Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg/Havel Gesundheitszentrum sichert Patientenversorgung ab
Lokales Brandenburg/Havel Gesundheitszentrum sichert Patientenversorgung ab
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:13 02.08.2018
Frank Olaf Truhn hat seine allgemeinchirurgische Praxis ans Gesundheitszentrum verkauft, behandelt aber als angestellter Arzt weiterhin Patienten. Quelle: JACQUELINE STEINER
Anzeige
Brandenburg/H

Ungefähr 27 Jahre lang hat Frank-Olaf Truhn (61) als niedergelassener Allgemeinchirurg Patienten in Brandenburg/Havel behandelt. Vor gut fünf Jahren hat er begonnen, einen Nachfolger für seine Praxis am Handwerkerhof zu suchen.

Doch er fand niemanden – kein Wunder, denn „Allgemeinchirurgen werden nicht mehr ausgebildet“, berichtet Truhn. Deshalb fehle der der Nachwuchs in diesem Fachgebiet.

Doch für den Brandenburger Arzt war klar: „Ich werde älter und möchte in absehbarer Zeit in Rente gehen.“ Frank-Olaf Truhn hat eine Lösung gefunden. Seit Jahresbeginn ist er nicht mehr selbstständig, sondern wie andere Niedergelassene vor ihm Angestellter des Gesundheitszentrums Brandenburg (GZB).

Praxisverkäufer arbeiten weiter

Die Tochtergesellschaft des städtischen Klinikums entwickelt sich zunehmend zu einem Garanten der fachärztlichen Versorgung der Menschen in Brandenburg/Havel und umliegenden Gemeinden.

Der genannte Allgemeinchirurg und die Kinderärztin Sabine Pauli in Kirchmöser sind die vorerst letzten, die ihre Praxis ans städtische Klinikum beziehungsweise dessen Tochtergesellschaft verkauft und ihre Selbstständigkeit damit aufgegeben haben.

Im Idealfall nur Gewinner

Im Idealfall profitieren alle Beteiligten vom GZB.

Die zuvor niedergelassenen Ärzte haben die Nachfolge geregelt und können schleichend in den Ruhestand treten.

Die Patienten behalten zumindest vorerst ihren Arzt und können sich an den Übergang gewöhnen. Sie nehmen teil an einer breit gefächerten ärztlichen Versorgung, zu der das Krankenhaus in der Hochstraße ebenso gehört wie das große haus- und fachärztliche Angebot des Gesundheitszentrums.

Das Klinikum hat ebenfalls Vorteile, steigt doch die Wahrscheinlichkeit, dass es Patienten all dieser Arztpraxen gewinnt, sobald diese auf eine stationäre Behandlung angewiesen sind.

Fachärzte, die im städtischen Krankenhaus ausgebildet wurden, können einen attraktiven Arbeitsplatz in der ambulanten Versorgung erhalten und müssen dabei nicht selbst investieren und kein wirtschaftliches Risiko eingehen.

Die Region behält Ärzte, die ihr sonst womöglich den Rücken kehren würden.

Angestellte GZB-Ärzte gibt es in Brandenburg/Havel, Premnitz, Rathenow, Bad Belzig und Golzow.

Viele Patienten dürften gar nicht mitbekommen, dass ihre vertrauten Ärzte seit Jahresbeginn Angestellte sind mit festen Arbeitszeiten und Urlaubsansprüchen. Denn beide arbeiten wie gehabt. Zumindest fürs erste.

Dr. med. Milena Schaeffer-Kurepkat ist Geschäftsführerin der Gesundheitszentrum Brandenburg GmbH (GZB) in Brandenburg an der Havel. Quelle: Thomas Wachs

„Durch die Übergabe an uns wird ein „sanfter“ Ausstieg aus dem Berufsleben möglich“, erklärt Milena Schaeffer-Kurepkat. Sie ist selbst promovierte Ärztin und seit knapp zwei Jahren Geschäftsführerin des Gesundheitszentrums Brandenburg an der Havel.

Das Zentrum ist weit mehr als das Gebäude am Brandenburger Hauptbahnhof. Es besteht aus fünf Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) mit jeweils einer Vielfalt an Arztpraxen und trägt maßgeblich zur ambulanten Versorgung der Bevölkerung in Brandenburg/Havel und darüber hinaus bei.

Zum Unternehmen gehören inzwischen 34 Haus- und Facharztpraxen mit rund 200 Angestellten, darunter fast 50 Ärzten. In den Jahren 2015 bis 2017 hat die GZB GmbH zwei Praxen in der Stadt Brandenburg sowie sieben Praxen im Umland übernommen, die genannten zwei sind Anfang 2018 hinzu gekommen.

Erst auf dem freien Markt

Niedergelassene Ärzte versuchen wegen ihres bevorstehenden Ruhestands häufig, ihre Praxis zunächst auf dem freien Markt anzubieten. Auch weil sie Vorbehalte haben gegen Medizinische Versorgungszentren. Doch dann bietet sich diese Lösung für die letzten Berufsjahre doch an.

Die ehemaligen Praxisinhaber müssen zwar drei Jahre lang weiter als Ärzte in ihrer einstigen Praxis r tätig bleiben. Sie können aber die betriebswirtschaftliche und administrative Verantwortung abgeben werden und ihre Arbeitszeit schrittweise reduzieren.

Es geht nicht um Ergebnismaximierung

„Das Klinikum und das GZB erfüllen mit der Übernahme in erster Linie einen Versorgungsauftrag, insbesondere bei Praxen, die Schwierigkeiten haben, einen Nachfolger zu finden“, betont Milena Schaeffer-Kurepkat. Die Geschäftsführerin weist darauf hin, dass die GZB GmbH gemeinnützige Zwecke verfolge.

Schaeffer-Kurepkat: „Bei den Praxisübernahmen steht insofern nicht die Ergebnismaximierung im Vordergrund, sondern die Aufrechterhaltung der ambulanten und sektorenübergreifenden Versorgung für die Stadt Brandenburg und Teile des Umlandes.“

Von Jürgen Lauterbach

Brandenburg/Havel Brandenburg an der Havel - Ein Herz für alte Häuser

Wer sich an das Sanieren von Immobilien aus dem 15. Jahrhundert herantraut, braucht Mut, Erfahrung, eigenes Geld und jede Menge Fördermittel. Am Parduin ist ein solches Unterfangen nun geglückt.

01.08.2018

Kein Grund zur Aufregung mehr in Kirchmöser. Dort wurde zwar eine Granate aus dem 2. Weltkrieg entdeckt. Aber Fachleute haben sie schon sicher abtransportiert.

01.08.2018

Warum begaben sich Völker einst auf Wanderschaft? Wer waren die Slawen, die hier lebten und woher kamen sie? Diese spannenden Fragen beantwortet die Kinderführung im archäologischen Landesmuseum.

01.08.2018
Anzeige