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Glück und Unglück des betagten Chefs

Unternehmer im Rentenalter Glück und Unglück des betagten Chefs

Wenn ein betagter Inhaber den Absprung in den Ruhestand nicht schafft, leidet häufig das ganze Unternehmen. Davor warnt Diana Rosenthal von der Fachhochschule Brandenburg. Bestatter Günther Roloff aus Lehnin hat seine Nachfolge geregelt. Er gibt sein Institut mit 75 Jahren an seine Mitarbeiterin weiter. Er weiß um seine glückliche Lage.

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Bestatter Günther Roloff mit seiner Mitarbeiterin und Nachfolgerin Ines Schmidt.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Lehnin. Der 81-jährige Firmenchef will sein Unternehmen nicht aus den Händen geben. Seine 50-jährigen Manager in der zweiten Reihe müssen tatenlos Fehlentscheidungen zusehen. Auftragsfirmen verhandeln lieber mit der zweiten Reihe der Konzernspitze und am betagten Chef vorbei. Dies ist der reale Alltag in einer Technologie-Firma in Berlin-Brandenburg und für Diana Rosenthal der schlechteste aller Fälle. Die Leiterin des Zentrums für Gründung und Transfer der Fachhochschule Brandenburg begleitet beratend Firmeninhaber, die ihr Unternehmen verkaufen wollen. „Die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens leidet unter einer solchen Situation extremst. Inhaber davon zu überzeugen, irgendwann das Unternehmen abzugeben aus Altersgründen, ist bei manchen ein ganz wunder Punkt.“

Übergabe an Mitarbeiterin

Der 73-jährige Bestatter Helmuth Roloff aus Lehnin hat seine Unternehmensnachfolge geklärt. Er übergibt sein Bestattungsinstitut an seine Mitarbeiterin Ines Schmidt, wenn er 75 Jahre alt ist. Vor drei, vier Jahren habe er sich mit der Frage auseinander gesetzt. „Hätte ich nicht eine so gute Mitarbeiterin und Nachfolgerin, dann würde ich verkaufen“, sagt Roloff.

Einen externen Nachfolger zu suchen, „ist häufig kritisch“, sagt Diana Rosenthal. „Er ist sofort mit den Erwartungshaltungen der Mitarbeiter und Geldfragen konfrontiert, ganz anders als ein Inhaber, der sein Unternehmen erst langsam aufbaut.“

Jemand, der deutschlandweit Inhaber beim Verkauf ihrer Unternehmen begleitet, ist Bernd Rüegg von M+A Rüegg Mittelstandsberatung GmbH mit Sitz in Biebergemünd bei Stuttgart. Er ist auch Ansprechpartner für Kaufinteressenten brandenburgischer Unternehmen und Betriebe einer Liste, die über die Industrie- und Handelskammer Potsdam zu beziehen ist. Dort stehen die Firmen anonymisiert. Denn Rüeggs oberste Empfehlung lautet: „Klappe halten. Sonst quakt die Belegschaft, ,der Alte will verkaufen, was wird aus uns? Vielleicht kommt eine Heuschrecke und verlegt die Produktion ins Taka-Tuka-Land’“.

Mit 60, 65 sollte Nachfolge geregelt sein

95 Prozent der Unternehmen in Deutschland sind nach Angaben Rüeggs inhabergeführt. Von ihnen gelänge nicht einmal die Hälfte eine familieninterne Nachfolge. So kommen 120.000 Unternehmen, Handwerkerbetriebe und Arztpraxen Rüegg zufolge pro Jahr auf dem Markt für den Verkauf. Doch nur rund 25.000 von ihnen seien nachfolgefähig, das heißt für Käufer überhaupt interessant. Die übrigen seien überschuldet oder würden für einen möglichen Inhaber weniger als 50.000 Euro Jahresbruttogehalt abwerfen. Das sei Minimum, um jemanden Unternehmer werden zu lassen, weiß der Wirtschaftsberater. Sonst lohne sich die Selbstständigkeit nicht. Einige Betriebe seien nicht übergabefähig.

„Vor 30 Jahren war ein Friseur auf dem Dort ein gemachter Mann, heute findet er keinen Nachfolger, weil die Kunden zum 10-Euro-Friseur in der nächsten Kreisstadt geht“. Mit 60 oder 65 Jahren sollte ein Chef seine Nachfolge geregelt haben, rät Rüegg. Wichtigste Voraussetzung sei, „die Übergabe im Kopf wollen zu wollen. Er muss akzeptieren, dass jetzt Schicht im Schacht ist.“ Dann sei es nötig, Geld für Gutachten etwa zur Unternehmensbewertung und Beratung in die Hand zu nehmen. „Es ist die Zeit für Blut, Schweiß und Tränen.“ Meist dauere es zwischen sechs Monaten und anderthalb Jahren, einen Käufer zu finden. „Ich weiß von Leuten über 80, die werden irgendwann tot aus ihrem Unternehmen herausgetragen, weil sie es nicht schaffen, loszulassen.“

Bestatter Helmuth Roloff indes weiß um seine glückliche Situation. „Meine Nachfolgerin wird den Laden bestens schmeißen“.

Von Marion von Imhoff

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