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Görden-Bahnhof wird zum Wohnhaus

Brandenburger Baupläne Görden-Bahnhof wird zum Wohnhaus

„Kommst du mit dem Zug zu uns?“ fragt Clemens Kießig gerne seine Besucher, denn er wohnt bald im alten Brandenburger Gördenbahnhof. Gemeinsam mit seiner Frau hat der Brandenburger die Immobilie gekauft und baut sie jetzt zu ihrem gemeinsamen Domizil aus. Ein echtes Abenteuer, wie sie feststellen müssen.

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Alter Gördenbahnhof Brandenburg: Käufer Annett und Clemens Kießig

Quelle: Ina Schidlowski

Brandenburg/H. „Kommst Du mit dem Zug zu uns?“ fragt ein gut gelaunter Clemens Kießig am Telefon. Klingt witzig aus dem Munde eines frischgebackenen Bahnhofsbesitzers im Brandenburger Stadtteil Görden. Ist aber durchaus ernst gemeint. Auch wenn die gelb-grünen Züge der ODEG (Ostdeutsche Eisenbahn GmbH) nicht mehr direkt an seinem gerade erworbenen Grundstück mit denkmalgeschütztem Bahnhofsgebäude halten. Die Bahnstrecke Brandenburg – Rathenow Nord wurde in den Jahren 2003 bis 2005 saniert und der neu errichtete Bahnsteig um einige Meter versetzt.

Viele Brandenburger werden dennoch das Gebäude und das Bahnhofsgelände in der Mendelssohnstraße 25 vor Augen haben, von dem Reisende seit 1904 in den Zug stiegen. Wiedererkennen kann man es heute kaum. Das Grundstück ist verwaist, das 1890 erbaute Fachwerkhaus kunterbunt beschmiert und verfallen. Doch entlang der Gleise stehen junge neue Obstbäume. Eine frischgepflanzte Hecke trennt die Straße vom Grundstück. Und ein dickes Schloss am Eingang des Hauses verwehrt den Zutritt.

Grundstück ist verwaist

Den Schlüssel dafür hat Clemens Kießig. Der 51-Jährige hat gemeinsam mit seiner Frau Annett den Bahnhof mitsamt 4475 Quadratmetern Grundstück im Juni 2015 von der Deutschen Bahn gekauft. Wozu?

„Wir werden darin wohnen“, sagen beide und steigen über provisorisch ausgelegte Bretter, um ins Innere zu gelangen. Man braucht schon viel Fantasie und Optimismus, um sich diese heruntergekommene Immobilie als einladendes Wohnhaus vorzustellen.

Das Empfangsgebäude im Jahr 1989

Das Empfangsgebäude im Jahr 1989.

Quelle: Neddermeyer

Skeptische Blicke und Bemerkungen sind die diplomierte Sozialpädagogin und der Rohrnetzmeister mittlerweile gewohnt.

Gerne würden sie ihre Pläne und Vorstellungen in die Tat umsetzen, ihre neue große Aufgabe beginnen, doch noch ist der Bahnhof nicht entwidmet. „Wir haben gleich einen Tag nach dem Kauf bei der Deutschen Bahn den Antrag zur Entwidmung gestellt“, erzählt Clemens. Er ist der Mann mit dem zum Zopf gebundenen Haar, den viele als Gitarristen der Band Patchwork kennen.

Also heißt es warten. Das bringt die beiden Bahnhofsbesitzer jedoch nicht aus dem Konzept. „Schon vor zehn Jahren haben wir mit dem Gedanken gespielt“, sagen sie und, dass es bis zum Unterzeichnen des Kaufvertrages schließlich auch anderthalb Jahre gedauert habe.

Nun heißt es warten

Annett Kießig, die in der Mendelssohnstraße aufgewachsen ist und deren Eltern noch heute dort wohnen, erinnert sich gerne daran, wie sie früher in den Zug gestiegen ist, um ihre Großmutter zu besuchen. „Ich bin immer bis zum Altstadt Bahnhof gefahren“, erzählt sie, dort habe ihre Oma gewohnt und, dass sie noch immer gerne den Anschluss auf dem Görden benutzt, vor allem, um zum Hauptbahnhof zu gelangen. Vertraut ist ihr natürlich auch das alte Bahnhofsschild, auf dem nur „Görden“ stand. Und obwohl nicht damit zu rechnen war, das Schild haben die Beiden zu ihrer großen Freude in all dem Müll des Hauses wiedergefunden.

Genau diese Details sind ihnen auch wichtig. Einige wenige alte Fotos des Hauses haben sie bereits entdeckt, daran wollen sie sich orientieren. Zu Hause, im Maiglöckchenring, blättert Clemens dann den Lageplan des Grundstücks auseinander, immer weiter und weiter, bis seine Frau Annett ihm zu Hilfe eilt und mit dem anderen Ende quer durch den Raum läuft. „Das ist der Weg, den mussten wir mitkaufen“ erklären sie und auch, dass sie sich mit dem Kauf verpflichtet haben, das Grundstück einzuzäunen. Sehr vorteilhaft wirkt diese Grundstücksform nicht, doch sie sind guter Dinge und haben auch dafür Ideen. „Wir träumen von einem oder zwei Waggons, die dort stehen könnten“.

An alten Fotos orientieren

Auf dem Laptop haben sie ihre Vision vom restaurierten Bahnhof schon verwirklicht. An die ehemalige Empfangshalle schließt sich ein luftiger Glasbau und ein moderner Anbau an. Sieht fantastisch aus. „Unser jetziges Haus müssen wir dafür aber verkaufen“, sagen sie, in ihrem gemütlichen Heim sitzend.

Ist es das wert, brauchen sie die Herausforderung? Annett Kießig deutet auf ihren Mann. Der strahlt Ruhe und Sicherheit aus und einen ansteckenden Optimismus. Die drei Kinder sind groß und stehen auf eigenen Füßen und der Bahnhof ist ein schönes, neues Projekt mit Charme, erklärt er und denkt dabei auch an Abende mit Freunden und Familie mit Musik, Tanz und gutem Wein.

Geschenke gibt es auch schon. Und Clemens Kießig präsentiert eine alte Eisenbahnlampe, holt eine Signalkelle hervor und gibt grünes Licht. Na dann gute Fahrt, alter Bahnhof.

Von Ina Schidlowski

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