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Brandenburg/Havel Hammer-Angreifer muss in der Psychiatrie bleiben
Lokales Brandenburg/Havel Hammer-Angreifer muss in der Psychiatrie bleiben
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16:27 31.08.2018
In die Gerichtspsychiatrie (Maßregelvollzug) werden Menschen untergebracht, die straffällig geworden sind und eine Gefahr für die Bevölkerung darstellen. Quelle: Nestor Bachmann/dpa
Brandenburg/H

Der psychisch kranke Torsten H. hat zwar beinahe seine Arbeitskollegin erschlagen. Doch bestraft wird der Brandenburger dafür nicht – wegen seiner Schuldunfähigkeit.

Die Richter am Landgericht Potsdam haben den 61 Jahre alten Mann am Mittwoch dauerhaft in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen, wo er sich bereits befindet.

Die 5. Strafkammer wundert sich in der Begründung ihrer Entscheidung allerdings darüber, dass dort keine Behandlung seiner paranoiden Schizophrenie erfolgt.

Am 8. August des vergangenen Jahres hat Torsten H. ein schlimmes Verbrechen begangen. Mit Hammerschlägen auf den Hinterkopf hat er seine damalige Arbeitskollegin im Getränkemarkt der Lebenshilfe in Hohenstücken so schwer verletzt, dass sie seither nicht mehr arbeiten kann.

Seelisch schwer geschädigt

Die körperlichen Leiden sind dabei nur die eine Seite. Das Opfer schilderte im Verfahren vor dem Landgericht Potsdam so beeindruckend wie beängstigend, wie der Überfall an jenem Vormittag auch ihre Seele nachhaltig verletzt hat. „So eine emotional berührende Aussage habe ich selten zuvor gehört“, sagt ein Beteiligter.

Angeklagt war Torsten H. wegen gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung. Die Richter sehen in seinem hinterhältigen Angriff Hinweise auf einen versuchten Totschlag. Schließlich hatte der Lebenshilfe-Mitarbeiter seine Kollegin eingeschlossen und ihr nach mehreren Schlägen, als sie fliehen wollte, zugerufen: „Du kommst hier nicht mehr raus.“

Torsten H. habe gewusst, wie lebensgefährlich Hammerschläge auf den Kopf sind. Weil er aber an einem bestimmten Punkt aufgehört zuzuschlagen und es seinem Opfer dadurch ermöglichte, sich in Sicherheit zu bringen und in der Umkleide einzuschließen, wertete die Strafkammer dieses Verhalten als Rücktritt vom versuchten Totschlag.

Schuldunfähig

Die Potsdamer Richter sind nach dem Gutachten des Psychiaters Werner Platz davon überzeugt, das Torsten H. den Überfall im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen hat, obwohl er zur Tatzeit mit Medikamenten behandelt wurde.

Das Gericht erkennt bei dem mehrfach einschlägig vorbestraften Torsten H. eine andauernde Gefährlichkeit. Denn er hat wiederholt Menschen mit harten Gegenständen auf den Kopf geschlagen, auch seiner Stiefschwester mit einer Flasche Wein.

In Freiheit wären „weitere erhebliche Taten von ihm zu erwarten“, sagt der Vorsitzende Richter Klaus Feldmann. Er lässt durchaus Mitgefühl für den langjährigen Getränkemarktmitarbeiter erkennen. Feldmann zum Angeklagten: „Sie leiden unter dem Vorfall, es ist nichts, auf dass Sie stolz sind.“ Zum Schutz der Bevölkerung schickt die Strafkammer den Brandenburger in den Maßregelvollzug.

An Krebs erkrankt

Das Gericht wundert sich darüber, dass der Patient dort keine Behandlung wegen seiner seelischen Erkrankung erfahre. Grundlage dieser Kritik ist die Einschätzung des psychiatrischen Gutachters.

Werner Platz hatte betont, dass die Chemotherapie wegen Torsten H.’s Krebserkrankung nicht bedeute, dass er in dieser Zeit keine Psychopharmaka erhalten dürfe.

Der Asklepios-Konzern, der den Maßregelvollzug in Brandenburg/Havel betreibt, vermutet, dass ein Missverständnis im Gerichtssaal vorliegt.

Asklepios-Sprecher Mathias Eberenz: „Es bleibt in unserem Fachklinikum kein Patient unbehandelt, sofern dies aus fachlich-medizinischer Sicht notwendig erachtet wird und der Patient mit der Behandlung einverstanden ist.“

Von Jürgen Lauterbach

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