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Gotteslästerer im Domstiftsgut

Brandenburg an der Havel Gotteslästerer im Domstiftsgut

Die Festspieloper Prag gastierte auf dem Gutshof des Domstiftes mit der Verdi-Oper „Nabucco“. Der Pächter sieht das kulturelle Experiment als gelungen an, auch wenn die Bühne etwas klein geraten war und das Orchester an der Seite unterm Zelt sitzen musste.

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Sparsam an Mimik und Gestik, dafür schöne Stimmen im Ensemble der Festspieloper Prag, die mit „Nabucco“ in Mötzow auftrat.

Quelle: Ruediger Boehme

Mötzow. „So ein Pech aber auch”, wird so mancher Opernbesucher Samstagmittag gedacht haben, als es plötzlich anfing kräftig zu regnen. Doch der Wettergott kannte Erbarmen, es klarte nachmittags wieder auf und so stand der Open-Air-Aufführung von Verdis Oper “Nabucco” am Abend nichts entgegen. 600 Zuschauer pilgerten erwartungsfroh zum Domstiftsgut Mötzow, wo die Festspieloper Prag unter der Leitung von Martin Doubravský ein Gastspiel gab.

Und schon intonierten die Bläser die ersten Klänge der Ouvertüre von Verdis berühmter Oper, die am 9. März 1842 in der Mailänder Scala ihre Uraufführung hatte und ihren Schöpfer Verdi zum begeistert gefeierten Nationalhelden machte. Plötzliches Aufhorchen. Das ist doch...? Richtig. Bereits in der Ouvertüre erklingt das Motiv des Gefangenenchors, der die Menschen von damals bis heute unendlich tief berührt. Die Oper spielt in Jerusalem und Babylon zur Zeit Nebukadnezars II. 587 vor Christus. Es geht um Befreiung, Liebe, Macht und Eifersucht. 

 Das Bühnenbild ist schlicht, aber multifunktional. Mit wenigen Handgriffen lässt es sich der jeweiligen Szene anpassen. In langen, rustikalen Gewändern strömen die Hebräer herbei und scharen sich um Zacharias (Jurij Kruglov). Sie beraten, wie man sich am besten vor den herannahenden Babyloniern, die von König Nabucco angeführt werden, schützen könne. Zacharias vertraut auf die Hilfe Gottes. Außerdem befindet sich Nabuccos Tochter Fenena als Geisel in ihrer Hand. Ismael, der Neffe des Königs von Jerusalem, soll sie bewachen. Doch der liebt Fenena und will mit ihr fliehen. Das aber vereitelt Abigaille, die vermeintlich erstgeborene Tochter von Nabucco, die in den Tempel eindringt und das Paar gefangen nimmt. Mit einer List - sie behauptet Nabucco sei tot - gelingt es ihr, sich Anwartschaft auf die Krone zu sichern.

Die Oper wird auf italienisch gesungen, Untertitel gibt es nicht. Insofern erschließen sich die Feinheiten der verschlungenen Handlung nur schwer. Dabei sind die Darsteller kaum eine Hilfe. Die Sängerinnen und Sänger agieren mit sparsamer Gestik und Mimik. Erst gegen Ende der Oper tauen sie auf und wirken zunehmend lebendiger.

Das Orchester unter dem Dirigat von Martin Doubravský agiert einfühlsam. Doch es ist in einem Zelt neben der Bühne untergebracht, so dass der Klang von der Seite her kommt, was Abstriche an der Akustik bedeutet. Herausragend sind die Stimmen von Jurij Kruglov (Zaccharias) sowie von Nikolaj Nékrasov (Nabucco). Gut anzuhören sind auch Dana St’astná (Fenena) und Josef Moravec (Ismael). Die volltönende Stimme von Liana Sass als Abigaille wirkt in den Höhenlagen angestrengt. 

In dem Durcheinander nach Nabuccos Gotteslästerung und seinem Sturz, als ihn ein Blitzschlag am Kopf getroffen hat, hat sie die Krone an sich gebracht. Sie bringt den verwirrten Nabucco dazu, dass er gegen Fenena, Ismael und die gefangenen Hebräer die Todesstrafe verhängt. Und dann im dritten Akt erklingt er endlich, der sehnsüchtig erwartete Chor der Gefangenen. „Va, pensiero, sull’ali dorate“ (Flieg, Gedanke, auf goldenen Schwingen). Doch das Schicksal der Gefangenen ist nicht ihr Tod. Denn in seiner Verzweiflung hat sich Nabucco an Jehova, den Gott der Juden, gewandt und ihn um Rettung angefleht. Er erhebt sich von seinem Wahnsinn, geheilt, ergreift ein Schwert und eilt, seine Tochter Fenema zu retten.

Domstiftsgutpächter Heinrich Thiermann strahlt: „Ist doch gut, dass wir das hier gemacht haben.“

Von Ann Brünink

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