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Brandenburg/Havel Gortzer Kirchenglocke unter Strom
Lokales Brandenburg/Havel Gortzer Kirchenglocke unter Strom
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15:23 30.12.2015
Die Gortzer Glocke wird von einem Magnetantrieb (links) in Bewegung gesetzt. Rechts ist der Fallhammer für die Stundenschläge zu sehen. Quelle: JACQUELINE STEINER
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Gortz

Wenn in der Silvesternacht die Kirchen rund um den Beetzsee das neue Jahr einläuten, wird auch der helle Klang der Gortzer Bronzeglocke weit durch die geöffneten Schallluken zu hören sein. Allerdings muss dafür kein Gemeindemitglied mehr seine Muskelkraft am Läuteseil einsetzen. Die Berliner Spezialfirma Schmidt-Glockentechnik hat vor wenigen Tagen den Glockenstuhl mit einem elektromagnetischen Antriebssystem komplettiert. Dabei wird von einem Linearmotor ein magnetisches Wanderfeld erzeugt, mit dem das Joch und die daran aufgehängte Glocke zum Schwingen gebracht wird. Wie von unsichtbarer Hand bewegt der Antrieb die Glocke schonend und ruckfrei in das Jahr 2016 – und zwar erstmals auf Knopfdruck.

Kultur in Kirche und Schule

Mit seinen derzeit 30 Mitgliedern hat sich der Gortzer Förderverein dem Denkmalschutz und der Kulturförderung verschrieben. Auf der Grundlage eines Nutzungsvertrages mit der Kommune betreibt der Verein die ebenfalls sanierte und ausgebaute Alte Schule als Dorfbegegnungsstätte.

Für 2016 plant der Verein fünf Kulturveranstaltungen. Den Auftakt macht im April eine Ausstellung mit Fotografien von Anita Reinsch. Beim ersten Konzert des Jahres erklingen im Mai indische und arabische Klänge. Blues und Rock folgen im Juli und Oktober. Zum Weihnachtskonzert am 4. Dezember werden die drei Musiker von Black Kat Kittens erwartet.

Eine einheitliche Regelung für die akustische Begrüßung des neuen Jahres gibt es im Pfarrsprengel Päwesin mit seinen elf Kirchen nicht. „Es bleibt jeder Gemeinde überlassen, wie sie mit dem Ereignis umgeht und wer um Mitternacht den Gang zur Kirche antritt“, sagte Pfarrerin Johanna Martina Rief. Denn in der automatischen Steuerung ist das Neujahrsläuten nicht einprogrammiert. Ganz von allein funktioniert dagegen eine weitere Neuerung ganz oben im Gortzer Kirchturm.

Glockenklang auf Fingerdruck

Ebenfalls auf Initiative des Fördervereins und in enger Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde und der Bauverwaltung des Konsistoriums hat die Uhr eine moderne Funksteuerung bekommen, die mit einem Fallhammer am Glockenstuhl gekoppelt ist. So schlägt den Gortzern jetzt wieder jede halbe und volle Stunde. Der Hammer wird gehoben und fällt durch sein Eigengewicht auf die Glocke. „Allerdings nur von 7 bis 22 Uhr, um die Nachtruhe der Anwohner nicht zu stören“, berichtet Vereinsvorsitzende Claudia Rose. Eine Restaurierung des gut hundert Jahre alten Uhrwerkes wäre den Geldgebern deutlich teurer gekommen. Außerdem muss niemand mehr die Bleigewichte aufziehen. Dafür versteckt sich nun Hightech in einem kleinen Kästchen hinter dem Kanzelaltar. Ein Fingerdruck auf eine der Tasten genügt, um die Gläubigen mit Glockenklang zum Gottesdienst zu rufen.

Eigengeld und Spenden

Die Elektrifizierung des Geläuts und die Modernisierung der Kirchturmuhr ist eine der letzten Arbeiten des 2001 gegründeten Fördervereins, der sich seit 2003 um den Erhalt der Barockkirche kümmert. Zu den Eigengeldern des Fördervereins, der auch für seine Kulturveranstaltungen und Konzerte bekannt ist, kamen Mittel der Kirchengemeinde sowie Spenden von der MBS und den Waldbesitzern und Jägern.

Glockenklang auf Knopfdruck: Uwe Sernow-Rose am Schaltkasten für die elektronische Steuerung. Quelle: JACQUELINE STEINER

Die Ursprünge des nach der Wende völlig maroden Bauwerkes gehen noch weiter als bis in das 18. Jahrhundert zurück; und zwar bis in die Jahre 1450 bis 1500. Damals entstand zunächst ein spätgotischer rechteckiger Feldsteinbau. Innen und außen wurde das Gotteshaus samt Orgel mit viel Aufwand komplett saniert. „Trotzdem müssen wir schon wieder Geld in die Hand nehmen“, sagt Ortsvorsteher und Vereinsmitbegründer Uwe Sernow-Rose. So wurde im Turm ein angefaulter Balkenkopf entdeckt, außerdem sollen die Schallluken im neuen Jahr Lamellen erhalten und die Brüstungen der Öffnungen mit Blech versehen werden.

Von Frank Bürstenbinder

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