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Brandenburg/Havel Geld des Dark-Net-Dealers ist verschollen
Lokales Brandenburg/Havel Geld des Dark-Net-Dealers ist verschollen
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10:51 10.02.2017
Auch mit Kokain handelte die Brandenburger Bande. Quelle: dpa
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Brandenburg an der Havel

Brandenburgs zeitweise erfolgreichster Internet-Drogenhändler wird zwar mit hoher Wahrscheinlichkeit für einige Jahre ins Gefängnis einrücken. Doch womöglich bleibt er dort ein wohlhabender Mann. Denn die Ermittler haben nicht herausgefunden, wie viel Geld er verdient hat und wo seine Einkünfte geblieben sind. Das wurde am Donnerstag im Landgericht Potsdam deutlich.

Wie berichtet sind vier aus Brandenburg an der Havel stammende Männer derzeit angeklagt, zeitweise als Bande in großen Mengen mit gefährlichen Drogen gehandelt und dabei die dunklen Kanäle des Internet genutzt zu haben: das Dark Net.

Die Tatbeteiligung der vier Brandenburger, allesamt Anfang 30, ist unterschiedlich. Wie sich bisher aus dem Strafprozess in Potsdam ergibt, steht und fällt der Rauschgifthandel, den die Bande von April 2012 bis zur Festnahme im Juli 2013 betreibt, mit der Person des damaligen Bundeswehrsoldaten Mark W. Die anderen drei sind so etwas wie seine Angestellten, denen er Aufgaben übertragen hat.

Mark W. (31) war als Kopf der Brandenburger Drogenhändler zeitweise erfolgreich. Quelle: Julian Stähle

Der 31-Jährige ist der Kopf des Internetgeschäfts für Drogen namens „Afterhour“. Für die Rauschgiftfahnder ist Mark W. 2012 und 2013 einer der beiden Top-Verkäufer auf der Internetplattform „Silk Road“ (Seidenstraße). Auf Silkroad sollen weltweit kriminelle Geschäfte im Wert von 1,2 Milliarden Dollar abgewickelt worden sein. Mark W. aus Brandenburg an der Havel war daran nicht unmaßgeblich beteiligt.

Aus Unterlagen der amerikanischen Bundespolizei FBI ergibt sich, dass Mark W. und der inzwischen zu sieben Jahren Haft verurteilte Sascha F. aus Niederbayern um Platz 1 als erfolgreichste Drogenhändler im Dark Net konkurrierten – fast sportlich und sogar freundschaftlich, wie Thomas P. (39), ein leitender Ermittler des bayrischen Landeskriminalamtes, am Donnerstag im Gerichtssaal berichtet. Selbst als Mark W. 2013 schon vier Monate in Untersuchungshaft sitzt, ist sein Drogenladen „Afterhour“ noch auf Platz 4 der Silk-Road-Rangliste. Dort hatte der inzwischen verurteilte Silk-Road-Chef Ross Ulbricht bewertet, welche Händler auf seinem virtuellen Schwarzmarkt den meisten Umsatz erzielt, die größten Mengen Drogen verkauft und die beste Kundenzufriedenheit erreicht haben.

Mark W. stand mit „Afterhour“ so wie sein Freund-Konkurrent Sascha F. mit „Pfandleiher“ ganz weit oben auf dieser Erfolgsskala. Nach den FBI-Unterlagen hätte Mark W. mit den dunklen Geschäften zwei Millionen US-Dollar Umsatz erzielt. Ob das die ganze Wahrheit ist, die halbe oder weniger, das weiß vermutlich nur der Angeklagte.

Die Landeskriminalämter in Bayern und Brandenburg sind ihm zwar durch die Hilfe österreichischer Polizeikollegen auf die Schliche gekommen. Doch der leitende Kripomann aus München machte im Potsdamer Gerichtssaal deutlich, wie unzufrieden er mit dem Ermittlungsergebnis ist.

Thomas P. beklagte, dass seine Behörde die Ermittlungen zu Mark W. und seinen Brandenburger Komplizen ans LKA Brandenburg abgeben musste. Der leitende Ermittler mutmaßte, dass große Teile der illegalen Einkünfte auch deshalb nicht sichergestellt werden konnten.

Das Geld des Mark W. schwebt womöglich auf einer Wolke durch den Internethimmel. Denn „Cloud“ ist das englische Wort für Wolke und meint gleichzeitig einen geheimen, nur für eine autorisierte Person zugänglichen, kompliziert verschlüsselten Speicherort im Internethimmel. In eine solche Cloud lässt sich alles mögliche ablegen, auch eine virtuelle Geldbörse (Wallet) mit virtuellem Geld (Bitcoins).

Sogenannte Bitcoins sind eine virtuelle Währung, die im Onlinehandel legal und illegal eingesetzt werden kann. Mark W. ist ein Meister des Umgangs mit Bitcoins. Die Ermittler glaubten sogar zunächst, Mark W. sei nur der Bitcoin-Bankier der Drogenhändler. Erst relativ spät wurde ihnen klar, dass sie mit dem Brandenburger den zweiten großen Rauschgiftfisch an Land gezogen hatten.

Den Münchner LKA-Ermittlern gelang es trotz aller Bemühungen von Kriminaltechnikern nicht, die Cloud mit den Einnahmen des Mark W. in den Tiefen des Internet aufzuspüren. Der erwähnte leitende Kripo-Beamte Thomas P. bedauert, dass die Arbeit seiner Behörde auf halber Strecke stehen geblieben ist. Vom Brandenburger LKA ist nicht bekannt, dass deren Beamte überhaupt nach dem mutmaßlichen Geheimvermögen ihres Angeklagten gesucht haben.

Der im Prinzip geständige Angeklagte Mark W. beteuert, dass seine Bitcoins auf seinem Silk-Road-Konto verblieben seien und das FBI sie dort beschlagnahmt habe. Auch diese Version halten die bayrischen Beamten immerhin für möglich.

Von Jürgen Lauterbach

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