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Grundschüler fahren zum Theater der Länder

Erfolgreiche Theater-Collage Grundschüler fahren zum Theater der Länder

Grundschüler der Gebrüder-Grimm-Schule in Brandenburg an der Havel haben einen landesweiten Theaterwettbewerb für sich entschieden. Eine besondere Leistung des Verbunds, der als Problemklasse galt. Die Nachwuchsdarsteller setzten sich dabei gegen Konkurrenz aus Brandenburger Gymnasien durch und fahren nun nach Dresden zum „Schultheater der Länder“.

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Die Nachwuchsdarsteller auf der Bühne.

Quelle: privat

Brandenburg an der Havel. Astrid Kuhl ist stolz auf ihre Kleinen, all die Anstrengungen haben sich gelohnt. „Dass sich aus einer losen Idee so etwas entwickeln würde, das war vor einem Jahr wirklich nicht vorherzusehen“, sagt die Lehrerin. Kuhl unterrichtet seit Sommer 2014 die Klasse 5b der Gebrüder-Grimm-Grundschule und strahlt eine ehrliche Freude aus, wenn sie über die letzten Monate spricht.

Denn die hatten es in sich gleichermaßen für Schüler und Lehrerin. Gemeinsam haben sie, neben dem regulären Unterricht, ein eigenes Theaterstück entworfen und eingeübt. „Auf Initiative von Heike Schade“, wie Kuhl berichtet. Die Lehrerin des Brecht-Gymnasiums war an Astrid Kuhl mit der Idee herangetreten, das Projekt anzugehen und sich mit einem fertigen Theaterstück beim Landesschultheater-Treffen zu bewerben.

„Etwas Großartiges auf die Beine gestellt“

Eine Herausforderung, das war beiden von Beginn an klar, denn: „Das soziale Miteinander in der Klasse war vor einem Jahr ganz schlecht, das muss man gestehen“, sagt Astrid Kuhl in der Rückschau. Das Gefüge brüchig, der Umgang miteinander rau, die schulischen Leistungen teilweise mies – und trotzdem wollten sie es probieren. „Das war die Herausforderung, mit dieser Gruppe etwas Großartiges auf die Beine zu stellen“, berichtet Kuhl.

Entstanden ist im Laufe des letzten Schuljahres unter der Federführung von Heike Schade so eine Theater-Collage, in der die Jungen und Mädchen nach ausführlicher Auseinandersetzung mit sich und anderen zeigen, wie sie sich selbst, ihr Gegenüber und die Gruppe als Ganzes wahrnehmen. Das 30-minütige Stück trägt den Namen „Ich, du, wir“. „Es ist gedanklich auch in diese drei Teile unterteilt“, sagt Kuhl.

An einem Strang gezogen

Eine „riesige Freude“ attestiert die Lehrerin ihren Schützlingen bei der Arbeit an dem Projekt, die sie in der Form nie erwartet hätte. „Und das lag nicht nur daran, dass wir für die Proben eine wöchentliche Mathe-Stunde haben ausfallen lassen“, lacht Kuhl. Pascal Klös und Leon Hoffmann bestätigen diesen Eindruck. „Das war ein tolles Jahr, wir haben uns dabei besser kennengelernt und haben uns auch verändert“, sind die beiden Zwölfjährigen überzeugt. Gemeinsam mit ihren 17 Klassenkameraden haben sie über Monate an einem Strang gezogen und für das gemeinsame Ziel gekämpft. „Überwältigend“ sei es gewesen das zu beobachten, sagt Lehrerin Kuhl.

Schultheater seit 30 Jahren

Das 31. Schultheater der Länder findet vom 20. bis 26. September in Dresden statt.

Es wird vom Bundesverband Theater in Schulen (BV.TS) und dem Sächsischen Staatsministerium für Kultus (SMK) veranstaltet.

Für das Schultheater der Länder 2015 in Dresden werden Theaterproduktionen aus allen Schulstufen und Schulformen zu sehen sein.

Das Schultheater der Länder findet bereits seit 1984 jedes Jahr statt.

„Gerade, wenn man die Vorgeschichte der Klasse kennt“, sagt sie. Die galt als Problemklasse, Konflikte und schlechte schulische Leistungen prägten den Alltag. „Das hat sich komplett gewandelt“, erzählt Kuhl. So sei nicht nur das gemeinschaftliche Miteinander deutlich angenehmer, auch die Noten hätten sich drastisch verbessert. Am erstaunlichsten für sie ist aber die persönliche Entwicklung der zwölfjährigen Janina Wolf, ihrer Hauptdarstellerin. „Sie hat so gut wie nicht gesprochen, bevor wir mit dem Theaterspielen begonnen haben.“ Seit sie auf der Bühne steht, blüht das Mädchen auf. „Es ist unfassbar toll, das zu sehen.“

Ende September zum großen Treffen nach Dresden

Erstmals vor größerem Publikum haben die Schüler sich und ihr Stück dann Anfang des Jahres auf der Studiobühne präsentiert. Das Feedback war großartig, die Entscheidung, zum Landesausscheid zu fahren gefestigt. „Nicht nur bei den Eltern, auch bei einigen Lehrern sind damals Tränen der Rührung geflossen“, erinnert sich die Klassenlehrerin.

Als es Anfang Juni dann zum Landeswettbewerb nach Oranienburg ging, war die Freude groß. Mit einer Chance auf den Sieg rechnete aber wohl niemand. „Schließlich waren wir die einzige Grundschulklasse“, erinnert sich Kuhl. Und doch setzten sich ihre Schützlinge gegen reihenweise Elft- und Zwölftklässler von Gymnasien durch. Der Lohn: eine Einladung zu den Schultheatertagen der Länder Ende September in Dresden.

Dort gibt es keinen Wettbewerb, die teilnehmenden Gruppen bekommen aber die Chance, sich vor Schülern aus dem ganzen Bundesgebiet zu präsentieren. „Wenn man gesehen hat, wie sich die Kinder über den Zuspruch in Oranienburg gefreut haben, wird ihnen das noch einmal eine Menge Selbstvertrauen geben“, ist Astrid Kuhl überzeugt. Auch wenn es in Dresden nichts zu gewinnen gibt – Gewinner sind die baldigen Sechstklässler ohnehin bereits. „Das ganze Projekt hat sie in ihrer Entwicklung unheimlich nach vorn gebracht.“

Von Philip Rißling

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