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Geheimnisse in 565 Jahre altem Haus

Brandenburg an der Havel Geheimnisse in 565 Jahre altem Haus

Es ist beinahe das einzige erhaltene gotische Steinhaus, das nicht kirchlichen Zwecken diente, und es wurde mit ungeheurem Aufwand erbaut. In seinen Kellern barg es allerlei Geheimnisse, die sich um die Alchemie ranken. In einer neuen Ausstellung ist nun erstmals das Gotische Haus der Star und das erste Exponat.

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Ausstellungsmacher: Janina Ludwig, Joachim Müller und Thomas Barthel (von links).

Quelle: André Wirsing

Brandenburg/H. Bleiweiß als Körperpuder, Antimon, Eisen und Schwefel als Mittel gegen die Anämie (Blutarmut) – schon vor 250 Jahren waren die Menschen bereit, allerlei Gifte in ihren Körper zu stecken, um ihn jung und gesund zu erhalten. Ganz zu schweigen von den unzähligen Versuchen, aus minderwertigen Materialien Gold herzustellen. Eine ganze Berufsgruppe beschäftigte sich mit derlei Schabernack – die Alchemisten. Dazu brauchten sie Gerätschaften wie sie die Chemiker heute noch verwenden: Brenner, Kolben, Destillationsapparate, Reibeschalen, Reagenzgläser.

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Immerwährende Schönheit und Gesundheit, das Umwandeln von einfachen Rohstoffen zu Gold – das waren die Triebfedern für die Alchemisten. Wie sie gearbeitet haben, zeigt eine Schau im Keller des Gotischen Hauses, des ältesten bürgerlichen Steinhauses in der Stadt Brandenburg an der Havel.

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Mehr als 50 Umzugskisten voll mit solcherlei Handwerkszeug haben die Archäologen vor knapp vier Jahren aus einem Keller des Gotischen Hauses in der Ritterstraße per Förderband ans Tageslicht bugsiert, neben unzähligem anderen Hausrat und etwa 20 kaputten Kachelöfen. Praktisch eine ganze Lkw-Ladung wurde zwischenzeitlich ins alte Stadtbad verfrachtet, ausgelegt, begutachtet und sortiert. „100 laufende Meter Archäologie“, hat damals schon Joachim Müller von der Denkmalbehörde den Fund kurz und bündig beschrieben.

Welch Glück, dass nun auch das Landesamt für Denkmalpflege mitspielt und die Funde in der Stadt belässt. Ein Team um den damaligen Grabungsleiter Dietmar Rathert, um Denkmalpfleger Müller, die Archäologin Janina Ludwig und den Künstler Thomas Barthel haben sich diesen Umstand zunutze gemacht und eine sehenswerte Schau gebastelt. „Das Gotische Haus ist ein Museum seiner selbst und als Gebäude das erste Exponat“, so wie Müller heute hat es der Architekt Karsten Westphal schon vor geraumer Zeit gefordert. Er ist auch Bauforscher und Sanierungsexperte, hat das einzigartige Haus (siehe Infokasten) für mehr als 2,5 Millionen Euro in alter Schönheit wieder erstrahlen lassen – dabei nicht nur die Ursprünge konserviert, sondern auch nachfolgende Bauetappen geschickt und liebenswert in Ausschnitten erhalten und für den Laien sichtbar gemacht.

Der Ewigkeitsbau war ein sehr aufwendiger

Das Gotische Haus wurde 1451/52 errichtet.

Es gibt in der ganzen Mark nur noch einen weiteren erhaltenen nichtkirchlichen Steinbau aus dieser Zeit, das Gotische Haus in Berlin-Spandau.

Die Bauleute damals kannten schon das Prinzip der Vertikalsperre gegen aufsteigendes Grundwasser. Sie packten eine Lage Findlinge zuunterst, stellten dann umgekehrte Tontöpfe darauf, bevor sie eine Schicht „Estrich” gossen, auf dem mit Backsteinen den Fußboden bauten.

Es ist eine Art Ewigkeitsbau: nach mehr als 560 Jahren gibt es noch immer makellose Mörtelfugen, hochwertige Backsteine und aufwendig bearbeitete abgeflammte Holzbalken.

Der mit Ornamentrosetten verzierte Giebel zur Johanniskirchgasse zeigte damals direkt zum Wasser und war auch von der Neustadt aus gut zu sehen.

Das Haus diente wahrscheinlich als Warenhaus mit Kaufkeller und Kontor daneben.

An diesem Freitag wird das Gotische Haus um 14 Uhr als „Denkmal des Monats“ im Land Brandenburg ausgezeichnet und gleichzeitig die passende Schau dazu eröffnet. In den beiden mittelalterlichen Kellern gibt es in drei Räumen ein „Best of“ der Funde in drei Kategorien zu sehen: Kachelöfen, Haushalt/tägliches Leben sowie Alchemie. Wer Zeitleisten, Scheinwerferbestrahlung und belehrende Infos erwartet, wird enttäuscht.

In den mächtigen Kellern sind die Natursteinfundamente freigelegt, umrahmt von LED-Lichtbändern, die indirektes Licht verbreiten. Die Exponaten liegen teilweise auf dem Boden, auf Pfeilerresten oder auf schmalen Glasplatten die in die Nischen der alten Kaufkeller geschoben sind. Es gibt überraschende Exponate – etwa die auf Leuchtstäbe gepinnten Glassiegel, das rekonstruierte komplett erhaltene Pferdeskelett, Reibeschalen aus echtem Serpentinit. Es gibt Lustiges – wie den Alchemisten in Lego-Optik. Und es gibt lebendig Lehrreiches – wie die Bewegtprojektion eines Marktes mit Darstellern des Jugendtheaters oder Stefan Drotleff in seiner Rolle als Alchemist, der per Videobeamer auf einer sehr gut erhaltenen Kellerwand sein Unwesen treibt.

Von André Wirsing

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