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Brandenburg/Havel Geschichten-Erzähler gesucht!
Lokales Brandenburg/Havel Geschichten-Erzähler gesucht!
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13:51 23.07.2015
Eine begehbare Weidenskulptur mit Treibgut symbolisiert eine Sammlung von „Havelgeschichten. Quelle: Marie Lehmann
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Brandenburg an der Havel

Es ist ein ganz besonders origineller Themengarten auf dem Packhof-Gelände: Sein Herzstück ist eine – begehbare – Weidenskulptur, die äußerlich ein wenig an eine Flussbiegung erinnert. Zwischen die Weidenruten wurden Treibgüter aus der Havel eingeflochten, die man aus dem Fluss „gefischt“ hat. „Die Gestaltung des Gartens ist unter anderem von Barry Lopez’ ,River Notes’ inspiriert, in dem der Fluss eine Geschichten erzählende Rolle von Alltag und Schicksal der am Fluss lebenden Menschen und Tiere spielt“, erzählt Marie Lehmann vom Landschaftsachitekten-Büro „Dr. Szamatolski und Partner“.

Jeder darf sich beteiligen

Die Botschaft des Themengartens geht noch weiter und sie lautet: Jeder kann zum Geschichtenerzähler werden! Rechtzeitig zum Start der Buga hat eine neuartige Internetseite für Landschaftsliebhaber den Betrieb aufgenommen. Unter www.havelgeschichten.de werden Geschichten, Anekdoten, Ausflugs-Tipps und Erinnerungen aus der Region gesammelt, erklärt Marie Lehmann das Konzept von Angus Forbes: „Als Tourismusplaner wollten wir ein Experiment zum Teilen von Naturerlebnissen, Ideen und Ausflugstipps ausprobieren.“

Der virtuelle Fluss

Besucher des Themengartens auf dem Packhof-Gelände in Brandenburg/Havel können den QR-Code am Garteneingang scannen oder einfach die Internetadresse www.havelgeschichten.de aufrufen und durch eine virtuelle Landschaft von „Havelgeschichten“ von Liebhabern der Region reisen, diese kommentieren und ergänzen.

Mit den Geschichten lässt sich die Havelregion auf eine einzigartige Weise entdecken. Es handelt sich nicht nur um Tipps und Sehenswürdigkeiten, es geht auch um das Teilen von Gedankengut und Werten, die die Havelländer und Besucher mit „ihrer“ Landschaft verbinden.

Tourismusverbände und Kommunen interessieren sich bereits für www.havelgeschichten.de. Das Konzept kann auf jede Region übertragen werden.

Wer die Seite besucht, kommt aus dem Schmökern nicht so bald heraus. Beispiel: „Bimmel-Bolle stammt aus Milow.“ Mit dieser Überschrift ist schon mal die Neugierde geweckt. Wer, um Himmels willen, war „Bimmel-Bolle“? Eugen Gliege, der Verfasser der kurzen Geschichte auf der Internetseite, schildert den Werdegang des Berliner Milchfabrikanten Carl Andreas Julius Bolle, der 1832 in Milow geboren wurde. Obwohl er seine Eltern schon als Hosenmatz verlor, kämpfte er sich nach oben. „Ende der 1970er-Jahre hielt er 30 Kühe auf seinem Grundstück Lützowufer 31, die Milch für ,Bolles Milchausschank’, bald bekannt als ,Kuhdestille’ oder ,Babythek’, lieferten.“ Sein Spitzname entstand wegen der immer mit Handglocken bimmelnden Milchverkäufer auf seinen Bolle-Milchwagen. Seine Villa in Milow stellte er seinen Mitarbeitern zur Erholung zur Verfügung. Heute befindet sich in dem früheren Sommersitz die Jugendherberge „Carl Bolle“.

Bleibendes Dokument der Buga-Zeit

Auf der Website findet man außerdem Gedichte, Naturschilderungen und Regionalgeschichtliches. Eine wunderbare Idee: Ein Buch, an dem die Internetnutzer alle selbst mitschreiben können. Sie können eigene Erlebnisse, Tipps und Liebeserklärungen und ein ergänzendes Foto mit wenigen Klicks einstellen und auf der Karte verorten. Am Ende entsteht so ein bleibendes Dokument aus der Buga-Zeit.

Der Themengarten wird hingegen sein natürliches Ende finden, sobald die Gartenschau im Oktober ihre Pforten geschlossen hat. „Die Weitenruten kommen in eine Verbrennungsanlage; die Steinplatten werden in Privatgärten wieder verbaut“, erzählt Marie Lehmann. Auch die Havel-Fundstücke werden dann entsorgt.

Von Ildiko Röd

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