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Brandenburg/Havel Gutachten: Gekappte Ableitung ist schuld
Lokales Brandenburg/Havel Gutachten: Gekappte Ableitung ist schuld
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00:18 22.01.2016
Das Wasser hat im Keller seine Spuren hinterlassen: Hausbesitzer Hans-Joachim Hinz und Bauingenieur Arno Schöbe fühlen sich durch ein neues Gutachten in ihrer Auffassung bestätigt. Quelle: JACQUELINE STEINER
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Krahne

2015 bleibt als trockenes Jahr in Erinnerung, doch vor Weihnachten war es wieder da – das Wasser im Keller von Hans-Joachim Hinz. Die durchs Mauerwerk seines Hauses eindringende Nässe erreichte Mitte Dezember eine Höhe von 14 Zentimeter. Kein Vergleich zu den wirklich regenreichen Zeiten, als das Wasser bis auf 80 Zentimeter anstieg und der Hausbesitzer in aller Eile seine Ölheizung ausbauen lassen musste.

Überflutete Keller in Krahne und kein Ende. Doch im seit fast fünf Jahren laufenden Beweissicherungsverfahren, das auf Antrag von Hinz bei der 4.Zivilkammer des Potsdamer Landgerichts anhängig ist, kommt Bewegung. So stärkt ein jetzt vorliegenden Sachverständigengutachten die Position des Betroffenen. Im Kern bestätigt das Ingenieurbüro für Grundbau und Bodenmechanik Berlin einen „ursächlichen Zusammenhang“ zwischen dem Entfernen der Entwässerungsleitung beim Ausbau der Ortsdurchfahrt und dem Überfluten des Kellers des Antragstellers.

Technische Frage geklärt

Was rund 50 Jahre in Krahne funktionierte, ist seit 2009 gekappt. Nämlich eine unterirdische Ortsentwässerung entlang der Krahner Hauptstraße, die von Nordost nach Südwest in Richtung Plane verlief.

Rückgebaut wurde der untere Teil der Leitung im Zuge der Kreisstraßenerneuerung vor sechs Jahren. Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten. Zahlreiche um 1900 erbaute Wohnhäuser hatten plötzlich Wasser im Keller.

Es gab Proteste, Schlagzeilen, Lokaltermine, Gutachten und Gegengutachten. Zumindest die technische Frage, ob die teilweise Entfernung der DDR-Entwässerung im Zuge des Kreisstraßenneubaus Schuld an dem Dilemma in Krahner Kellern ist, scheint mit dem jüngsten Gutachten geklärt zu sein.

In dem Gutachten sind die Ergebnisse eines Lokaltermins zusammengefasst, der vor einem Jahr in der Krahner Hauptstraße für Schlagzeilen sorgte. Damals stieg Bodengutachter Thomas Flemming in eine Baugrube hinab, um Teile der zu DDR-Zeiten verlegten, aber 2009 beim Straßenausbau gekappten Entwässerung freizulegen und zu begutachten. Flemming schätzt in seinem Gutachten ein, dass durch die Betonröhren eine „flächenhaft wirkende Entwässerung“ erfolgte.Über die offenen Fugen sei eine „gewollte Drainierung“ des Erdreiches erreicht worden. 1978/79 wurden an das System sogar die Straßenzuläufe angebunden.

Wasser drückt gegen Kellerwände

Problem: Mit dem Ausbau der Kreisstraße wurde diese Ableitung gekappt. Es kommt im Erdreich zu Rückstauerscheinungen. Schichtenwasser drückt gegen die Kellerwände zahlreicher Häuser in der Krahner Hauptstraße, weil es nicht mehr in Richtung Plane abgeleitet wird. Seither gibt es Streit zwischen Anwohnern und dem Landkreis als Straßenbaulastträger. Hinz ist der einzige Betroffene, der auf Anraten seines Anwaltes Falk Michael Walter ein Beweissicherungsverfahren angestrengt hat.

Über 10 000 Euro hat der Krahner bereits in das Verfahren gesteckt. „Ohne Rechtsschutzversicherung hätte ich wohl schon aufgegeben. Das neue Gutachten macht mir Mut.“ Hinz hat sich einen eigenen Experten zur Unterstützung an seine Seite geholt - den Sachverständigen Arno Schöbe. Dieser sieht sich durch das jüngste Ergänzungsgutachten aus Berlin in seiner Auffassung bestätigt: „Die durch den Straßenneubau im unteren Teil zerstörte Drainage- und Wassersammelleitung hat zu einer zeitweisen Überflutung des betroffenen Kellers geführt.“

Schöbe hat in seiner Stellungnahme eine Drainage samt Kontrollschächte rund um das Haus vorgeschlagen. Über einen Sammelschacht und eine Verbindungsleitung soll drückendes Wasser und Sickerwasser der neuen Straßenwasserableitung zugeführt werden. Zusätzlich sollte das Haus abgedichtet werden.

Noch viele Fragen offen

Das vorliegende Ergänzungsgutachten hatte der vom Gericht eingesetzte Gutachter Joachim Schulz in Auftrag gegeben. In welcher Form sich das Landgericht im Rahmen des Beweissicherungsverfahrens den Erkenntnissen der Sachverständigen anschließt, bleibt abzuwarten. Auch ist noch unklar, was die vorgeschlagenen Schutzmaßnahmen kosten und wer sie bezahlen soll.

Von Frank Bürstenbinder

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