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Gerhart Hauptmanns Urenkelin besucht erstmals Brandenburg

Lesung in der Radeweger Dorfkirche Gerhart Hauptmanns Urenkelin besucht erstmals Brandenburg

Die Urenkelin von Gerhart Hauptmann besucht zum ersten Mal in ihrem über 70-jährigen Leben Brandenburg. Bei ihrem zweiten Besuch am Wochenende wird sie in Radewege aus dem Briefwechsel zwischen Gerhart und Ivo Hauptmann lesen.

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Harriet Hauptmann vor der Radeweger Kirche, wo sie am Wochenende lesen wird.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Brandenburg/Radewege. Nur 40 Minuten braucht der Regionalexpress vom Zoo an die Havel. Doch in Brandenburg war Harriet Hauptmann in ihrem über 70-jährigen Leben nie. „Reiner Zufall“, wie sie mir später sagt. Wenn es sie rauszieht aus Berlin, dann nach Erkner, wo ihrem berühmten Urgroßvater Gerhart ein Museum gewidmet ist. Dort verwaltet die Verlagsbuchhändlerin und Diplompolitologin den Nachlass ihres Großvaters Ivo. Von beiden Männern wird noch die Rede sein.

Jetzt kommt sie doch an die Havel. Sie sei eher klein und habe graue Haare, beschrieb sie sich selbst am Telefon. Stimmt. Wir finden uns auf den ersten Blick. Ich begrüße die Urenkelin von Gerhart Hauptmann: „Willkommen auf der Baustelle Brandenburg.“ Die Besucherin ist irritiert. Vom Dom und der Altstadt habe sie gelesen. Doch Brandenburg baut sich am Bahnhof ein neues Eingangstor. Das findet sie gut. Und der historische Teil kommt ja noch. Mit hellwachen Augen hinter der runden Brille bewundert der in Hamburg geboren Gast die sanierten Fassaden in der Steinstraße. „Hier ist wirklich viel passiert.“ Dann lotsen uns freundliche Bauarbeiter in den Dom, wo ein Gerüst den Blick auf den Innenraum versperrt. Das ist nicht schlimm. Dafür erfährt die Besucherin etwas über die Sanierungsarbeiten und die Buga 2015, bis zu der alles her- ausgeputzt sein soll.

Die Idee, ihr Brandenburg vom Wasser aus zu zeigen, war goldrichtig. Harriet Hauptmann liebt Bootstouren so wie selbst gedrehte Zigaretten. Eine Stunde lassen wir uns auf der Havel die Sehenswürdigkeiten der über 1000-jährigen Stadt erklären. Aus Neugier wird Begeisterung. Der Dame aus Berlin schwant, dass sie etwas verpasst hätte im Leben, hätte sie Brandenburg bei ihren Reiseplänen links liegengelassen.

Dass es nun soweit war, ist dem Kirchenförderverein Radewege zu verdanken. Schatzmeister Jürgen Pinnig kennt Harriet Hauptmann aus Berliner Studientagen. Dessen Einladung zu einer Lesung in die Radeweger Kirche am Sonnabend folgte die Berlinerin gern. Allerdings nicht ohne dem Auftrittsort zuvor einen Blitzbesuch abzustatten. „Nicht nur Brandenburg, auch Radewege ist schön geworden“, findet Harriet Hauptmann. Beim zweiten Besuch am Wochenende wird sie aus dem von ihr publizierten Briefwechsel ihres Urgroßvaters und Literaturnobelpreisträgers Gerhart Hauptmann (1862–1946) mit seinem ältesten Sohn, dem Maler Ivo Hauptmann (1886–1973), vortragen. Weil sich beide den schönen Künsten verschrieben hatten, war deren Beziehung über 50 Jahre hinweg besonders eng. Die Nachwelt lernt so erstmals den Schriftsteller Gerhart Hauptmann („Die Weber“, „Der Biberpelz“) von einer anderen Seite kennen – als einen fürsorglichen und manchmal temperamentvollen Vater.

Harriet Hauptmann über ihre Vorväter

„In höchster Berliner Eile...“ heißt der im Verlag für Berlin-Brandenburg erschienene Briefwechsel zwischen Dichter Gerhart und Maler Ivo Hauptmann. Herausgeberin ist Harriet Hauptmann, die Urenkelin des Schriftstellers.

MAZ: Frau Hauptmann, wie kamen Sie auf die Idee die Briefe, die sich Ihr Urgroßvater und Ihr Großvater schrieben, zu veröffentlichen?
Harriet Hauptmann: Anlass war der 150. Geburtstag von Gerhart Hauptmann am 15. November 2012. Außerdem wollte ich den 100. Jahrestag der Nobelpreisverleihung würdigen.

Nach welchen Kriterien sind Sie bei der Auswahl vorgegangen?
Hauptmann: Ich habe versucht aus jedem Lebensabschnitt die wichtigsten Briefe auszuwählen und auf Banales zu verzichten.

Worauf haben Sie sich bei dem Band konzentriert?
Hauptmann: Der Briefwechsel stellt eine künstlerische und eine Vater-Sohn-Beziehung vor. Ich möchte dem Leser zwei Menschen nahebringen, die den Weg zur Kunst gefunden haben. Sie hatten die selben Eindrücke. Der eine im Sinnesrausch der Worte, der andere in Bildern.

Gerhart Hauptmann hatte noch drei andere Söhne.
Hauptmann: Als ältester Sohn stand Ivo seinem Vater von allen Geschwistern wohl am nächsten. Ivos künstlerische Seite war ein wichtiges Bindeglied für die Beziehung zum Vater, die von liebevoller Verehrung bis zu kritischer Betrachtung reichte.

Von Frank Bürstenbinder

Info: Harriet Hauptmann liest am Sonnabend (6. Juli 2013) um 16 Uhr in Radewege aus dem Briefwechsel zwischen Gerhart und Ivo Hauptmann „In höchster Berliner Eile...“

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