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Gastwirt Sören Wilhelm hört in Wusterwitz auf

„Deutsches Haus“ macht dicht Gastwirt Sören Wilhelm hört in Wusterwitz auf

Die Tage sind gezählt: Der Wirt vom „Deutschen Haus“ in Wusterwitz hört auf. Am 15. November schließt Sören Wilhelm die Gaststättentür zum letzten Mal auf. Die Gerüchteküche brodelt schon längere Zeit. Das Restaurant soll neu vermietet werden.

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Sören Wilhelm hat das „Deutsche Haus“ nur noch bis 15. November geöffnet.

Quelle: Claudia Nack

Wusterwitz. Der Wirt vom „Deutschen Haus“ in Wusterwitz hört auf. Am 15. November schließt Sören Wilhelm die Gaststättentür in der Hauptstraße zum letzten Mal auf. „Dann ist definitiv Schluss“, sagt er. Gerüchte kursieren schon längere Zeit. Die Hausverwaltung sucht ab 1. Dezember einen neuen Mieter für das etwa 400 Quadratmeter große Restaurant mit Saal, Gastraum, Biergarten und Parkfläche. Das verrät ein Zettel, der seit Kurzem am Fenster klebt.

Der Zillemarkt GmbH als Betreiberin der Gaststätte, die Sören Wilhelm gehört, ist von der Hausverwaltung zum 30. November dieses Jahres gekündigt worden. Eigentümerin des Objekts ist seine geschiedene Frau. „Es kam für mich nicht überraschend“, sagt Wilhelm, der nach eigenem Bekunden im neuen Jahr sowieso aufhören wollte und selbst eine Kündigung nachgeschickt hatte. „Ich will meine Ruhe und habe von den Querelen die Nase voll“, sagt der 45-Jährige.

Auch der Imbiss ist Geschichte

Mit dem Kapitel als selbstständiger Gastronom habe er abgeschlossen, versichert Wilhelm, der bei der Mitropa Koch und Kellner gelernt und bis 1996 auf dem Brandenburger Hauptbahnhof zuletzt als Büfett- und Restaurantleiter gearbeitet hatte. Auch „Willis Imbiss“, den er damals übernahm und bis zum Abriss hatte, ist für ihn Geschichte. Der neue Kiosk im hinteren Teil des umgebauten Bahnhofsgebäudes wird von der vor drei Jahren gegründeten Firma FMA betrieben, deren Geschäftsführer Wilhelm war. Im Februar 2015 habe er sich zurückgezogen. Inhaber ist Carlos Letz, der in Brandenburg auch die „Ambrosius Pinte“ führt.

„Die Gastronomie hat es mittlerweile schwer, auf dem Lande besonders. Und der Staat macht es uns mit Mindestlohn und dem neuen Arbeitszeitgesetz noch schwerer, da es Öffnungszeiten beschränkt“, sagt Wilhelm, der das „Deutsche Haus“ seit Januar nur noch vier Tage in der Woche öffnet, davon sonntags nur bis 15 Uhr. Die Gästezahl sei im Keller. Hinzu kämen Personalsorgen. Während er vor neun Jahren mit sieben Angestellten gestartet sei, habe er jetzt nur noch zweieinhalb. Seit der Trennung von seiner Frau vor fünf Jahren brodele die Gerüchteküche. 2012 sollte die Immobilie schon einmal verkauft werden.

Jetzt geht die Familie vor

„Aber ich habe auch viele gute Zeiten erlebt“, sagt der gebürtige Treuenbrietzener. Gern erinnert sich der Wirt an die Familienfeiern im renovierten großen Saal, an die Jahre als er noch ausbildete und an die vielen netten Leute, die er kennen lernte. 15 Jahre lang lebte er in Wusterwitz, jetzt hat er nur noch einen Garten dort und wohnt in Plaue. Im Frühjahr erwartet er mit seiner Lebensgefährtin das erste gemeinsame Kind. „Es wird ein Junge“, sagt er. „Jetzt will ich mich erst einmal auf meine Familie konzentrieren.“ Als Vorsitzender des Billardvereins „Weißer Schwan“ bleibt er Wusterwitz über den Sport verbunden. „Den Plan, mit 45 aufzuhören, hatte ich bereits in meiner Jugend geschmiedet“, erzählt er. „Und wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, dann mache ich das auch.“

2006 hatte Sören Wilhelm die traditionsreiche Wusterwitzer Gaststätte von Vorgänger Martin Riebling übernommen, der in Rente ging, und damals auch die Betreiber-GmbH erworben. Das Haus sei mit seiner damaligen Ehefrau auf deren Namen gekauft worden.

Einst Gasthaus „Zum deutschen Kaiser“

Seit mehr als 100 Jahren besteht an dieser Stelle ein Restaurant. Als Gasthaus „Zum deutschen Kaiser“ wurde es um 1900 von Wirt Schwarze gegründet. Später hatte es bis 1953 wechselnde Besitzer. Bis Marianne Bergmann das Gebäude erbte und zu DDR-Zeiten die Konsumgaststätte mehr als 30 Jahre bis zur Rente leitete. In der Wendezeit wollte der Konsum die Gaststätte loswerden.

„Wir sind dabei auszuräumen“, sagt Sören Wilhelm. Gläser, Geschirr oder Stühle seien für schmales Geld zu haben. „Die Biergartengarnitur ist schon weg.“ Der Rest wandere auf den Sperrmüll.

„Noch gibt es keinen Interessenten für das Restaurant“, so Hausverwalter Raik Friedrich auf MAZ-Anfrage. „Wir haben das aber noch nicht groß publik gemacht.“ Die Vermietung erfolge im Auftrag der Eigentümerin. Offenbar am liebsten an einen Gastronom, der die Immobilie später auch kaufen würde. Dazu gehören drei vermietete Wohnungen.

 

Von Claudia Nack

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