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Brandenburg/Havel Gedenken an die 9.000 Euthanasie-Opfer
Lokales Brandenburg/Havel Gedenken an die 9.000 Euthanasie-Opfer
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02:16 04.09.2015
Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann bei ihrer Rede. Quelle: Gedenkstätte
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Brandenburg an der Havel


Hedwig Hennig, Julius Gorges und Bodo Schröder: Die Ermordung dieser drei Menschen vor 75 Jahren hat am Dienstag im Mittelpunkt der Gedenkveranstaltung am Nicolaiplatz zur Erinnerung an die 9000 Euthanasie-Opfer in Brandenburg an der Havel gestanden. Alljährlich am 1. September erinnern Vertreter der Stadt Brandenburg aus Politik und Gesellschaft an dem historischen Ort neben der Gedenkstätte an das „fabrikmäßige Töten unschuldiger kranker Menschen“, wie Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU) sichtlich bewegt in ihrer Ansprache sagte.

Später legte sie mit Walter Paaschen (CDU), dem Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung, einen Kranz nieder. Gedenkstätten-Leiterin Sylvia de Pasquale schilderte das Schicksal der Frau und der beiden Männer, die in der einstigen Tötungsanstalt in Brandenburg vergast wurden. „Mit einem auf den 1. September 1939, den Tag des deutschen Angriffs auf Polen, zurückdatierten Schreiben veranlasste Hitler die Ermordung von über 70 000 Menschen mit psychischer Erkrankung und Behinderung.“ Daran erinnert Horst Seferens, Sprecher der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten in einer Erklärung.

Bezug auf aktuelle Flüchtlingssituation

Dietlind Tiemann rief in ihrer Rede unter Bezug auf die aktuelle Situation der Flüchtlingskrise zugleich dazu auf, für Toleranz gegenüber Menschen aus anderen Ländern einzustehen. Unter der Decke von Zivilisation und Demokratie gebe es „die Abgründe des Rassismus und rechten Gedankengutes“, was auch durch Ausschreitungen und Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte etwa in Heidenau und Nauen offenbar geworden sei.

Sylvia de Pasquale zitierte aus den Krankenakten der drei Ermordeten: Die dreifache Mutter Hedwig Hennig litt an Wahnvorstellungen. Am 20. Mai 1940 wurde sie mit 50 Frauen von Neuruppin in einem Sammeltransport nach Brandenburg gebracht und am gleichen Tag ermordet. Julius Gorges war da bereits tot. Ihn ermordeten die Tötungsärzte, ein Wort, das das Grauen spürbar macht, bereits am 2. April. Julius Gorges war als Jugendlicher in einer Erziehungsanstalt in Krefeld gelandet, immer wieder versuchte er zu fliehen. Er wurde wegen „ethisch tief stehenden und asozialen Charakters“, wie es in seiner Krankenakte hieß, zwangssterilisiert. Es gelang ihm als Pater verkleidet zu fliehen, Kölner Polizisten nahmen ihn fest, er wurde zu sechs Monaten Haft und lebenslanger Unterbringung in der Psychiatrie verurteilt.

20 Männer im Januar 1940 getötet

Eine Ärztekommission veranlasste im Frühjahr 1940 seine Ermordung in Brandenburg. Am gleichen Tag, als er mit dem so genannten Grauen Bus, dessen Fenster grau gestrichen waren, mit anderen Leidensgefährten nach Brandenburg gebracht wurde, wurde Julius Gorges getötet. Bodo Schröder war als Kind an Kopfgrippe erkrankt, er überlebte mit Hirnschäden. Doch nicht die Euthanasie-Morde.

„Trauer, Scham, Entsetzen und Zorn“, so beschrieb Dietlind Tiemann die aufkommenden Gefühle – dass durch ein „willkürlich festgesetztes Menschenbild Kranken jedes Existenzrecht abgesprochen wurde“. Sie zitierte den Bericht eines Beobachters vom „gelungenen Versuch einer Probetötung“, bei der ein Arzt im früheren Brandenburger Zuchthaus 20 Männer im Januar 1940 erstmals durch Gas ermordete.

Von Marion von Imhoff

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