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Gülke soll den Takt angeben

Brandenburg an der Havel Gülke soll den Takt angeben

Ursprünglich sollte Peter Gülke innerhalb eines Jahres einen Nachfolger am Pult der Brandenburger Symphoniker suchen. Nun ist er schon zwei Jahre in Brandenburg und weit und breit gibt es niemanden, der ihm nachfolgen könnte. Das bedauern nur die wenigsten.

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Ursprünglich nur für ein Jahr engagiert, können sich Orchester und Publikum womöglich auf vier Spielzeiten mit Peter Gülke freuen.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg/H. Ein gutes halbes Jahr ist es her, da lagen sich die alten Männer des Brandenburger Theaters - Chefdirigent Peter Gülke (82) und Geschäftsführer Klaus Deschner (73) – noch in den Haaren. Deschner referierte über Pläne, das Orchesters zu verkleinern. Gülke kündigte Widerstand an: „Nur über meine Leiche!“

Deschner beschrieb im Theaterkonzept immer wieder den „Neuanfang“ mit neuem Dirigenten. Gülke meinte im Oktober 2016: „Ich lerne in meinem Alter loszulassen. Aber wenn ich jetzt ginge, käme es mir vor wie Fahnenflucht.“ Deschner übergab Gülke eine „Nichtverlängerungserklärung“ seines zum Sommer 2017 auslaufenden Vertrages. Gülke kündigte an, die Suche nach einem Nachfolger zu intensivieren. Doch der Streit scheint vergessen. In wenigen Monaten läuft der Vertrag aus. Doch ein Blick auf den Spielplanentwurf für die kommenden Spielzeit zeigt: bei den meisten Konzerten steht Peter Gülke am Pult. Gleichzeitig gibt es einen Aufsichtsratsbeschluss vom Januar, wonach Deschner die „Neubesetzung zum frühestmöglichen Zeitpunkt“ zu realisieren habe.

Den Stand des Verfahrens in Erfahrung zu bringen, gestaltet sich als schwierig. Offenkundig gibt es unterschiedliche Wissensstände bei den politisch Verantwortlichen und im Theater. Der Beigeordnete Wolfgang Erlebach (Linke) der auch den Aufsichtsrat des Theaters führt, sagt: „Der Vertrag mit Herrn Gülke ist zum Spielzeitende gekündigt. Aber er soll im kommenden Jahr weiter dirigieren.“

Man habe sich, so Erlebach, darauf verständigt, unter drei Bewerbern für die Gülke-Nachfolge einen Kandidaten zu küren, der als zweiter Dirigent in der kommenden Spielzeit eine Reihe von Konzerten macht. Sollte sich der Mann (eine Frau sei nicht unter den drei ausgesuchten Bewerbern) bewähren, werde er Gülkes Nachfolger. Die drei Namen kenne er, so Erlebach, werde sie aber nicht verraten. Denn wer Gülkes rechte Hand werde, würden der Orchstervorstand, die Orchesterdirektorin Victoria Tafferner und Deschner entscheiden. Er rechne zeitnah mit der Entscheidung für einen der Kandidaten, so Erlebach Donnerstag.

Bei Klaus Deschner, am gleichen Tag mit den gleichen Fragen konfrontiert, hört sich das anders an. „Ja, Herr Gülke wird in der kommenden Spielzeit weiter dirigieren.“ Dass im Spielplan fast alle Konzerte seinen Namen ausweisen, liege aber daran, dass bei der Spielplangestaltung noch nicht klar war, wie viel Geld für Einkäufe zur Verfügung stünde. Daher werde es Änderungen geben. Allerdings könne nicht davon die Rede sein, dass man unter drei Kandidaten einen Nachfolger wähle, der in der kommenden Spielzeit Gülke zur Seite stehe.

Laut Deschner, habe man eine Liste erarbeitet mit „sieben bis zehn Kandidaten“, die man ins Auge gefasst habe und einladen wolle. Er gehe von einem Prozess des Übergangs aus, der Gülke erneut „ein bis zwei Jahre“ ans Haus binde. Deschner: „Wir brauchen einen Dirigenten, der zu uns passt. Keinen Schnellschuss. Der soll ja auch hier leben und nicht nur mal von Hannover anreisen.“ Im Übrigen sei er, Deschner, sehr glücklich mit Gülke: „Er wird bei uns geschont und sehr gut behandelt.“

Bei der Orchesterdirektorin Victoria Tafferner klingt das in Nuancen erneut anders. Trotz des Aufsichtsratsbeschlusses zur schnellen Neubesetzung sagt sie: „Herr Gülke kann so lange bleiben, wie er will.“ Das Orchesters stehe einstimmig hinter dem Maestro. „Wir freuen uns, dass wir ihn haben. Herr Gülke ist ein Volltreffer.“ In der Tat gäbe es eine Liste mit einer Reihe von Dirigenten, die man in den nächsten Spielzeiten einladen wolle, sagt sie. Aber: „Das sind keine Kandidaten.“

Im Januar sagte sie m Aufsichtsrat: Eine ursprünglich aus über 50 Bewerbern angefertigte Prioritätenliste sei überholt, da die Mehrzahl der in die engeren Wahl gekommenen Bewerber nicht mehr zur Verfügung stehe. Nun stimme man sich mit Gülke erneut ab und plane ein Gespräch mit dem Orchestervorstand, um fünf Kandidaten zu benennen.

Das von Erlebach gegenüber der MAZ angekündigte Prozedere gäbe es nicht, beteuerte Freitag Tafferner. Das klingt plausibel: Die Ausschreibung für die Dirigentenstelle liegt fast zwei Jahre zurück. Dirigate werden mit langem Vorlauf vereinbart. Das ein guter Dirigent schon in der kommenden Spielzeit als Sidekick Gülkes zur Verfügung stünde, ist unwahrscheinlich. Ganz offenkundig gibt es Kommunikationsprobleme zwischen Theater-Aufsichtsrat, Lokalpolitik und Theater-Führung. Denn keiner der Befragten vermittelt den Eindruck, die Unwahrheit zu sagen.

Florian Schmidt, der für die CDU im BT-Aufsichtsrat sitzt, darf sich zum Verfahren nicht äußern. Er kann es aber auch nicht. Trotz Nachfragen in der Aufsichtsratssitzung habe er keine befriedigende Antwort bekommen, wie die Nachfolge geregelt werde: „Ich weiß es schlicht nicht.“ Damit ist Schmidt nicht allein. Heidi Hauffe vom Kulturausschuss ist ebenso ahnungslos wie eine Reihe Musiker der Symphoniker, die die MAZ zum Thema befragte. Wobei auch die Musiker allesamt froh wären, bliebe Gülke an Bord.

Gülke hatte beim Amtsantritt vor zwei Jahren betont, er sei „das größte Risiko“ des Deals und war dann auch gleich für ein halbes Jahr ausgefallen. Aber nun ist er fit und Victoria Tafferner meint optimistisch: „Das Alter ist kein Problem. Auch mit 50 kann man tot umfallen.“

Von Benno Rougk

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