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Götzer Bahnhof-Schnäppchen birgt Tücken

Bürokratie macht Eigentümerin zu schaffen Götzer Bahnhof-Schnäppchen birgt Tücken

Vor drei Jahren hat die Pädagogin Kathrin Schöne aus Potsdam das Götzer Bahnhofsgebäude im Rahmen einer Paketversteigerung für 10.000 Euro erworben. Ein Auge hatte sie schon länger drauf geworfen. Nun will sie gern irgendwann in dem Gebäude leben. Doch der Weg dahin ist weit – es gibt Hürden zu bewältigen.

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Das denkmalgeschützte Götzer Bahnhofsgebäude ist inzwischen eingezäunt.
 

Quelle: Claudia Nack

Götz.  „Ich bin Liebhaberin von besonderen alten Industriebauten“, sagt Kathrin Schöne. „Ich wäre auch in ein ehemaliges Gaswerk gezogen, denn ich möchte raus aus der Platte und ein eigenes Reich.“ Vor drei Jahren hat die Pädagogin aus Potsdam das Götzer Bahnhofsgebäude im Rahmen einer Paketversteigerung für 10 000 Euro erworben. Ein Auge hatte sie schon länger drauf geworfen, erzählt sie, damals aber wegen des über einen Makler angebotenen vierfachen Kaufpreises Abstand genommen und sich andere Bahnhöfe angeguckt.

Die junge Tochter von Besitzerin Kathrin Schöne möchte ihrer Mutter in Görz gerne helfen.

Quelle: Nack

 Als wie aus heiterem Himmel die Versteigerung dazwischen kam, überlegte sie nicht lange. „Als ich von mehreren Bietern dann auch noch den Zuschlag erhielt, war ich glücklich, mein Blutdruck oben“, erinnert sie sich. Von Farbschmiererein, eingeschlagenen Fensterscheiben, feiernden Jugendlichen und anderen „Schaulustigen“ eingetretenen Außentüren ließ sie sich nicht abschrecken. Auch der Zugverkehr stört sie nicht. „Im Gegenteil, man ist nicht so einsam.“

Jugendliche beschädigen das Gebäude

Wann immer Kathrin Schöne Zeit hat, fährt sie nach Götz, um mit Hilfe ihrer Kinder zu werkeln. „Vor dem Studium habe ich meinen Baufacharbeiter gemacht“, verrät sie. Was sie ärgert, ist, wenn neue Farbschmierereien wie kürzlich dazugekommen sind. Inzwischen hat die neue Besitzerin das Dach mit Windfedern und Balkenwerk originalgetreu sanieren, die Rinne erneuern und den eingefallenen Schornstein wieder hochmauern lassen. Einige vermutlich von Jugendlichen mit Steinen beschädigte Dachziegel mussten bereits ausgetauscht werden. Auch das sei ärgerlich. Im April ließ sie auf ihre Kosten Gebäude und Grundstück einzäunen. „Das war eine Auflage der Bahn, um den Bahnsteig abzugrenzen.“

Schmierereien am Bahnhofsgebäude ärgern die Besitzerin.

Quelle: Nack

Rechnung ohne Bürokratie gemacht

Eigentlich wollte Kathrin Schöne mit ihrer Familie schon im alten Götzer Bahnhof wohnen. „Doch ich habe die Rechnung ohne die Bürokratie des Staates und seiner Behörden gemacht“, sagt sie und räumt eine gewisse Blauäugigkeit ein. „Ich dachte nicht, dass ein Haufen Unterlagen und sogar eine Neuvermessung nötig sind, sondern wollte gleich loslegen“, sagt sie. Doch bis heute sei das Götzer Bahnhof, der seit 1995 an der Strecke Magdeburg-Berlin nur noch ein Haltepunkt ist und 2001 an die Investmentgesellschaft First Rail Property veräußert worden war, durch die Deutsche Bahn nicht entwidmet.

 Und ohne Entwidmung keine Baugenehmigung. Den 2015 von ihr bei der Unteren Bauaufsicht in Teltow gestellten Antrag habe sie wieder zurückziehen müssen, weil die Entwidmung fehlte. Wie ein Bahnsprecher auf MAZ-Anfrage sagte, sei erst eine Herausmessung der Flächen notwendig, da sich auf dem Grundstück bahnbetriebliche Anlagen befänden.

Schöne ist nicht unterzukriegen

„Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht unterzukriegen bin“, sagt Kathrin Schöne. Rund 45 000 Euro habe sie neben Eigenleistungen bisher investiert und schätzt, dass mindestens noch einmal soviel nötig sind. Von den Banken, mit denen sie bisher wegen eines Kredits gesprochen habe, bekam sie allerdings einen Korb. „Offenbar scheuen sie das Risiko eines Bahnhofgebäudes“, sagt sie, die sich nun Schritt für Schritt ihren Traum erfüllen will. Zum Wohnen selbst bleiben wegen der raumgreifenden Wendeltreppe vielleicht 80 Quadratmeter übrig. „Aber es ist total romantisch.“

Außerdem sei der 1903 errichtete Bahnhof um das Geburtsjahr ihres Großvaters herum entstanden. Nachdem die damalige langjährige Blockwärterin Ursula Wiedmaier 1995 das Licht ausmachte, sollte er abgerissen werden. Dass es nicht dazu kam, sei der letzten Mieterin Gertrud Hornemann (heute 95), deren Mann zu DDR-Zeiten dort Bahnhofsvorsteher war, und Nachbar Johannes Albrecht zu verdanken, der den Antrag auf Denkmalschutz gestellt habe.

Von Claudia Nack

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