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Golzower verkaufen ihre Genossenschaft

Millionen-Geschäft an der Plane Golzower verkaufen ihre Genossenschaft

In Golzow haben die Eigentümer ihre Agargenossenschaft verkauft. Der Betrieb wechselt für mehrere Millionen Euro in die Hände einer privaten Gesellschaft. An deren Spitze steht der Niedersachse Bernd Schmidt-Ankum. Er will die Mitarbeiter übernehmen und alle Betriebszweige fortführen.

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In den Sitz der Agargenossenschaft „Planetal“ zieht jetzt ein neuer Besitzer ein. Aus dem Betrieb wird ein familiengeführtes Unternehmen.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Golzow. Die Agrargenossenschaft „Planetal“ in Golzow steht vor einer Zäsur. 27 Jahre nach der Wende gelangt der LPG-Nachfolgebetrieb mit seiner Tier- und Pflanzenproduktion in die Hände eines privaten Familienunternehmens. Nach langer Vorbereitung unterzeichneten die elf Anteilseigentümer der Genossenschaft in dieser Woche in Ragösen die Verkaufspapiere. Sie wollen sich vom Betrieb trennen. Wirtschaftliche Not steckt wohl nicht dahinter. Aus Altersgründen werden die ehemaligen Genossenschaftler größtenteils aus dem Berufsleben ausscheiden. Darunter auch der Oberjünner Matthias Nadler. Unter Führung des bisherigen Vorstandsvorsitzenden entwickelte sich die Genossenschaft seit 1990 zu einem modernen Unternehmen der Landwirtschaft.

Nach Netzen 2008 ist Golzow die zweite große Agrargenossenschaft im Altkreis Brandenburg, die von den eigenen Mitgliedern an Privatleute verkauft wurde. Neuer Eigentümer ist eine Unternehmensgruppe um den Investor Bernd Schmidt-Ankum aus Ankum bei Osnabrück. Seine Holding, deren Haupttätigkeit in der Verwaltung von Grundstücken, Gebäuden und Wohnungen liegt, hat bereits in Glebitzsch bei Zörbig (Sachsen-Anhalt) einen Landwirtschaftsbetrieb gekauft. „In Golzow werden wir den Betrieb als Familie übernehmen“, teilte Ankum der MAZ auf Nachfrage mit.

Mit Agrar-Chef Matthias Nadler geht in Golzow eine Ära zu Ende

Mit Agrar-Chef Matthias Nadler geht in Golzow eine Ära zu Ende.

Quelle: Heiko Hesse

Nicht viele Details des Besitzerwechsels sind bekannt. Ankum und Nadler halten den Ball flach. Wohl auch, um keine Neiddiskussion zu schüren. Dafür brodelt im Dorf die Gerüchteküche. Angeblich sollen sich die Anteilseigentümer für 18 Millionen Euro von ihrem Besitz getrennt haben. Im Umlauf sind auch noch andere Summen. Als sicher gilt, dass der Betrieb samt 1600 Hektar eigenem Boden in der Tat millionenträchtig ist.

In den vergangenen Jahren war immer wieder in das Anlagevermögen investiert worden. Unter anderem in die Milchviehanlage, in Biogas und Windkraft. Neue Traktoren, Häcksler und Mähdrescher wurden gekauft. Zum Unternehmen gehören eine Tankstelle und Wohnungen in Golzow sowie diverse Liegenschaften in Ragösen, darunter auch der Sitz des Kreisbauernverbandes Potsdam-Mittelmark. Vor Jahren war die vor der Insolvenz stehende Agargenossenschaft Ragösen von den Golzowern übernommen worden. Zur Betriebsfläche gehören außerdem hunderte Hektar Äcker und Wiesen von Verpächtern.

Welche Ausrichtung der Landwirtschaftsbetrieb in der Zukunft bekommen wird, vermag der neue Eigentümer in aller Einzelheit noch nicht zu sagen. Zunächst sollen alle Betriebszweige weitergeführt werden. Damit bekommt offensichtlich auch die Milchproduktion eine Chance. Diese ist bekanntlich wegen des Preisverfalls ein großes Sorgenkind der Branche. Auch sollen nach eigenen Angaben alle Mitarbeiter übernommen werden. Er freue sich auf die Aufgabe in Golzow und sei gespannt darauf, die Golzower kennenzulernen, so Schmidt-Ankum zur MAZ. Beim Kreisbauernverband Potsdam-Mittelmark (KBV) sieht man den Verkauf der Genossenschaft pragmatisch. „Wir vertreten Mitglieder aller Eigentumsformen. Wichtig ist doch, dass es mit der Landwirtschaft und den Arbeitsplätzen in Golzow weitergeht“, findet KBV-Vorsitzender Jens Schreinicke.

Die Wurzeln der Agrargenossenschaft Golzow gehen auf die LPG-Gründung 1953 zurück. Zu DDR-Zeiten waren über 300 Leute in der LPG, zu der auch das Kartoffellagerhaus gehörte, beschäftigt. Zur Zeit ihrer größten Ausdehnung erstreckte sich die Betriebsfläche mit Stallanlagen in Schmerzke bis vor die Tore Brandenburgs. Strukturveränderungen brachte die Trennung von Tier- und Pflanzenproduktion mit sich.

Von Frank Bürstenbinder

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