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Glanzvolle Aufführung von Verdis Requiem

Konzert im Brandenburger Dom Glanzvolle Aufführung von Verdis Requiem

Es war eine Verbeugung vor der Macht des Todes: Mehrere Chöre und zahlreiche weitere Musiker haben im Brandenburger Dom das Publikum mit einem Konzert begeistert. Und was erst der Domkantor sagte.

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Kraftvoller Klang füllt die Wiege der Mark: Mehrere Chöre und zahlreiche andere Musiker bescherten den Besuchern im Brandenburger Dom ein unvergessliches Erlebnis.

Quelle: Jacqueline Steiner

Brandenburg/H. „Libera me“ – befreie mich! Romy Petrick haucht diese Worte, kraftlos, verzweifelt, hoffnungslos? Die Sängerin, die die Sopran-Solopartie im Requiem von Giuseppe Verdi gesungen hat, ist im berühmten letzten Teil des Requiems buchstäblich über sich selbst hinausgewachsen. „Libera me. Libera me“, echot der Chor leise. Dann Stille.

Wie betäubt sind die etwa 500 Zuhörer im Brandenburger Dom, die am Sonntagnachmittag die atemberaubende Aufführung des Verdi-Requiems unter der Leitung von Domkantor Marcell Fladerer-Armbrecht erlebt haben.

Ausführende waren die Stendaler Domkantorei, der Brandenburger Kantatenkreis, die Brandenburger Symphoniker und eine hervorragende Sängerriege – die Mezzosopranistin Sandra Marks, der Tenor Nico Eckert und der Bass Ulf Friedrich Paulsen. Erst ist der Beifall noch zögerlich, entwickelt sich aber nach und nach zu jubelndem Applaus.

Verdi verlor geliebte Menschen

Giuseppe Verdi wusste, was es bedeutet, geliebte Menschen an den Tod zu verlieren. In den Jahren 1838-1840 starben seine beiden Kinder und seine junge Frau Maria Barezzi. Er kannte das Gefühl der Ohnmacht.

Verdi hat sich sein Leben lang mit dem Tod auseinandergesetzt, ohne eine Lösung für dieses Mysterium zu finden. 1867 verstarben dann in kurzer Folge Verdis Vater und sein Schwiegervater Barezzi, die mit ihm in einem Haus gewohnt hatten. Als sein Musikerkollege Gioachino Rossini im Jahre 1868 starb, initiierte Verdi eine Komponistenarbeitsgruppe, die gemeinsam ein Requiem schaffen sollte.

Jeder lieferte auch seinen Teil ab – Verdi schrieb das „Libera me“ – doch zu einer Aufführung kam es nie. Als dann im Jahre 1873 der bekannte und beliebte italienische Dichter Alessandro Manzoni starb, den Verdi sehr verehrt hat, schrieb der Komponist nun allein ein Requiem. Es wurde am 22. Mai 1874, dem ersten Todestag Manzonis, in der Mailänder Kirche San Marco uraufgeführt.

Die Chorsänger waren bereit, das Wagnis einzugehen

„Verdis Requiem hat mich schon als Jugendlicher begeistert“, erklärt Domkantor Marcell Fladerer-Armbrecht sein Interesse an dem Werk. Seitdem habe er es irgendwann einmal aufführen wollen. Nun sei es soweit gewesen, auch die Chorsänger waren bereit, das Wagnis einzugehen. Er empfinde die Komposition als sehr emotional, sagt der Domkantor.

Sie spreche Gefühle unmittelbar an, sei nicht so verkopft wie Bach oftmals. Die Umsetzung sei natürlich echt opernhaft. Mit Unterbrechung habe man seit Anfang des Jahres geprobt, sagt Fladerer-Armbrecht. Und wieso Stendal? Der Stendaler Chorleiter Johannes Schymalla sei ein ehemaliger Studienkollege von ihm.

Fladerer-Armbrecht lässt das Requiem sehr kraftvoll spielen. Vor allem in der Sequenz „Dies Irae“ (Tag der Rache) toben Orchester und Chor so gewaltig, dass man wirklich meinen könnte, das jüngste Gericht sei da. Ob das die Angst vor dem Tod nicht bekräftige? „Na klar, das ist doch normal. Angst vor dem Tod hat doch jeder“, bestätigt der Domkantor.

Hoffnung und Freude

Aber Fladerer-Armbrecht macht auch Hoffnung und Freude hörbar, wie beispielsweise im Abschnitt „Sanctus“. Und auch in den folgenden Abschnitten „Agnus Dei“ und „Lux aeterna“ nimmt Fladerer-Armbrecht Chor und Orchester subtil zurück. Die Geigen flirren leise. Beschwörend, fast zärtlich, singen die Sänger: „Requiem aeternam dona eis, Domine!“ „Ewige Ruhe gib ihnen Herr.“ Hoffnung keimt auf.

Und so konnte sich jeder Zuhörer im Brandenburger Dom von dieser brillanten Aufführung individuell angesprochen fühlen.

Von Ann Brünink

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