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Brandenburg/Havel Von den Nazis ermordet: Das traurige Schicksal von Annemarie Flatauer
Lokales Brandenburg/Havel Von den Nazis ermordet: Das traurige Schicksal von Annemarie Flatauer
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17:10 31.08.2018
Eindrucksvolle Stelen erinnern in der Gedenkstätte am Nicolaiplatz an die von den Nazis Ermordeten. Annemarie Flatauer ist rechts auf dem Bild unten links mit ihren Schwestern zu sehen. Quelle: JACQUELINE STEINER
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Brandenburg/H

Die Einladung nach Brandenburg sei sehr wichtig für sie, aber auch sehr aufwühlend, sagt die Britin Merilyn Moos. Immer am 1. September lädt die Stadt Brandenburg an der Havel zusammen mit der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten zu einer Gedenkveranstaltung für die 9000 Opfer ein, die 1940 in der Brandenburger Euthanasie-Mordanstalt ums Leben gebracht wurden.

Die Gedenkstättenleiterin Sylvia de Pasquale und Oberbürgermeister Steffen Scheller (CDU) werden Reden halten. Ganz nahe kommen die Teilnehmer der Veranstaltung in diesem Jahr aber dem Schicksal von Annemarie Flatauer, die zu den etwa 900 Anstaltspatienten jüdischen Glaubens zählte, die systematisch ermordet wurden. „Die Nationalsozialisten töteten im Rahmen der Euthanasie-Aktion jüdische Anstaltspatienten allein aufgrund ihrer jüdischen Herkunft“, erklärt Horst Seferens, der Sprecher der Stiftung brandenburgische Gedenkstätten.

Merilyn Moos ist die Nichte von Annemarie Flatauer. Quelle: Sylvia Cunningham

Die Londonerin Merilyn Moos ist die Nichte von Annemarie Flatauer und hat in den vergangenen Jahren einiges zum Schicksal ihrer Tante herausgefunden, über das in der eigenen Familie nur sehr wenig geredet wurde. „Das habe ich vor allem Astrid Ley zu verdanken, die für mich auf der Suche war und die mich schließlich auch mitgenommen hat zu den Orten, an denen Annemarie war“, sagt Moos.

Die Historikerin Astrid Ley arbeitet für die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten und hat Merilyn Moss auch auf den Weg nach Brandenburg geführt. „Ich war schon einmal in der Brandenburger Gedenkstätte am Nicolaiplatz, um der Ermordeten zu gedenken und sicherzustellen, dass Annemaries Name im Buch der Opfer vermerkt ist und sie dort auch mit einem Foto zu sehen ist“, sagt Moos.

Annemarie Flatauers Geschichte beginnt in Berlin. Dort ist sie 1902 geboren und zusammen mit zwei Schwestern in der Gervinusstraße in Charlottenburg aufgewachsen. „Das Lieblingskind ihrer Eltern war sie wohl nicht, denn anders als meine Mutter und meine andere Tante, besuchte Annemarie nicht die Universität, sondern war eher an einem häuslichen Leben als Ehefrau und Mutter interessiert“, sagt Merilyn Moos.

Ermordet wegen ihrer jüdischen Herkunft

Sie heirate dann auch und bekam eine Tochter, doch die Ehe zerbrach schnell und Annemarie zog mit ihrem Kind zurück zu ihren Eltern. „Ich vermute, dass sie unter postnatalen Depressionen litt, ein Zustand, der damals nicht erkannt wurde.

Ihre Eltern brachten sie dann 1931 in den Wittenauer Heilstätten, einer psychiatrischen Klinik in Berlin unter“, weiß ihre Nichte zu berichten. Aus den wenigen Briefen, die von Annemarie Flatauer aus der Zeit erhalten sind und aus den wenigen Gesprächen, in denen Merilyn Moos’ Mutter vom Schicksal ihrer Schwester erzählte, zieht die Nichte den Schluss, dass Annemarie eine furchtbare Zeit in der Klinik durchleben musste und zunehmend apathischer wurde.

Unkonventioneller Lebensstil von Frauen war den Nazis verdächtig

„Es war ja keine psychiatrische Station, in der den Menschen irgendwie grundlegend geholfen wurde, sondern ein Ort, an den Frauen gebracht wurden, deren einziges Problem oft nur ihr unkonventioneller Lebensstil war. Sie verschwanden dort, wurden sterilisiert und später sogar umgebracht. Ich denke, dass Annemarie auch auf ihrer Station dieses Sterben miterlebt hat und, dass sie davon sehr mitgenommen war“, sagt Moos.

Aus Wittenau wurde Annemarie Flatauer dann erst nach Berlin-Buch verlegt und schließlich nach Brandenburg-Görden. Von dort ging es weiter in den Tod.

900 jüdische Patienten in Brandenburg ermordet

Das alles gehörte schon zum Euthanasie-Plan der Nationalsozialisten. Alle jüdischen Anstaltspatienten aus Berlin und Brandenburg wurden zuerst in Berlin-Buch konzentriert. Anders als bei den nicht-jüdischen Patienten spielten die Art ihrer Erkrankung und ihre Arbeitsfähigkeit keine Rolle. Sie wurden allein aufgrund ihrer jüdischen Herkunft umgebracht.

Annemarie Flatauer zählte zu den etwa 900 jüdischen Patienten, die im Sommer 1940 in Brandenburg im Rahmen der Euthanasie-Aktion getötet wurden. Es war der erste planmäßig organisierte Massenmord an Juden im Deutschen Reich.

Info: Am Sonnabend, 1.September, findet ab 10 Uhr auf dem Nicolaiplatz in Brandenburg an der Havel die Gedenkveranstaltung statt.

Von Christine Lummert

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