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Brandenburg/Havel Gewerbemieter als sensible Wesen
Lokales Brandenburg/Havel Gewerbemieter als sensible Wesen
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15:51 14.09.2018
Aktueller Blick in die Hauptstraße, gerade der untere Teil wirkt oft nicht sehr belebt. Quelle: Rüdiger Böhme
Brandenburg/H

Von den 82 Ladengeschäften und Lokalitäten in der Hauptstraße sind gerade zwölf leerstehend, geschlossen beziehungsweise werden zurzeit saniert. Und doch wirkt die Hauptstraße oft leblos und wenig einladend.

Einen flammenden Appell für ein Beleben der Fußgängerzone hat nun der Architekt Wilfried Lammers aus Ahaus (Nordrhein-Westfalen) gehalten. Er ist Experte für den Einzelhandel, hat nach eigenem Bekunden „einige Hunderttausend Quadratmeter Verkaufsfläche umgesetzt“, im Land Brandenburg hat er unter anderem das A 10-Center in Wildau realisiert, jüngst in Potsdam im denkmalgeschützten Straßenreinigungsdepot einen großen Alnatura-Markt eingefügt. In der Hauptstraße soll er nun im Auftrag des Investors Wilhelm Schomaker das Ensemble rund um das ehemalige Flakowski-Kaufhaus herrichten und wiederbeleben.

Der Architekt Wilfried Lammers entwickelt das Ensemble rund um das ehemalige Flakowski-Kaufhaus. Quelle: André Wirsing

„Aktuelle Studien besagen, dass im Jahr 2050 bis zu 80 Prozent des Handels im Internet abgewickelt werden. Das bedeutet, dass wir schon heute sehr sorgsam mit den Mietern umgehen müssen. Es genügt längst nicht mehr, nur Verkaufsflächen bereitzustellen, wir müssen ein Ambiente schaffen mit Aufenthaltsqualität, mit Ruhezonen und mit Gastronomie.“ Es sei ein Segen, dass es vor der Tür in der Fußgängerzone eine große Fläche dafür gebe und die Straßenbahn unmittelbar dort halte. „Solche Plätze muss man pflegen.“ Es genüge nicht nur, drinnen auf die Kunden zu warten.

Auch beim Gestalten des zentralen Kaufhauses setzt Lammers auf ein Wohlfühlklima: Außenwerbung wird reduziert, zumindest das Erdgeschoss bekommt eine aufwendige Fassade aus Naturstein, erst ab dem ersten Obergeschoss geht es mit Putzfassade weiter. Im Inneren wird das zugebaute Atrium zwischen den ersten beiden Geschossen wieder geöffnet – dazu kommen alle Zwischenwände raus, nur die klassischen Innenstützen werden wieder sichtbar gemacht. Im Atrium fahren auch die Rolltreppen, weil der Hauptmieter Flächen in beiden Etagen beansprucht. Das sind zusammen fast 2500 Quadratmeter. Trotz Nachfragen von Stadtverordneten nach dem künftigen Hauptmieter schweigt Lammert. „Ich habe es ihnen beschrieben, die Mieter von großen Einzelhandelsflächen sind sehr sensibel. Die Verhandlungen sind meist kompliziert. Bevor nicht alle Verträge unterschrieben sind, werde ich mich hüten, Namen preiszugeben.“

In die beiden vorderen Ecken des Kaufhauses kommen kleinere Läden mit weniger Verkaufsfläche, dafür hochwertig. Die beiden nebenstehenden Bauten werden ersetzt. In der Nummer 31 an der Ecke Petersilienstraße gebe es keine verwendbare Bausubstanz mehr, ebenso wenig in der Nummer 35, der ehemaligen Kaufhalle Mitte. Hier werden nur die wertvollen Keller erhalten, die aber für die gewerbliche Nutzung kaum zu verwenden sind. Die beiden Neubauten machen es möglich, dass die drei Häuser 31, 33 und 35 als Einheit wahrzunehmen sind. Sie werden nicht ganz so hoch wie das Haupthaus, welches den Anblick dominieren soll.

Lammers lernt auch aus spezifischen und lokalen Befindlichkeiten. „Die Fassaden der Wohnhäuser an der Rückseite entlang der Lindenstraße wollten wir mit Verblend-Elementen gestalten, weil sie langlebiger sind als Putzfassaden. Aber offensichtlich sind solche Fassaden hier eher öffentlichen Gebäuden vorbehalten.“

Über die Lindenstraße wird auch die Anlieferung für die Händler erfolgen. Das sei ein Muss, denn sie ließen sich auch nicht starre Anlieferzeiten vorschreiben, wie sie in der Fußgängerzone notwendig sind. „Sie bleiben in jeder Hinsicht flexibel, dafür kommen sie auch mit kleineren Fahrzeugen, etwa 7,5-Tonnern, und nicht mit 18 Metern langen Lkw.“

Von André Wirsing

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