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Brandenburg/Havel Gelebte Nächstenliebe
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14:23 07.10.2018
Pfarrer Jonas Börsel sprach beim Erntedankgottesdienst in der Dorfkirche Göttin über die Bedeutung des Wassers. Quelle: JACQUELINE STEINER
Brandenburg/H

Viele Menschen reden immer nur über bürgerschaftliches Engagement –ein paar Göttiner leben es einfach. In dem 850-Einwohner-Ortsteil gibt es eine kleine einfache Kirche mit einem gepflegten Friedhof mit knapp 160 Urnen- und Sarggrabstellen.

„Immer wieder haben Menschen bei uns angefragt, ob es möglich ist, eine Grabstelle auf der ,grünen Wiese’ zu bekommen. Das gilt vor allem für ältere Menschen, die keine Angehörigen und auch nicht so viel Geld haben“, erzählt Jutta Klose vom Gemeindekirchenrat. „Zum Glück haben wir ein paar Sponsoren gefunden.“

Nicht jeder kann sich ein aufwendiges Grab leisten, Menschen werden auch in Gemeinschaftsanlagen bestattet. Die Göttiner machen das auch in ihrem Ortsteil möglich.

Das sind vor allem aktuelle und ehemalige Unternehmer und Gewerbetreibende. „So eine Anlage sollte schon lange existieren. Es gab ja schon vier Grabstellen, doch war die Anlage in einem erbärmlichen Zustand. Irgendwann haben wir uns gesagt, es muss etwas passieren“, sagt der Fuhrunternehmer Joachim Lange. „Wir sind Nachbarn im Geschäft und im Ort, keine Frage, dass ich mitgeholfen habe“, ergänzt Fuhrunternehmer Peter Pfaffe. „Die Grabstellen waren aus meiner Sicht menschenunwürdig, ich habe meine Frau in Golzow beerdigt. Ich habe mich an dem Projekt beteiligt, weil ich meinen Sachverstand als Straßen- und Tiefbaumeister einbringen wollte“, sagt Georg Köppel. Zimmerermeister Andreas Steffen half im Stillen, sein Vater Ralf entwarf die Pläne am Computer.

Die Männer organisierten Baumaterial, kleine Arbeitsmaschinen und holten sich fachliche Hilfe von Martin Mitrenga, dem Chef des Neustädtischen Friedhofes. Seit dem 1. Januar gehört die Kirchengemeinde Göttin nebst Friedhof zur Brandenburger Gemeinde Sank Katharinen. Die Topgraphie ist nicht ganz einfach, das Gelände leicht abschüssig. So wurde Erde angeschüttet, die Fläche plan gemacht, die freistehende Ecke mit Natursteinen und Mörteln befestigt. Ein kleiner Weg führt zu einem schlicht-schönen Stein, auf dem lediglich die Symbolbuchstaben Alpha und Omega für Anfang und Ende sowie der schlichte Spruch „“Dem Auge fern. Dem Herzen nah.“ aufgebracht sind. Weg und Ränder sind in rotem Stein eingefasst. Die Männer ackerten nicht allein, andere Göttiner brachten Essen, Getränke oder Material vorbei. Die benachbarte Freiwillige Feuerwehr sorgte mit regelmäßigem Bewässern für ein gutes Anwachsen des Rasens.

Martin Mitrenga lobt das Projekt: „Nicht jeder, der verstirbt, hat in unmittelbarem Umfeld jemand, der sich kümmert. Deswegen brauchen wir solche Urnen-Gemeinschaftsgrabanlagen.“ Das Besondere an dieser in Göttin sei, dass durch das ehrenamtliche Engagement und Sponsoring die Kosten nicht auf die Friedhofsgebühren umgelegt werden müssen. Auf 12.000 bis 15.000 Euro schätzt Bauexperte Köppel den Einsatz. „Wir machen das ja nicht unbedingt für uns, aber für die anderen.“ Und Lange ergänzt: „Es muss ja nicht unbedingt der Friedhof sein, aber irgendwo kann sich jeder engagieren. Man muss es nur wollen.“

Pfarrer Jonas Börsel hat am Sonntag mit den Göttinern den Erntedank-Gottesdienst gehalten. „In gewisser Weise ist diese schöne Anlage auch eine Ernte für den Gemeinsinn, insofern passt es perfekt zum Erntedank.“ Acht Grabstellen sind bereits belegt, etwa zwei Dutzend passen noch auf die neue Gemeinschaftsanlage.

Von André Wirsing

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