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Göttinger Ensemble kommt nach Brandenburg

Neues aus dem Westen Göttinger Ensemble kommt nach Brandenburg

Die ersten Erfahrungen als Schauspieler und Regisseur hat Nico Dietrich in seiner Heimatstadt Brandenburg gesammelt. Dann zog es ihn hinaus in die Welt. Heute führt er das Junge Theater Göttingen, und weil er seiner Heimat immer noch verbunden ist, bringt er das Ensemble für ein Gastspiel an die Havel.

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Schrei das Grauen des furchtbaren Krieges heraus: Das Junge Theater Göttingen bringt „Im Westen nichts Neues“ nach Brandenburg.

Quelle: Foto: Dorothea Heise Junges Theater Göttingen

Brandenburg an der Havel. Von wegen, es gibt nichts Neues aus dem Westen zu berichten. Ganz im Gegenteil. Nico Dietrich, in der Havelstadt geboren und aufgewachsen ist heute Theaterregisseur und seit Januar 2014 Intendant des Jungen Theaters in Göttingen. Mit seiner Produktion „Im Westen nichts Neues“, eine Romanbearbeitung nach Erich Maria Remarque, kommt er für ein Gastspiel am 1. und 2. Oktober ins Große Haus des Brandenburger Theaters.

Seine ersten Theatererfahrungen hat der 36-Jährige auf Brandenburger Bühnen gesammelt. „Das war in den 90er Jahren“, erinnert er sich und berichtet vom Jugendtheater im Fontaneklub, in der Kinder- und Jugendkunstgalerie Sonnensegel oder am Brandenburger Theater. Er absolvierte ein Regiestudium an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin, leitete von 2005 bis 2007 die Spielstätte „e- werk“ am Nationaltheater Weimar, war von 2010 bis 2011 Künstlerischer Leiter des Greizer Theaterherbstes und führte unter anderem Regie am Jungen Staatsschauspiel Berlin, am Hans-Otto-Theater in Potsdam, am Deutschen Theater in Göttingen und an der Volksbühne Berlin.

Erich Maria Remarque

Erich Maria Remarque (eigentlich Erich Paul Remark; geboren 22. Juni 1898 in Osnabrück; gestorben am 25. September 1970 in Locarno) verfasste überwiegend als „pazifistisch“ eingestuften Romane. Darin geht es vornehmlich um die Grausamkeit des Krieges.

Mit einem Notabitur in der Tasche kam er im Juni 1917 als Soldat an die Westfront. Kurz darauf erlitt er schwere Verletzungen durch mehrere Granatsplitter an Arm und Bein und einen Halsschuss. Der Kriegsdienst prägte sein literarisches Schaffen.

Sein Hauptwerk „Im Westen nichts Neues“ erschien 1928. Schon 1930 setzte Hollywood diesen Stoff filmisch um.

Bereits zu Beginn der Nazi-Zeit emigrierte Remarque in die Schweiz. Seine Arbeiten wurden in Deutschland als „schädliches und unerwünschtes Schrifttum“ verboten und 1933 öffentlich verbrannt. Die deutsche Staatsbürgerschaft wurde ihm 1938 aberkannt. In den USA fand er Aufnahme, bekam die amerikanische Staatsbürgerschaft und Anerkennung als Schriftsteller.

Als einer der jüngsten Intendanten Deutschlands leitet er nun ein Haus mit festem Ensemble. Obgleich sich bei dem Namen „Junges Theater Göttingen“ ein Kinder-und Jugendtheater vermuten lässt, wurde das Haus vor beinahe 60 Jahren als studentische Alternative zum klassischen Stadttheater gegründet. Mit „jung“ meinte man moderne Stoffe, neue Inhalte und Ästhetiken und so wurden vor allem Stücke junger Autoren aufgeführt, die damals noch unbekannt waren, wie Samuel Beckett oder Günter Grass.

Regisseur und Intendant Nico Dietrich

Regisseur und Intendant Nico Dietrich

Quelle: Jochen Quast

Dem innovativen Konzept hat sich auch Nico Dietrich verschrieben. Gemeinsam mit Tobias Sosinka, dem künstlerischen Leiter des Hauses, hat er den Roman von Erich Maria Remarque „Im Westen nichts Neues“ bearbeitet. Der schildert die Schrecken des Ersten Weltkrieges aus Sicht des jungen Soldaten Paul Bäumer. In der Inszenierung des Göttinger Jungen Theaters wird jedoch vor allem das Spannungsverhältnis zwischen Lehrer und Schüler herausgearbeitet. „Man hört aber Originaltexte und sieht auch Remarque auf der Bühne“, sagt Dietrich. Da ist der Lehrer, der seine Sorgfaltspflicht missbraucht und mithilfe einer fragwürdigen Ideologie junge Menschen in den Krieg schickt, ohne selbst dorthin zu müssen, da ist Sand auf der Bühne, es gibt Schützengräben und Lazarettbetten und Frauen die in Männerrollen schlüpfen.

Heimatbesuch etwas Besonderes

„Dieses Stück ist puristisch erzählt und doch wird der komplette Roman entblättert“ sagt Dietrich, der auch Regie führte. Seit der Premiere im September 2014 haben etwa 7000 Zuschauern dieses Stück gesehen, das damit eines der erfolgreichsten des Jungen Theaters ist. Natürlich war der Ausbruch des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren ein entscheidender Aspekt sich dieses Themas anzunehmen, zum anderen gehöre Remarques Roman in Niedersachsen zum Abiturstoff für das Jahr 2016.

Mit seinem Göttinger Theater in Brandenburg zu Gast zu sein, ist für den gebürtigen Havelstädter etwas ganz Besonderes. „Ich habe erlebt, wie das bestehende Ensemble in Brandenburg abgewickelt wurde“, sagt er und dass er selbst als Jugendlicher erfahren habe, welche Bedeutung Theater für die Stadt hat. „Theater kann eine Menge tun. Es kann Halt geben und unterstützend wirken, seinen eigenen Weg zu gehen.“

„Im Westen nichts Neues“, Großes Haus des Brandenburger Theaters, 1. Oktober um 19 Uhr und 2. Oktober um 10 Uhr. Karten gibt es unter anderem in der MAZ-Ticketeria in der Sankt-Annen-Galerie in Brandenburg.

Von Ina Schidlowski

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