Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Gefährlicher Fremdmüll in der Papiertonne

Feuer, Steine, Gift Gefährlicher Fremdmüll in der Papiertonne

Bowlingkugeln, Teile von Grabsteinen und Betonbrocken: In den blauen Papiertonnen landen immer wieder gefährliche Fremdstoffe. Spraydosen haben kürzlich in einem Sammelfahrzeug ein Feuer ausgelöst. Tendenz steigend.

Voriger Artikel
Polizisten retten verirrten Biber
Nächster Artikel
Rathaus: Therapiehunde ab Juli steuerfrei

Feuerwehrleute löschen in Ferch die brennende Ladung eines Papiersammelfahrzeuges.

Quelle: APM

Mittelmark. Es passiert auf einer Routinefahrt durch Ferch. Mit vier Tonnen Altpapier im Bauch arbeitet sich ein Sammelfahrzeug des kreiseigenen Abfallwirtschaftsbetriebes (APM) in der Ortslage von einer blauen Tonne zur nächsten vor. Doch irgend etwas stimmt nicht mit der Ladung. Dicke Rauchwolken schlagen aus der Heckklappe des Wechselcontainers nach außen. Feuer an Bord! Dann geht alles ganz schnell. Der Fahrer alarmiert die Feuerwehr und setzt den Container auf einer Freifläche ab. Im Beisein der schnell eintreffenden Fercher Kameraden kann der Sammelbehälter entleert und das brennende Papier gelöscht werden.

Verletzt wurde zum Glück niemand. Aber die Hitze hat die Heckklappe des Containers total verzogen. „Dank des umsichtigen Handelns unserer Müllwerker und des zügigen Einsatzes der Feuerwehr konnte ein noch größerer Schaden verhindert werden“, gibt sich APM-Geschäftsführer Thomas Wendenburg erleichtert. Der Fahrzeugbrand in Ferch vor wenigen Tagen ist der jüngste Höhepunkt einer ganzen Reihe von Technikausfällen, die auf illegale Entsorgungen zurückzuführen sind – im Branchenjargon Fehlwürfe genannt.

Wie kommt eine Bowlingkugel in die Papiertonne

Wie kommt eine Bowlingkugel in die Papiertonne?

Quelle: Frank Bürstenbinder

In Ferch war es eine Batterie von Spraydosen, deren Druckgase sich im Presswerk des Sammelbehälters selbst entzündeten. Schwer vorstellbar, dass solche Sprühdosen aus Versehen in die ausschließlich für Papier gedachte blaue Tonne wandern. Es kommt noch schlimmer. Es gibt fast nichts, was die mittelmärkischen Müllwerker zwischen Wusterwitz und Kleinmachnow nicht schon aus ihren Papierladungen gefischt haben: Babywindeln, Toaster, Heckenscheren, Restmüll, Textilien und Bauabfälle. Teile eines Grabsteins waren schon dabei, sogar eine Bowlingkugel ist in der Werkstatt des Niemegker APM-Betriebssitzes zu besichtigen.

Bruchstücke eines granitenen Grabsteins haben sich in der Schnecke des Presswerkes verklemmt

Bruchstücke eines granitenen Grabsteins haben sich in der Schnecke des Presswerkes verklemmt.

Quelle: APM

Die Folgen gehen schnell ins Geld. Verklemmt sich ein Betonbrocken in den zwei gegenläufigen Schnecken des Presswerkes, kann das zum Totalausfall der Technik führen. „Da kommen schnell 10.000 Euro und mehr zusammen“, weiß APM-Geschäftsführer Wendenburg aus unguter Erfahrung. Selbst Kanister mit dem Schädlingsbekämpfungsmittel Bi 58 werden in der Papiertonne vergraben. Einer wurde beim Verdichten zerquetscht, so dass die Straße verschmutzt wurde. In einem anderen Fall musste ein Fahrer seine Kabine verlassen, weil ihm wegen ausgetretener Lösungsmittel übel wurde. „Ich habe keine Erklärung dafür, was sich Bürger dabei denken. Es gibt für jede Abfallart eine legale Entsorgungsmöglichkeit. Elektroaltgeräte werden sogar vor der Haustür abgeholt“, sagt Steffi Kuhnke vom Fachbereich Umwelt, Landwirtschaft und Verbraucherschutz der Kreisverwaltung.

Das sollte in den Restmüll

Das sollte in den Restmüll: Pfostenträger samt Betonfundamente.

Quelle: APM

Papiertonnen sind mit Abstand die beliebtesten Verstecke für Dinge, die man schnell aus dem Haus haben will. Doch auch im Restmüll stecken unliebsame Überraschungen. Ein Mittelmärker wollte Betonfundamente samt Pfostenträger über die graue Tonne entsorgen. Der aufmerksame Fahrer konnte die Schüttung gerade noch stoppen. Aber die APM-Mitarbeiter können nicht in jede Tonne schauen. Wenn doch, lassen sich Fehlwürfe dank des elektronischen Chipsystems einem konkreten Haushalt zuordnen.

APM-Geschäftsführer Thomas Wendenburg vor einem fabrikneuen Sammelfahrzeug

APM-Geschäftsführer Thomas Wendenburg vor einem fabrikneuen Sammelfahrzeug. Das mit Schnecken versehene Presswerk verdichtet den Inhalt der Wechselcontainer.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Von der Mahnung bis zum Bußgeld

Rund 15 000 Tonnen Papier werden jährlich in Potsdam-Mittelmark durch den kreiseigenen Abfallwirtschaftsbetrieb (APM) eingesammelt und der Verwertung zugeführt. Hauptsächlich kommen dabei Wechselcontainer zum Einsatz, die es als Heck- und Seitenlader gibt.

Werden durch die Müllwerker geringe Fehlbefüllungen festgestellt, wird die blaue Papiertonne nicht entleert. Als Mahnung an den Haushalt erhält der Behälter einen Beanstandungsaufkleber. Bei größeren und wiederholten Verstößen erfolgt eine Anzeige zur Einleitung eines Ordnungswidrigkeitenverfahrens.

Bei der zentralen Bußgeldstelle des Fachbereiches Landwirtschaft und Veterinärwesen der Kreisverwaltung gingen 2016 insgesamt 31 Anzeigen der APM GmbH wegen Fehlbefüllungen ein. In 24 Fällen war die blaue Papiertonne betroffen, sieben Anzeigen wurden in Bezug auf die Restmüllbehälter beim Kreis eingereicht.

Solche gravierenden Ordnungswidrigkeiten werden vom Landkreis als Träger der Abfallentsorgung geahndet. Ein Kläger, der im vergangenen Jahr gegen seinen Bußgeldbescheid vor das Brandenburger Amtsgericht zog, hatte keinen Erfolg. Zum wiederholten Male hatte sich der Betroffene über die Papiertonne von Lumpen und Restmüll getrennt. Das Gericht wollte seiner Version, wonach ein Unbekannter die Störstoffe in seine Tonne verbracht haben müsse, nicht folgen. Das Gericht erließ ein Urteil zur Bußgeldhöhe von 350 Euro. Hinzu kamen für die den Betroffenen die Kosten des Verfahrens.

Von Frank Bürstenbinder

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Brandenburg/Havel

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg