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Germanen und russisches Kochgeschirr

Spuren der Vergangenheit am Beetzsee Germanen und russisches Kochgeschirr

Sieghard Wolter holt die Vergangenheit ans Tageslicht – vom Bronzebeil bis zum Stahlhelm. Der Brandenburger ist ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger. Sein Hobby treibt ihn auf Äcker und in Wälder. Zu den spannendsten Fundplätzen gehören die uralten Siedlungsplätze zu beiden Seiten des Beetzsees.

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Sieghard Wolter zeigte in Butzow Fundstücke aus der Vergangenheit.
 

Quelle: Volkmar Maloszyk

Butzow.  Jeder Acker hat seine Geschichte. Sieghard Wolter holt sie ans Tageslicht. Das kann ein Armreifen aus der Bronzezeit sein. Gefunden kurz vor Weihnachten am östlichen Beetzseeufer. Oder jede Menge mittelalterliche Keramik unterhalb des Gortzer Flachsberges. Uniformknöpfe napoleonischer Soldaten sind dabei. Außerdem Hacksilber, Ohrringe, Koppelschlösser, Orden und Silberbestecke. Die Liste der Fundstücke ist lang. Denn der Boden rund um den Beetzsee ist reich an Zeugnissen aus der Vergangenheit.

Fachkundig geschult

Als ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger hat Sieghard Wolter dazu beigetragen, spektakuläre Funde zutage zu bringen. Dazu gehörte 2014 die Entdeckung eines Münzschatzes auf einem Acker bei Götz. Der Fund besteht aus mehreren tausend Silberdenaren aus dem 13. Jahrhundert (MAZ berichtete).

Die Brandenburger Denkmalschutzbehörden bauen bei der Erforschung der Landesgeschichte auf die Mitarbeit fachkundig geschulter Laien. Vor der Ernennung zum ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger müssen die Freiwilligen eine zweijährige Ausbildung und anschließend eine Prüfung absolvieren.

Sieghard Wolter ist ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger. Mit diesem Titel sind besondere Befugnisse verbunden. Der Brandenburger darf eigenständig Feldbegehungen durchführen und dabei einen Metalldetektor einsetzen. Das Suchgerät schlägt an, wo schusslige Germanen römische Münzen verloren haben, russische Soldaten beim Abzug aus Waldlagern ihr verbeultes Kochgeschirr zurückließen, oder massenhaft Bleikugeln zu Manöverzwecken verschossen wurden - wie im Marzahner Fenn.

Wolter sucht in der Regel so tief, wie ein Bauer pflügen kann. „Erstaunlich, was da immer wieder hoch kommt“, berichtete der Hobby-Archäologe auf Einladung des Fördervereins Butzower Dorfkern bei einem Vortrag in der Begegnungsstätte. Den Zuhörern präsentierte Wolter einige Zeugnisse seines ausgeprägten Spürsinns, dem er im Auftrag des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum (BLDAM) nachgehen darf.

Ein kürzlich gefundener Armreif aus Bronze vor einer Bodendenkmalkarte

Ein kürzlich gefundener Armreif aus Bronze vor einer Bodendenkmalkarte

Quelle: MaloszykVolkmar

 Stahlhelm und Ehrendolch zum Beispiel gehören zu den immer noch zu findenden Überbleibseln aus den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges. Sowie Panzerkettenteile und immer wieder Munitionsreste. Das hat seinen Grund: Aus dem umkämpften Berlin ausgebrochene deutsche Truppen stießen in den ersten Maitagen 1945 in der Beetzsee-Region auf Truppen der Roten Armee. Besonders zwischen Päwesin und Ketzür flammten lokale Gefechte auf. Vom traurigen Ende künden die Soldatengräber auf den Friedhöfen der Beetzseedörfer.

Nicht minder spannend und dramatisch ging es in der Ur- und Frühgeschichte zu. Schon in der Bronzezeit war die wasserreiche Gegend von Slawen dicht besiedelt. Handelsstraßen in Nord-Süd-Richtung bildeten sich heraus. Kupfer und Zinn mussten importiert werden. Schmuckgegenstände, Handwerksgerät und Waffenteile werden immer noch gefunden. Wolter entdeckte unter anderem ein bronzenes Beil.

Ein Beil aus der Bronzezeit

Ein Beil aus der Bronzezeit.

Quelle: MaloszykVolkmar

 Der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger geht bei seiner Arbeit systematisch vor. Luftbilder zum Beispiel können Anhaltspunkte für mögliche Fundplätze liefern. Anomalien im Boden, wie sie unterhalb des Flachsberges bei Gortz entdeckt wurden, weisen auf eine Turmburganlage hin. Diese hatte wohl eine Brückenverbindung zur Möweninsel. „Eine Sondenbegehung auf dem Feld brachte viele Belege für einen Handelsplatz ans Tageslicht“, berichtete Wolter.

In Butzow berichtete Sieghard Wolter (r)  über archäologische Funde am Beetzsee

In Butzow berichtete Sieghard Wolter (r.) über archäologische Funde am Beetzsee.

Quelle: MaloszykVolkmar

Was der Helfer der Denkmalbehörden im Erdreich entdeckt, bleibt natürlich im Eigentum des Landes. Er darf die Funde bergen, melden und abliefern. Wolter, dessen Tätigkeitsbereich sich über ganz Potsdam-Mittelmark erstreckt, folgt gerne Einladungen zu Vorträgen, um über seine Entdeckungen zu berichten: „Es ist schön, wenn sich die Leute für ihre Heimat interessieren. Dann lesen wir gemeinsam die Spuren der Vergangenheit.“

Von Frank Bürstenbinder

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