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Geuenteich hängt wieder an der Wand

Gemälde restauriert Geuenteich hängt wieder an der Wand

Der Maler Otto Altenkirch (1875-1945) gehört zu Ziesars berühmtesten Söhnen. Die Feldwege, Gehöfte und Wasserlandschaften rund um die Stadt waren für den bedeutenden Spätimpressionisten eine bevorzugte Malregion. Sein Ölbild vom Geuenteich bei Köpernitz wurde gerade restauriert. Es schmückt wieder das Heimatmuseum.

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Wieder ist ein Stück Heimatgeschichte restauriert: Vereinsmitglieder und private Sponsoren freuen sich im Beisein von Amtsdirektor Norbert Bartels (l.) über Otto Altenkirchs Geuenteich.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Ziesar. Der Geuenteich ist zurück. Die grauen Wolken ziehen nicht mehr ganz so düster über die einstigen Köpernitzer Tonkuten. Selbst der mit Erlen bestandene Waldrand wirkt weniger finster als vor der Restaurierung. Im Wasser spiegelt sich das dramatisch wechselnde Licht eines aufgefrischten Vorfrühlingstages von tiefblau bis weiß. Seit Dienstag hat das von Otto Altenkirch geschaffene Ölgemälde wieder seinen Platz im Heimatmuseum von Ziesar eingenommen.

Die Dresdner Restauratoren des angesehenen Ateliers Körber & Körber haben gute Arbeit geleistet. Sie nahmen den alten Firnis ab, reinigten die Malschicht und retuschierten partielle Farbverluste.

Viele Bilder verloren gegangen

Am Sonntag, 21. Mai, ist „Internationaler Museumstag“. Aus diesem Anlass präsentiert der Kultur- und Heimatverein Ziesar im Heimatmuseum an der Burg ab 10 Uhr die bislang restaurierten Bilder von Otto Altenkirch und weitere Werke. Um 14 Uhr wird über die Arbeitsschritte bei der Überarbeitung berichtet.

In Ziesar existiert nur ein Bruchteil von Altenkirchs künstlerischem Erbe. Von seinen rund 2300 Bildern und Zeichnungen ist wohl ein Großteil im Zweiten Weltkrieg verloren gegangen. Derzeit ist der Verbleib von etwa 200 seiner Gemälde bekannt.

Vorgestellt wird beim Museumstag auch die Bau- und Entwicklungsgeschichte des ehemaligen Hotels „Schwarzer Adler“. In dem Haus in der Badstraße 14 ist seit vielen Jahren ein Jugendzentrum der Stadt untergebracht.

 

Es war um die Ostertage 1927, als Altenkirch seiner Geburtsstadt und seinen Verwandten am Petritor wie jedes Jahr um diese Zeit einen Besuch abstattete. Damals gehörte der im sächsischen Siebenlehn lebende Künstler längst zu den bedeutendsten Vertretern des Spätimpressionismus. Die Feldmark und die Gehöfte rund um Ziesar blieben für ihn lange Zeit eine bevorzugte Malregion. Dazu gehörte die versteckte Wasserlandschaft am idyllischen Geuenteich. Dort baute der Freilichtmaler Altenkirch mehrmals seine Staffelei auf, um Erlenbrüche, Schilfteiche, das Geuengehöft und immer wieder graues Wetter mit Ölfarbe auf die Leinwand zu bannen.

So würde sich heute der Geuenteich bei Köpernitz dem Maler zeigen

So würde sich heute der Geuenteich bei Köpernitz dem Maler zeigen.

Quelle: Frank Bürstenbinder

„Der Maler muss den Geuenteich geliebt haben. Denn es existieren mehrere Varianten des Gewässers“, meint Silvia Zimmermann. Die Vorsitzende des Kultur- und Heimatvereins Ziesar freut sich über die Rückkehr des restaurierten Gemäldes. Es ist das bislang dritte Bild im Besitz der Stadt Ziesar, das einer aufwendigen Verjüngungskur unterzogen wurde. Im Fall des „Geuenteichs“ waren es Eigenmittel des Vereins und private Spenden, die die 1000 Euro teure Restaurierung möglich gemacht haben. Zu den Unterstützern gehört zum Beispiel Thomas Lennecke. Für den Stadtverordneten sind mit dem abgelegenen Ort vor allem Erlebnisse aus der Jugendzeit verbunden: „Der Geuenteich war für uns eine beliebte Bade- und Partystelle.“ Auch Ziesars Bürgermeister Dieter Sehm, ein gebürtiger Köpernitzer, griff in seine Privatschatulle, um das Gemälde überarbeiten zu lassen.

Obwohl er nur seine Kindheit in Ziesar verbrachte, blieb Otto Altenkirch seiner Geburtsstadt stets verbunden

Obwohl er nur seine Kindheit in Ziesar verbrachte, blieb Otto Altenkirch seiner Geburtsstadt stets verbunden.

Quelle: privat

Die Kommune beteiligt sich mit Haushaltmitteln an der schrittweisen Aufarbeitung des kulturellen Erbes. 1000 Euro steuerte die Stadt bereits für die Restaurierung der Bilder „Hausgarten Blühender Phlox“ und „Baumblüte am Romanus“ bei. „Mit Rücksicht auf die Finanzlage muss die Stadt ihr Engagement auf mehrere Jahre verteilen“, sagte Bürgermeister Sehm bei der Wiederaufhängung des „Geuenteichs“. Weitere 1000 Euro sind im Etat für 2017 eingestellt. In Dresden stehen gerade zwei weitere Altenkirch-Bilder aus städtischem Besitz zur Restaurierung an. Insgesamt besitzt die Stadt 30 Gemälde ihres berühmten Sohnes. Ein großer Teil kam 2002 durch eine Schenkung aus Privathand in kommunalen Besitz. Doch nicht bei allen Werken ist eine Überarbeitung sinnvoll, so die Einschätzung von Experten.

Derweil wird überlegt, ob die Altenkirch-Bilder im Heimatmuseum aus klimatischen Gründen noch gut aufgehoben sind. Amtsdirektor Norbert Bartels kann sich vorstellen den Empfangsbereich der Verwaltung auf der Burg in eine kleine Galerie umzuwandeln. „Denkbar wäre auch eine Ausstellung in der Bibliothek“, sagte Bartels der MAZ. Die Überlegungen, wo sich Ziesars Schatz angemessen und sicher präsentieren lässt, sind allerdings noch nicht abgeschlossen.

Das nie in Betrieb genommene Kinderferienlager unweit des Geuenteichs

Das nie in Betrieb genommene Kinderferienlager unweit des Geuenteichs.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Wer sich 90 Jahre nach Altenkirch zu den Köpernitzer Tonkuten durchschlägt, trifft auf eine verwunschene und dicht bewachsene Teichlandschaft, die aus mehreren umwaldeten Erdelöchern besteht. Kein Schild weist den Weg. Dabei entstand noch zum Ende der DDR vor dem heutigen Naturparadies ein Kinderferienlager für das Kombinat Lokomotivbau Elektrotechnische Werke Henningsdorf (LEW). Doch die Wende kam der Inbetriebnahme zuvor. Die Bungalows wurden nie bezogen. Dafür holen sich die von Altenkirch so oft gemalten Birken und Erlen das Areal zurück.

 

Von Frank Bürstenbinder

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