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Brandenburg/Havel Gördensee-Würger: Gefahr war aktenkundig
Lokales Brandenburg/Havel Gördensee-Würger: Gefahr war aktenkundig
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20:15 10.05.2016
Der Gördensee ist normalerweise ein idyllischer Ort. Viele Jogger laufen unbehelligt um den See herum. Nur am 31. Mai 2015 war es anders. Quelle: Wolfgang Mentzer
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Brandenburg/H

Auch nach dem Urteilsspruch gegen den Würger vom Gördensee, der am 31. Mai 2015 eine Joggerin (33) in Brandenburg/Havel überfallen hatte, bleiben Fragen offen. Die wichtigste: Warum erhielt ein Maßregel-Patient größte Freiheiten, dem der Gerichtsgutachter sogar zutraut, jemanden umzubringen?

Am 26. April hat die 4. Strafkammer des Landgerichts Potsdam den 39 Jahre alten Marcel B. wegen Geiselnahme und Körperverletzung zu sechs Jahren Haft verurteilt und seine Unterbringung in der geschlossenen Gerichtspsychiatrie angeordnet.

Bemerkenswert an dem Strafprozess ist weniger das noch nicht rechtskräftige Urteil als vielmehr die fachärztliche Einschätzung des Angeklagten durch den gerichtlich beauftragten Psychiater. Nach Auswertung der Krankenunterlagen von Marcel B. beschreibt Facharzt Jens Köhler den aus schwierigsten familiären Verhältnissen stammenden Täter als in seiner Persönlichkeit stark gestört ein, als „seelisch abartig“ und hoch gefährlich.

Seelisch abartig und hoch gefährlich

Köhler sieht in seiner Expertise die große Gefahr, dass Marcel B. in Freiheit wieder eine solche Straftat begehen könnte, womöglich sogar ein Tötungsdelikt. Die Potsdamer Richter trugen dieser Einschätzung Rechnung und verfügten daher die Unterbringung des Mannes im Maßregelvollzug.

Genau dort war er aber bisher schon untergebracht. Und genau dort erhielt die Freiheiten, die das Verbrechen an der Joggerin ermöglichten. Marcel B., der wegen ähnlich schwerer Straftaten schon seit den 90-er Jahren Patient des im Maßregelzug ist, durfte zeitweise allein frei rumlaufen. Maßgeblich dafür waren offenbar die Krankenunterlagen, aus denen Doktor Köhler gefolgert hatte, dass Marcel B. schwer gestört und gemeingefährlich ist.

Die MAZ fragte das zuständige Gesundheitsministerium in Potsdam und die Fachklinik auf dem Görden, wie es sein kann, dass ein Mensch, dessen Gefährlichkeit aktenkundig ist, derartige Bewegungsfreiheit genießen kann.

Nachfrage beim Gesundheitsministerium

Das Ministerium versichert, dass es sich nicht in ärztliche Entscheidungen einmische. Grundsätzlich es so, dass ein großes Team von Fachleuten über die Lockerungen von Maßregel-Patienten befinde. Da man in keinen Menschen hineinsehe könne, seien solche Entscheidungen immer mit einem Risiko verbunden, sagt Ministeriumssprecher Gabriel Hesse. Er verweist auf die Kompetenz des Chefarztes Ingolf Piezka.

Zu den widerstreitenden Deutungen und Schlussfolgerungen aus der Krankenakte von Marcel B. möchte sich Piezka nicht äußern, denn er sei für derartige Aussagen nicht von seiner ärztlichen Schweigepflicht entbunden. Soweit es im Prozess anklang, war das Vertrauen der Ärzte in Marcel B. zuletzt gewachsen, weil er seinerzeit eine Freundin gehabt haben soll.

Chefarzt Piezka hatte der MAZ vor knapp einem Jahr, losgelöst von Einzelfällen, erklärt, dass die Ärzte des Maßregelvollzugs gesetzlich verpflichtet seien, die Resozialisierung der Patienten anzustreben und auf dem langen Weg bis zu einer möglichen Entlassung schrittweise Lockerungen zu gewähren.

Erst nach vielen Jahren allein unterwegs

Erst nach vielen Jahren dürften Patienten allein nach draußen, nämlich wenn sie gelernt haben, Strategien zu entwickeln und mit ihrer Störung so umzugehen, dass nichts passiert. Der Klinikchef räumte seinerzeit ein, dass ein Restrisiko bleibe, weil die Ärzte nur prognostische Entscheidungen über Menschen treffen können.

Im Juni 2015 hatten 20 der 110 Patienten des Maßregelvollzuges auf dem Görden unbegleiteten Ausgang. Wie viele es aktuell sind, sagte weder der Klinikchef noch das von den Linken geführte Ministerium.

Die Joggerin, die während des gewalttätigen Überfalls am Gördensee von Marcel B. gewürgt, mit einem Messer bedroht und an einen Baum gefesselt wurde, schwebte lange Minuten in Todesangst. Sie ist, wie sie sagt, „ heilfroh, dass die Richter sich nicht haben beirren lassen und weitere Freiheiten des Mannes weitgehend für die Zukunft eingeschränkt haben“. Das Opfer: „Ich hoffe darauf, dass die Psychiater in sechs Jahren die Dinge besser abwägen.“

Von Jürgen Lauterbach

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