannt werden. „Vieles lässt sich von uns beeinflussen“ sagt der Kinderarzt nach rund 25 Jahren Berufserfahrung. Doch auch das schließt nicht, dass manche der Frühchen ihren Überlebenskampf zwar bestehen, doch am Ende als behinderte Kinder nach Hause entlassen werden.

Von Jürgen Lauterbach

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