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Brandenburg/Havel Pferdehalter in Not: Gutes Heu ist knapp
Lokales Brandenburg/Havel Pferdehalter in Not: Gutes Heu ist knapp
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21:28 21.02.2018
Das wertvolle Heu für diese Tremsdorfer Pferde wird von weit her geholt. Quelle: Frank Bürstenbinder
Mittelmark

Es hat alles, was ein Pferd braucht: Eiweiß, Zucker, Mineralstoffe, Spurenelemente, Vitamine – und die für die Verdauung so wichtige Rohfaser. Heu ist die Basis für die Pferdefütterung. Nur die Qualität muss stimmen. Die Flure zwischen Havelland und Fläming sind reich an Grünland.

Doch als Heuwiesen mit hochwertigen Kräutern und Gräsern fallen immer mehr Flächen aus. Vernässung, Düngeverbote, Wegfall von Pflegemaßnahmen und geringer Tierbesatz wirken sich über die Jahre kontraproduktiv auf die Nährstoffbilanz der Böden aus.

In Tremsdorf kommt nur das beste Heu in die Raufe

Fachleute sprechen von Aushagerung. Binsen, Segge, Disteln und Schachtelhalm machen sich breit. Knaulgras, Weidelgras, Weißklee und Wiesenschwingel werden zurückgedrängt.

Pferdewirtschaftsmeisterin Rita von Feilitsch trägt auf einem Privathof in Tremsdorf (Gemeinde Nuthetal) die Verantwortung für 23 Pferde. Ihr kommt nur bestes Heu in die Raufe. Das wächst schon lange nicht mehr vor der eigenen Haustür in der unter Naturschutz stehenden Nuthe-Nieplitz-Region, sondern wird bei Händlern in Sachsen oder Sachsen-Anhalt geordert.

In den letzten 20 Jahren hat sich vil geändert

„Vor 20 Jahren war das noch anders. Dann ging es mit der Qualität bergab. Die Pferde mochten das minderwertige Raufutter nicht mehr. Außerdem nahm die Gefahr von Giftpflanzen zu. An die zehn Pferde haben wir deshalb in den Himmel geschickt“, erinnert sich Rita von Feilitsch. Graukresse zum Beispiel oder das Jacobskreuzkraut im Heu sind der Alptraum aller Pferdehalter.

Zwei Hände voll gutes Heu. Quelle: Frank Bürstenbinder

40 bis 60 Tonnen Heu ordert die Tremsdorferin im Jahr. Der Import nach Brandenburg hat seinen Preis. Die Tonne liegt inzwischen bei rund 175 Euro inklusive Anfahrt – bei rechtzeitiger Bestellung.

Wem Mitte Februar das Futter ausgeht, wundert sich über die aufgerufenen Preise. Der Markt ist höchst ungleichmäßig verteilt. Wo die Bauern wegen der Starkregenereignisse 2017 nicht auf ihre Wiesen gekommen sind, haben Pferdehalter oft das Nachsehen. Mangelnde Qualität und Quantität befeuern den Heutourismus.

Futter vom Großhändler

Thomas Rathke, Inhaber des Gestüts „Buckautal“ in Buckau (Amt Ziesar) machte über die Jahre ähnliche Erfahrungen wie die Pferdehalter im Naturschutzgebiet Nuthe-Nieplitz. „Früher hätten wir aus heimischen Heu Tee kochen können. Das ist lange vorbei.

Die extensive Grünlandbewirtschaftung bringt kein wertvolles Heu, solange Nährstoffgaben ausbleiben. Wo soll die Kraft für gesunde Kräuter und Gräser sonst herkommen? Heu von ungedüngten Wiesen kommt mir erst gar nicht auf den Hof“, sagte Rathke der MAZ.

Sein Pferdefutter bezieht er deshalb nicht aus den Schutzgebieten rund um Buckau, sondern von einem Großhändler in Thüringen.

Nur gute Qualität gehört in die Raufe

Schlechte Heuqualitäten können für Pferde böse Folgen haben. Dickdarmverstopfungen, Magenüberladungen, Magen-Darm-Katarrhe sowie schwere Koliken sind möglich. Die Qualität des Heus lässt sich unter anderem an der Struktur, der Farbe und dem Geruch beurteilen.

Schon bei der Heuernte kann einiges schief gehen. Ist das Mähwerk zu tief eingestellt, kann das frisch gemähte Gras mit Erde verunreinigt werden. Wird zu spät geschnitten, also nach der Blüte, steigt das Risiko der Schimmelbildung. Feuchtigkeit ist ebenfalls ein Feind guter Heuqualität.

Extensive genutzte Grünlandflächen werden wegen ökologischer Vorteile favorisiert. Sie bieten Lebensraum für selten gewordene Tier- und Pflanzenarten, darunter Heuschrecken, Schmetterlinge, Wiesenbrüter und kleine Säugetiere. Für die Mindernutzung erhalten die Bauern einen finanziellen Ausgleich.

„Die Mengen sind runter, die Qualität wird schlechter. Große Teile des Aufwuchses lassen sich nur noch als Einstreu verwenden“, bestätigt Mutterkuhhalter Jens Schreinicke aus Stücken (Gemeinde Michendorf).

Der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Potsdam-Mittelmark (KBV) kennt die Stimmung unter den Heubauern und Pferdehaltern. Höhere Lagen leiden unter Auszehrung, bei tiefer gelegene Flächen kommt die Vernässung hinzu; verursacht durch Wetterunbilden, unangepasste Stauhaltung und Biberaktivitäten.

Auch Vernässung ist ein Problem

In Weseram (Gemeinde Roskow) kann Marten Wöllner ein Lied von der Vernässung auf der Havel nahen Wiesen singen. Der Vorstandsvorsitzende der Havelland agrar eG. kritisierte erst vor kurzem die seiner Ansicht nach zu hohe Stauhaltung.

Wöllner hat das regenreiche Jahr 2017 noch gut in Erinnerung. Statt vier Grasschnitte sind seine Leute nur zu einer Mahd auf das Grünland gekommen. Der Ausfall in der Menge für Pferdeheu und Grassilage für Biogasanlagen war beträchtlich.

Schon nach einer Saison ohne Pflege mit schleppen, walzen, düngen und nachsäen, rücken die Sauergräser vor, die kein Pferd im Futter haben will.

Heuballen auf Grünland bei Beelitz. Quelle: Hans-Helmut Braun

Für den promovierten Grünlandexperten Jürgen Pickert vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandforschung in Müncheberg (ZALF) sind unterversorgte Standorte in ganz Deutschland ein „hochaktuelles Thema“.

Und zwar nicht nur für die Produktion von Futter für Pferde, sondern für alle große Wiederkäuer. In der Extensivierung als ein Grund für die Aushagerung sieht Pickert ein zweischneidiges Schwert. Diese ist aus ökologischen Gründen gewollt und wird staatlich gefördert.

Böden verlieren im Laufe der Zeit an Nutzwert

„Andererseits verlieren die Böden über die Jahre an landwirtschaftlichem Nutzwert, wenn Bauern Extensivierung mit Unterlassung gleichsetzen, um Kosten zu sparen. Irgendwann kommt das böse Erwachen“, sagte Pickert der MAZ. Einen Königsweg in der extensiven Grünlandnutzung sieht der Experte vom ZALF nicht.

Dennoch wäre es vor dem Hintergrund einer futterwirtschaftlichen Nutzung an der Zeit, die einmal aufgestellten Schutzziele zu hinterfragen, so Pickert.

Von Frank Bürstenbinder

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