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Brandenburg/Havel Gelbe Säcke fallen in Ungnade
Lokales Brandenburg/Havel Gelbe Säcke fallen in Ungnade
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00:19 04.08.2017
Noch eine Tonne mehr: In den ersten Kommunen werden die Rufe nach einer Abschaffung der Gelben Säcke immer lauter. 2019 könnte es soweit sein. Quelle: ddp
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Mittelmark

Sie sind nicht schön für das Ortsbild. Wildtiere reißen sich um den Inhalt. Ab Windstärke 6 tanzen die Abfälle auf der Straße. Gelbe Säcke genießen keinen guten Ruf. Die Gemeindevertreter von Groß Kreutz (Havel) haben jedenfalls die Nase voll vom Sackhüpfen in ihren Ortsteilen. „Wir wollen die Gelbe Tonne zurück“, erklärte Bürgermeister Reth Kalsow auf der jüngsten Ratssitzung. Er moniert die mieser gewordene Qualität der Säcke und ihre vermeintlich schlechtere Öko-Bilanz gegenüber einer dauerhaften Tonne.

Mehr Einfluss in Sicht

Laut Abfallbilanz der Kreisverwaltung wurden im Jahr 2015 in Potsdam-Mittelmark knapp 8000 Tonnen Leichtverpackungen (Gelber Sack) eingesammelt. Das macht 38 Kilo pro Einwohner und elf Prozent der gesamten Abfallmenge.

Gegen die Einführung der Tonne sprechen möglicherweise Platzprobleme auf kleinen Grundstücken, wo bereits die Papiertonne und die Restmülltonne stehen. Außerdem verleiten Tonnen zum Einfüllen von Fremdmaterialien.

Kreis und Kommunen haben derzeit so gut wie keinen Einfluss auf die Sammelart der Systembetreiber. Das soll sich 2019 mit dem neuen Verpackungsgesetz ändern. Dann soll an der Basis über Tonnen oder Säcke entscheiden werden.

Die Gemeindevertreter folgten der Beschlussvorlage ihrer Verwaltung einstimmig. Burghard Syring, Ortsvorsteher von Deetz, kann sich noch an die Zeit vor 2010 erinnern. Da gab es die Tonnen-Lösung für einige Dörfer und die Stadt Werder. „Wir haben das System schon mal gehabt. Und es hat funktioniert.“ In seiner Funktion als Vorsitzender der Kreisarbeitsgemeinschaft der mittelmärkischen Bürgermeister und Amtsdirektoren hat sich Gemeindeoberhaupt Kalsow inzwischen an seine Kollegen gewandt und sie gebeten, sich der Forderung anzuschließen und gleichlautende Beschlüsse zu fassen.

In Wusterwitz hat Amtsdirektorin Ramona Mayer schon reagiert. Der Amtsausschuss gab vergangene Woche grünes Licht für Gelbe-Tonne-Vorlagen, die in den Gemeindevertretungen von Wusterwitz, Rosenau und Bensdorf diskutiert werden sollen. Vorreiter für einen Behälterwechsel ist allerdings die Stadt Werder. Deren ehemaliger Bürgermeister Werner Große beklagte sich schon 2011 bei Landrat Wolfgang Blasig (SPD) über Geruchsbelästigungen, schlechte Qualität und eine drohende Rattenplage. 2014 folgte sogar ein Kreistagsbeschluss, worin der Landrat aufgefordert wurde, sich für die Wiedereinführung der Gelben Tonne einzusetzen.

In Groß Kreutz (Havel) wurde eine neue Kampagne gegen die Gelben Säcken losgetreten. Ein Systemwechsel ist ab 2019 denkbar. Quelle: dpa

Doch in Wahrheit hat das Landratsamt derzeit so gut wie keinen Einfluss darauf, auf welche Weise Leichtverpackungen eingesammelt werden. Im Gegensatz zur öffentlichen Hausmüllentsorgung, hat die Wirtschaft ein eigenes, privatwirtschaftlich organisiertes System aufgebaut. Dabei geht es um das Einsammeln von Verpackungsmaterialien, für die der Verbraucher bereits an der Ladenkasse bezahlt hat. Erkennbar an dem „Grünen Punkt“.

Mit der Erfassung beschäftigt sich längst nicht mehr nur die Duales System Deutschland GmbH (DSD). Es gibt neun weitere Systembetreiber mit wechselnden Vertragsgebieten. Für Potsdam-Mittelmark ist es derzeit die in Köln ansässige Reclay Systems GmbH. Dieses Unternehmen wird nicht selbst operativ tätig, sondern schreibt die Entsorgungsleistung aus. Dabei wird auch festgelegt, auf welche Weise die Grüne-Punkt-Abfälle einsammelt werden.

Bürgermeister Reth Kalsow bevorzugt die Gelbe Tonne. Quelle: JACQUELINE STEINER

„Zwar gibt es eine Abstimmungsvereinbarung, um ein geordnetes Nebeneinander von öffentlichem und privatem Entsorgungssystem zu gewährleisten, doch kann der Kreis dem Systembetreiber keine Vorgaben bei den Behältnissen machen“, sagte Verwaltungsleiter Hannes Strunz vom Fachbereich Landwirtschaft und Veterinärwesen der Kreisverwaltung auf Nachfrage. Die Verpackungsverordnung gibt auch keinen Rechtsanspruch der Bürger auf ein bestimmtes Sammelbehältnis her. Der Gesetzgeber gibt dem Systembetreiber lediglich die Pflicht auf, dass er für eine flächendeckende und regelmäßige Abholung gebrauchter Verkaufsverpackungen beim privaten Endverbraucher zu sorgen hat. Dies könnte auch über eine Bringesystem in der Nähe erfolgen, ähnlich wie bei Papier- und Glascontainer.

Derzeit werden die Säcke kreisweit von der Märkischen Entsorgungsgesellschaft (Mebra) abgeholt. „In der laufenden Vertragsperiode ändert sich da gar nichts“, sagte Lutz Müller vom auftraggebenden Systembetreiber Reclay der MAZ. Eine gravierende Änderung ist allerdings ab 2019 mit der Einführung des neuen Verpackungsgesetzes in Sicht. Dann sollen die Kommunen darüber entscheiden dürfen, wie die Verpackungsabfälle gesammelt werden. Erleichtert werden soll dann auch die gemeinsame Erfassung von Verpackungsabfällen und von anderen Abfällen aus Kunststoff und Metall in so genannten Wertstofftonnen. Auch über deren Einführung kann dann jeweils die Kommune mit den dualen Systemen entscheiden. So hatte es der Bundestag im März diesen Jahres beschlossen.

Von Frank Bürstenbinder

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