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Gemeinde möchte Bauhaus-Kirche sanieren

Tag des offenen Denkmals Gemeinde möchte Bauhaus-Kirche sanieren

Es ist ein Bauhaus-Juwel, das selbst einige Nachbarn in der Thüringer Straße in Brandenburg an der Havel nicht kennen: die Christus-Kirche in der Walzwerksiedlung. Das bald 90-jährige Bauwerk soll saniert werden. Nach vielen Jahren wird es zudem zu einem besonderen Anlass geöffnet.

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Pfarrer Philipp Mosch in der Christus-Kirche. Die Holzwand lässt sich wegschieben. Sie trennt den Kindergarten vom Kirchenschiff.

Quelle: Marion von Imhoff

Brandenburg an der Havel. Es ist ein Bauhaus-Juwel, das selbst Nachbarn in der Thüringer Straße nicht kennen: Die Christus-Kirche in der Walzwerksiedlung. Architektur-Studenten aus Berlin pilgern dorthin. Bauexperten aus Australien haben dem Bauhaus-Stil der 1928 errichteten Kirche schon gehuldigt. Es gibt den Antrag, Kirchenbauten des Architekten Otto Bartning zum Weltkulturerbe aufzunehmen. „Aber die Brandenburger nehmen die Kirche nicht zur Kenntnis“, sagt Pfarrer Philipp Mosch.

Die Evangelische Sankt-Gotthardt- und Christuskirchengemeinde kündigte jetzt die geplante Sanierung des 1928 entstandenen Bauwerks des Architekten Otto Bartning an. „Zum 90-jährigen Bestehen der Kirche im Jahr 2018 sollen die maroden Holzfenster saniert sein. Das ist ein schönes Ziel“, sagte Bettina Damus, Kirchmeisterin für Bau und Finanzen der Gemeinde. Die Gemeinde möchte die Christuskirche aus deren Dornröschenschlaf wecken: Dazu wird die einzigartige Kirchenbauwerk erstmals seit langer Zeit wieder am Tag des offenen Denkmals im September zu besichtigen sein. Pfarrer Philipp Mosch oder einer seiner Kollegen laden zudem fast jeden Sonntag zu einem Gottesdienst in die Kirche. Doch meist finden sich nur knapp ein Dutzend Kirchgänger ein.

Saal für 100 Personen

Sie war bettelarm, die Kirchengemeinde für die Arbeiter der Walzwerksiedlung. Dennoch wollte ihr Pfarrer Oskar Goehling diesen Kirchenneubau. Er gewann den renommierten Bauhaus-Architekten Otto Bartning. Der entwarf kein überbordendes Gotteshaus. Ein Gemeindezentrum mit Kindergarten für die Kleinkinder in der Walzwerksiedlung, dazu ein Saal für 100 Personen, ein Zimmer für die Gemeindeschwester und eine Wohnung für den Hauswart entstanden fast wie in einem kleinen Dreiseitenhof geschachtelt mit stufenförmig abfallenden Dachhöhen neben-, ja ineinander. 57.000 Reichsmark sollte der noch mehrmals abgespeckte Kirchenneubau kosten. Modern, klar in seinen Linien, nicht verspielt, multifunktional, mit einem Altar zum wegklappen wie ein Klappbett, Wänden, die sich wegschieben lassen, um den spielenden Kindern auch im Kirchenschiff Raum zu geben, wenn dort kein Gottesdienst gefeiert wird. „Von der Funktion zur Form“, sagt Mosch dazu. So wie es der Bauhaus-Stil vorsah.

Die Christus-Kirche und ihr Architekt

Die Evangelische Gemeinde der Walzwerksiedlung war bettelarm. Um dennoch eine Kirchenglocke an ihrem Gottesnaus anbringen zu können, behalfen sich die Mitglieder. Sie nutzen eine Schiffsglocke, die sie auf einem Schrottplatz entdeckten.

Otto Bartning wurde 1883 in Karlsruhe geboren und starb 1959 in Darmstadt. Dieser Tage endet ein Projekt, die nach 1945 gebauten Notkirchen Bartnings als Unesco-Weltkutlurerbe und Europäisches Kulturerbe anzuerkennen.

Am Tag des offenen Denkmals am 13. September ist die Christus-Kirche in der Thüringer Straße 9 von 10 Uhr an bis um 13 Uhr geöffnet. Um 9 Uhr beginnt dort der Gottesdienst.

Doch schon die 350 Reichsmark für den Entwurf des Architekten zu zahlen, fiel der Gemeinde schwer zu zahlen. Sie bat um Aufschub. Der feinfühlige Architekt bat um eine Teilzahlung. Oskar Goehling wurde zum Bettelpfarrer. Doch er bekam das Geld zusammen.

Noch immer gibt es den Kindergarten „Regenbogen“ mit 18 Schützlingen. „Doch keiner von ihnen stammt aus einer kirchlich orientierten Familie“, sagt Mosch. So bleibt es weiter eine Herausforderung, die Kirche, wie Küster Frank Schulz sagt, „mit Leben zu füllen“. Nur noch 300 Mitglieder zählt die Christus-Gemeinde, die längst mit der Gotthardt-Gemeinde fusioniert ist. Von ihnen sind 65 Prozent über 65 Jahre alt. So bleibt das Ziel, dass möglichst viele Brandenburger dieses Kirchen-Kleinod neu entdecken.

Von Marion von Imhoff

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