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Gläserne Andenken auf der Buga

Handwerkskunst aus Rathenow Gläserne Andenken auf der Buga

Er ist einer der Letzten seiner Zunft: Zur Bundesgartenschau hat Glasbläser Torsten Krüger (50) seine Werkstatt in den Rathenower Optikpark verlegt. Nach dem Unwetter vom Wochenende ist seine Glas-Flamme aber vorerst erloschen.

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Der letzte seiner Zunft: Glasbläser Torsten Krüger.

Quelle: Josefine Sack

Rathenow. Schon wieder hat Torsten Krüger, einer der letzten Glasbläser in der Region, unfreiwillig Buga-frei: In der vergangenen Woche untersagte ihm der Buga-Zweckverband wegen der anhaltenden Hitze und der erhöhten Waldbrandgefahr das Blasen über offener Flamme. In dieser Woche zwingen ihn die Folgen des Unwetters vom Wochenende, sein Handwerk ruhen zu lassen.

Sein Zelt im Optikpark, das dem Rathenower Glasbläser während der gesamten Bundesgartenschau (Buga) als Werkstatt dient, hat das Gewitter zwar verschont. Lediglich ein paar Glasvasen gingen am Sonnabend zu Bruch. Doch wegen der Aufräumarbeiten, die noch andauern, kann Krüger seinen Verkaufsstand auf dem Gärtnermarkt erst an diesem Freitag wiedereröffnen.

Der Verkaufsschlager auf der Buga

Der Verkaufsschlager auf der Buga: Krügers Rosenvasen.

Quelle: Josefine Sack

Während der Buga-Pause die Beine hochlegen, das kommt für den Glasbläsermeister aber nicht in Frage: „Ich nutze die Tage, um in meiner Werkstatt vorzuproduzieren“, sagt er. Seit 1987 betreibt der Kunsthandwerker seine Bläserei im Philosophenweg in Rathenow, seine Wurzeln liegen im Harz. Die Lehre zum Apparatebauer absolvierte Krüger Anfang der 1980er Jahre in Thüringen. Noch heute wird der Nachwuchs an der Glasfachschule in Ilmenau ausgebildet. „Zu DDR-Zeiten waren mehr als die Hälfte der Lehrlinge in meiner Klasse Mädchen“, erinnert sich der heute 50-Jährige. Denn der Beruf des Glasbläsers ist reine Handarbeit und erfordert viel Fingerspitzengefühl. Wegen ihrer zierlichen Hände eigneten sich die Frauen angeblich eher für den Beruf als „wir Männer mit unseren Wurstfingern“, scherzt Krüger. Nach der Lehre heuerte er im Chemiefaserwerk in Premnitz an, wo er Laborgeräte aus Glas fertigte. „Mehr als 1000 Glasbläser gab es zu DDR-Zeiten in und um Ostberlin“, schätzt Krüger und ergänzt: „Heute arbeiten in der Region nur noch circa 20 Glasmacher.“ Die wenigsten haben laut Krüger noch eine eigene Werkstatt. Die meisten arbeiten an der Uni oder in der Industrie.

Während technische Glasapparatebauer händeringend gesucht werden, haben es Kunst-Glasbläser in Deutschland nicht leicht. „Billiges Glas aus China macht den Markt kaputt“, klagt Krüger. Auch das Arbeitsmaterial sei zunehmend schwerer aufzutreiben. Waren Glasröhren früher noch in fast allen Farben erhältlich, produzieren die Glashütten heute nur noch ausgewählte Farbröhren. Grund seien die hohen Energiekosten, vermutet Krüger.

Auch am Ohr macht sich Glasschmuck hervorragend

Auch am Ohr macht sich Glasschmuck hervorragend.

Quelle: Josefine Sack

Aufgeben will der Einzelkämpfer aus Rathenow trotzdem nicht. Glasblasen sei nach wie vor seine Leidenschaft: „Trotz der Schwierigkeiten macht es Spaß, so kreativ zu arbeiten und mein eigner Herr zu sein“, bringt Krüger die Vorteile seines Berufs auf den Punkt. Das ganze Jahr über zieht er mit seinem Stand von einem Handwerksmarkt zum nächsten quer durch Deutschland. Nur zur Buga hat er eine Pause in seiner Heimatstadt eingelegt. Auf dem Gärtnermarkt im Optikpark zeigt er sein Können und hofft darauf, dass die Besucher zum Andenken an die Havel-Gartenschau eine seiner gläsernen Vasen kaufen. Bislang scheint sein Konzept aufzugehen: „Die Rosenvasen gehen am besten“, verrät Krüger. 19 Euro kostet der filigrane Blumenhalter aus buntem Glas. Ein ebenso beliebtes Buga-Souvenir sind Krügers geschwungene Orchideenstäbe, verziert mit Kolibris und zarten Blättern, aber auch die Durstkugeln: Das runde Glasgefäß wird mit Wasser befüllt und in den Blumentopf gesteckt. So kann das Wasser in der Kugel langsam in die Erde sickern. Krügers gläserne Buga-Andenken sind nicht nur optische Hingucker, sondern obendrein auch noch praktisch.

Glasbläser – ein aussterbender Beruf

Glasbläser ist ein aussterbender Beruf. Denn echte Handarbeit ist teuer. Den Glashütten machen vor allem die hohen Energiekosten zu schaffen.

Gute Chancen haben hingegen technische Glasapparatebauer. Sie werden in Industrie und Wissenschaft händeringend gesucht.

Insgesamt arbeiten in Deutschland aktuell noch circa 3000 Menschen in glasverarbeitenden Berufen, schätzt der Verband Deutscher Glasbläser (VDG). Mehr als 500 von ihnen sind Mitglieder des VDG.

 

Von Josefine Sack

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