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Gefeierte Regiearbeit auf der Studiobühne

Monologe für Zuhause Gefeierte Regiearbeit auf der Studiobühne

Von der ersten Minute an ist das Publikum völlig im Bann des Stückes „Bin nebenan. Monologe für zuhause“ gefangen. Die Nachwuchsregisseurin Grit Lukas präsentierte ihre Magdeburger Inszenierung als Gastspiel in der Brandenburger Studiobühne. 110 Zuschauer erlebten einen unvergleichlich spannenden Theaterabend.

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Das Stück „Ich bin nebenan“ auf der Brandenburger Studiobühne: Heide Kalisch, Konstantin Lindhorst, Ralph Opferkuch (von links)

Quelle: Ann Brünink

Brandenburg/H. Es ist der pure Wahnsinn: Von der ersten Minute an ist das Publikum völlig im Bann des Stückes „Bin nebenan. Monologe für Zuhause“ gefangen. In zwölf Kurzgeschichten porträtiert die Theaterautorin Ingrid Lausund in ihrem gleichnamigen Buch Menschen von heute, die auf ganz unterschiedliche Art versuchen, Verzweiflung und Einsamkeit im Schach zu halten – vergeblich. Drei Porträts und einige Szenen daraus hat die Nachwuchsregisseurin Grit Lukas ausgewählt und auf die Bühne des Theaters Magdeburg gebracht. Sie hat dafür begeisterte Kritiken erhalten. Am Donnerstagabend präsentierte sie ihre Inszenierung als Gastspiel auf der Brandenburger Studiobühne. 110 Zuschauer erlebten einen unvergleichlich spannenden Theaterabend.

Zugegeben, am Anfang fällt es nicht ganz leicht, sich einen schlichten Pappkarton als Designerstehlampe vorzustellen. Oder als edles Sofa. Oder als eleganten Beistelltisch. Oder, oder, oder. Aber die Idee der jungen Regisseurin, die Bühne ausschließlich mit unendlich vielen leeren Pappkartons zu möblieren, ist brillant. Jeder Zuschauer lädt die abstrakte Darstellung mit eigenen Erinnerungen und Vorstellungen auf. Und schon fühlt er sich heimisch und von den Geschehnissen auf der Bühne direkt angesprochen.

Die drei Magdeburger Schauspieler Heide Kalisch, Konstantin Lindhorst und Ralph Opferkuch sind einfach brillant. Da passt jede Geste. Tonfall und Mimik stimmen und auch die Körpersprache ist absolut überzeugend. Herrlich, wie Heide Kalisch sich als „Gutmenschin“ mit ihrer türkischen Putzfrau solidarisiert. Und trotz Sympathie und bester Absichten letztendlich scheitert. Halbwissen, Vorurteile und guter Wille verdichten sich nach und nach zu einer explosiven Gefühlslage, ohne dass sich „Gutmenschin“ Kalisch darüber bewusst ist. Ohne erhobenen Zeigefinger vermittelt die Autorin, wie wichtig sachliche Informationen über fremde Kulturen sind. Dass für die türkische Putzfrau eine Originalteekanne aus ihrer alten Heimat völlig anders aussieht als die angeblich landestypische schneeweiße Hutschenreuther-Teekanne der Deutschen, ist ein kleines Detail, dass für sich genommen eher unwichtig ist. Doch es sind bekanntlich zumeist die kleinen Dinge, an denen die großen scheitern.

Die besondere Leistung von Regie und Schauspielern besteht darin, dass sie die Balance halten auf dem schmalen Grat zwischen Klamauk und weinerlicher Seelenpein. Allen drei Schauspielern gelingt es, die klugen Texte der Autorin Ingrid Lausund ohne Pathos und ohne Übertreibungen zu vermitteln und dabei absolut echt zu wirken. Gleichzeitig wird auch ein gerüttelt Maß an gesellschaftlicher Kritik geübt. Man erlebt beispielsweise Konstantin Lindhorst, wie er durch das Möbelhaus Ikea wandelt und mit Schrecken feststellt, dass seine Individualität nicht spontan sondern berechenbar ist und seine Kaufentscheidungen von der Zielgruppenforschung des Möbelhauses längst antizipiert werden. Eine Glanzleistung hat Ralph Opferkuch mit der Verkörperung eines jungen Mannes abgeliefert, der geistig leicht behindert ist und gerade seine erste eigene Wohnung bezogen hat.

Fazit: Autorin und Regisseurin halten den Zuschauern einen Spiegel vor. Doch statt zu erschrecken haben sie sich köstlich amüsiert.

Von Ann Brünink

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