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Große Gefühle beim Poetry Slam

Brandenburg an der Havel Große Gefühle beim Poetry Slam

Diesmal haben sie sich getraut: Gleich fünf Brandenburger standen Freitagabend beim Poetry Slam im Haus der Offiziere auf der Bühne und boten den Mitstreitern aus Berlin Paroli. Mit sozialkritischen Texten und tiefen Einblicken in ihr Seelenleben begeisterten sie nicht nur das Publikum.

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Startklar zum Dichterwettstreit: Die Moderatoren Clara Welsch und Markus Richter (hinten) mit den Poetry Slammern Leo Bauch, Bastian Mayerhofer und Nick Hertzberg (von vorn nach hinten).

Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg/H. Diesmal haben sie sich getraut: Gleich fünf Brandenburger standen Freitagabend beim Poetry Slam im Haus der Offiziere auf der Bühne und boten den Mitstreitern aus Berlin Paroli. Mit sozialkritischen Texten und tiefen Einblicken in ihr Seelenleben begeisterten sie nicht nur das Publikum.

„Ich freue mich immer wieder, wenn Brandenburger dabei sind“, leitet Moderatorin Clara Welsch in den Dichterwettstreit ein. Erstmals steht ihr dabei Markus Richter, Sozialarbeiter in der Jugendkulturfabrik, zur Seite. Bei den Dichtern sind die Havelstädter diesmal sogar in der Mehrheit, aus der Hauptstadt gehen drei Slammer an den Start. Dass sie sich hinter denen nicht verstecken müssen, zeigen die Brandenburger schon in der wertungsfreien Runde – von Welsch anerkennend mit „Wow“ quittiert.

Erster Text in zehn Minuten verfasst

Wie immer gilt es für die Poetry Slammer eingangs in nur zehn Minuten zu einem Bild, diesmal eine Seifenblase, einen Text zu verfassen. Kevin Adam bringt das dazu, davon zu erzählen, „wovon er erzählen könnte“, von Träumen und Wünschen. Abstrahiert der 22-Jährige die eigenen Gefühle, gibt sich Moritz Hanebeck (17) völlig freimütig: „Ich bin gut im Selbstbetrügen“, „ich bin ein einfacher Mensch mit unmöglichen Wünschen“.

Die einzige Dichterin im Wettbewerb

Die einzige Dichterin im Wettbewerb: Marie Will (19) aus Brandenburg.

Quelle: Britta Kessing

Marie Will (19) sieht die Erde und Jakob Klukas (18) in den schwarzen Schattierungen ein Hakenkreuz. „Aber Seifenblasen platzen, und das ist das Dritte Reich ja auch“, sagt er und sorgt für Raunen im Publikum. Anders als die Brandenburger versuchen sich zwei Berliner in Versen und Reimen, Bastian Mayerhofer (32) zur magischen Kugel, Paul Cossmer (22) über das Leben, das wie eine Seifenblase ist, „kurz und zerbrechlich“. Und Nick Hertzberg (19), ebenfalls aus der Hauptstadt, teilt seine Assoziation vom „Batman“-Logo.

Politisches Kabarett mit Lebensmittel-Begriffen

So vielfältig wie Ideen und Texte sind auch die Gründe der Dichter sich auf die Bühne zu stellen: Nick möchte es endlich mal nach vorne schaffen. Marie schreibt gern und findet es toll, „die Reaktion der Leute zu sehen“. Kevin will sich am Abend überwinden - einmal beim Poetry Slam mitmachen steht auf seiner „Lebensliste“. Leo Bauch (20) aus Brandenburg ist nach zwei Jahren wieder dabei: „Meine Freunde haben gesagt, du schreibst so schön.“

Die Konkurrenz hört Bastian Mayerhofer gebannt zu

Die Konkurrenz hört Bastian Mayerhofer gebannt zu: Jakob Klukas (18), Moritz Hanebeck (17), Paul Cossmer (22) und der spätere Sieger Kevin Adam (22) (v.l.n.r.).

Quelle: Britta Kessing

Schön traurig. Eine Taxifahrt im deutschen Slum mit „grauen Gestalten“ und „Kindern, wie sie morgens Chips und Ice-Tea kaufen“ ist sein Beitrag zum Wettbewerb. Zu hören bekommt das Publikum zudem wirre Liebes- und absurde Lebensgeschichten sowie Politisches: „Wirsing fürs Volk“ heißt Bastian Mayerhofers Beitrag, in dem der gebürtige Österreicher gekonnt mit deutschen und österreichischen Begriffen für Lebensmittel und Gerichte hantiert, sie mit den Ansichten von AfD, Pegida und Co vermengt und daraus ein kleines Kabarettstück kredenzt. So übersetzt werden rechtspopulistischen Phrasen zu: „Müsli mischt man nicht mit Wein“ und „die Amis ziehen im Hintergrund die Schrippen, die machen mit den Russen Kompott“.

Nächster Poetry Slam beim Kleinkunstfestival

Das reicht, um neben Jakob, Moritz und Kevin im Finale zu stehen. Der Sieg geht aber an letzteren. Mit einem humorvollen Text über seine WG-Erfahrung in Leipzig erntet der Brandenburger den meisten Applaus. Vielleicht steht auf Kevins Liste ja jetzt „Poetry Slam-Titel verteidigen“. Am 1. Oktober hätte er die Gelegenheit, beim nächsten Dichterwettstreit im Rahmen des Kleinkunstfestivals in der Katharinenkirche.

Von Britta Kessing

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