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Getriebewerker wollen satte fünf Prozent mehr

Warnstreik bei ZF Getriebewerker wollen satte fünf Prozent mehr

Zehn Stunden nach dem Ende der Friedenspflicht versammeln sich am Freitag mehr als 300 Frauen und Männer vor dem Werktor des Getriebewerks ZF in Brandenburg an der Havel. Sie fordern mit der IG Metall in der Hauptsache 5 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Damit sind sie weit vom Einstiegsangebot der Arbeitgeber entfernt.

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Warnstreik mit Blechschwein vor ZF. Die IG Metall fordert 5 Prozent mehr Geld.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg/H. Jede Menge rot-weiße Schals sind schon aus der Entfernung zu erkennen. Nanu, was machen den all die Bayern München-Fans vor dem Werktor des ZF-Getriebewerks in Brandenburg/Havel? Schnell klärt sich das auf. Rot und Weiß sind auch die Farben der Gewerkschaft IG Metall. Die hatte für 10 Uhr am Freitag aufgerufen zum gut zweistündigen Warnstreik.

Flugs versammeln sich zwischen 300 und 350 Frauen und Männer vor der ZF Friedrichshafen AG vor dem Werk in der Caasmannstraße versammelt. Es geht in erster Linie um Geld, wenn es nach der IG Metall geht am liebsten fünf Prozent mehr Lohn und Gehalt für die gut 1100 Getriebebauer in Brandenburg und bundesweit für ihre Kollegen in der Metall- und Elektorindustrie.

Mehr als 300 Menschen versammeln sich

Dass es diesmal nicht um Arbeitsplätze und damit die Existenz geht, ist an dem sonnigen Vormittag schnell zu spüren. Draußen gibt es wie immer Bockwurst und Buletten bis zum Abwinken. Von drinnen aus dem Werk nähert sich nähert sich ein Teil der Belegschaft langsam in Richtung Einfahrt, wo schon 200 Teilnehmer warten.

Rosa Schweinchen-Luftballons werden geschwungen, eher fröhlich als kämpferisch die neuen Trillerpfeifen zu Gehör gebracht. Prunkstück ist die rosa angestrichene Blechtonne mit Zylinder, Schweinchenschnauze und Euro-Zeichen in den Augen. Die Aufschrift verrät worum es geht: um „fette 5 Prozent“ mehr bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.

Mehr Geld für Brandenburger Azubis

Die Arbeitgeber haben zuletzt 2,1 Prozent mehr Geld in zwei Stufen über zwei Jahre angeboten sowie eine Einmalzahlung von 0,3 Prozent.

Für Berlin und Brandenburg fordert die IG Metall auch die Angleichung der Auszubildenden-Vergütung an die in Sachsen. Außerdem soll sie wie in anderen Tarifgebieten an das Facharbeiter-Eckentgelt gekoppelt werden.

Stefanie Jahn wurde am 17. März zur hauptamtlichen Bevollmächtigten der IG Metall Oranienburg-Potsdam gewählt.

Ihr Vorgänger Bernd Thiele war nach 25 Jahren nicht mehr angetreten.

Reiner Spaß ist der Warnstreik dann allerdings doch nicht, wie die regionale IG-Metall-Chefin Stefanie Jahn schnell deutlich macht. Nach wenigen Minuten, in denen sie die Kampfziele erläutert hat, holt sie die Instrumente hervor, die auf die „Aufwärmphase“ folgen könnten.

Wenn die Arbeitgeberseite bis Pfingsten kein verhandlungsfähiges Angebot vorlege, seien 24-Stunden-Warnstreiks die Antwort der IG Metall. Das Angebot der Arbeitgeber, das bei 0,9 Prozent liege, bezeichnete Jahn als „schlechten Witz“, nämlich das niedrigste Auftaktangebot seit 1994 und damit der Negativrekord.

Gewerkschaft will bis Pfingsten ein Angebot

ZF-Betriebsratschefin Carmen Bahlo ist als IG-Metall-Vorstandsmitglied seit mehr als 20 Jahren in erster Reihe an Tarifverhandlungen beteiligt. Sie macht sich in der Kundgebung dezent lustig über das ewige Jammern der Arbeitgeber mit den immer gleichen Phrasen, die sie nicht mehr hören könne. Meist sei der Ölpreis zu hoch für Tariferhöhungen, diesmal sei er aus Arbeitgebersicht zu niedrig und die Ölmultis kauften daher keine Produkte.

Die Losung „falsche Zeit für Hohenflüge“ kommt bei Carmen Bahlo gar nicht gut an. Sie sagt: „Ich kann mich nicht erinnern, dass die Arbeitgeber Zeit dafür einmal richtig fanden.“

Natürlich weiß die Betriebsratschefin, dass ZF sein Leute relativ gut bezahlt. Sie berichtete von Kfz-Meistern, die ihre Festanstellung aufgegeben hätten, um eine befristete Stelle bei ZF in einer niedrigen Entgeltgruppe anzutreten. Das lasse erkennen, wie schlecht die Bezahlung vorher war. Bahlos Argument: „Wir müssen die anderen nach oben ziehen, sonst werden wir am Ende von den Niedriglohnbetrieben nach unten gezogen.“

Von Jürgen Lauterbach

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