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Havelstadt kämpft in Potsdam für Kreisfreiheit

Protestaktion will Gegnern Rückhalt geben Havelstadt kämpft in Potsdam für Kreisfreiheit

In sieben Bussen waren Brandenburger Verwaltungsbeschäftigte nach Potsdam gefahren zum Aktionstag gegen die Kreisreform. Trotzdem jeder fünfte der rund 1000 Mitarbeiter der Stadtverwaltung an der Kundgebung teilnahm, betont Rathaussprecher Jan Penkawa, die Verwaltung sei auch in dieser Zeit voll arbeitsfähig gewesen.

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Mit Musik und Volksfeststimmung gegen die Landespläne: Teilnehmer der Protestaktion vor dem Potsdamer Landtag. Im Hintergrund die Nikolaikirche.

Quelle: Marion von Imhoff

Potsdam. Allein 205 Mitarbeiter der Brandenburger Stadtverwaltung haben sich am Donnerstagmorgen vor dem Potsdamer Landtag versammelt. Gemeinsam mit mehr als 800 weiteren Beschäftigten der kreisfreien Städte Frankfurt (Oder), Cottbus und weiterer Kommunen demonstrierten sie gegen die geplante Kreisreform der Landesregierung.

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Mit mehr als 1000 Verwaltungsbeschäftigten und Bürgern zogen die Oberbürgermeister der kreisfreien Städte Brandenburg, Frankfurt (Oder) und Cottbus am Donnerstag vor den Landtag.

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Unter ihnen war auch Ina Holz, Sachbearbeiterin der Brandenburger Bauleitplanung: „Ich habe die Angst, dass Brandenburg an Bedeutung verlieren würde, wenn die Stadt ihre Kreisfreiheit verlieren würde“, begründet sie ihre Teilnahme an der Protestaktion gegen die Kreisreform. Zeitlicher Anlass für die Aktion war die für Donnerstag angesetzte Anhörung vor dem Innenauschuss des Landtages, der sich mit den Reformplänen der Landesregierung beschäftigt.

Potsdams SPD-Oberbürgermeister Jann Jakobs sagte als Präsident des Städte- und Gemeindebundes: „An dieser eindrucksvollen Demonstration kann die Landesregierung nicht vorbei.“ Martin Wilke (parteilos) stieß ins gleiche Horn, „wie viel Kraft man hier spürt, daran kann nicht vorbei regiert werden“.

In sieben Bussen nach Potsdam

In sieben Bussen waren die Brandenburger nach Potsdam gefahren. Trotzdem jeder fünfte der rund 1000 Mitarbeiter der Stadtverwaltung an der Kundgebung teilnahm, betont Rathaussprecher Jan Penkawa, die Verwaltung sei auch in dieser Zeit voll arbeitsfähig. Demonstrieren auf Anordnung des Arbeitgebers? Nein, so Penkawa, die Teilnahme sei freiwillig. Zu den Daheimgebliebenen zählte auch Angelika Jurchen, Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit. „Mitfahren konnte, wer wollte und glaubte, seinen Arbeitsplatz für einige Zeit frei machen zu können.“ Kein Fachbereich hätte geschlossen werden müssen.

470 Brandenburger waren Jurchen zufolge nach Potsdam gereist, um ihren Unmut über die Pläne, Brandenburg einem Landkreis zuzuschlagen, kundzutun. Zu ihnen zählten auch viele Bürger der Stadt Brandenburg. Hank Teufer, CDU-Mitglied und Chef des Event-Theaters, sagte: „Ich bin hier als Bürger der Stadt Brandenburg und nutze meine Möglichkeiten als Schauspieler, für den Erhalt der Kreisfreiheit zu kämpfen.“ Teufer fuhr um 10 Uhr mit einer Kutsche vor und trat als Gesandter des preußischen Königs Friedrich Willhelm auf, der 1808 ein Edikt für die Freiheit der Städte erließ. „Er würde sich im Grabe umdrehen angesichts der Reformpläne.“

Verkehrsbetriebe und Klinikum sind mit vertreten

Mit einem eigenen Bus waren 30 Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe dabei. 40 Beschäftigte des Städtischen Klinikums demonstrierten ebenfalls für den Erhalt der Kreisfreiheit. Auch Schüler der Berufsorientierten Schule Kirchmöser, des Brecht- und des von Saldern-Gymnasiums und der Nicolaischule – insgesamt fünf Schulklassen – waren zur Demo abgeordert worden und tummelten sich unter den Demonstranten. Neben Eis- und Kaffeestand war eine Fußballwand aufgebaut. Musiker der Brandenburger Symphoniker spielten zu den Reden passende Fanfaren.

Die städtische Streetworkerin Regina Schwarz hielt einen roten Herzluftballon für die Kreisfreiheit in die Luft. Einige ihrer Kollegen trugen an ihren Hemden und Blusen Aufkleber: „Mein Herz schlägt kreisfrei“. Auf der Bühne versammelte sich zudem die politische Regionalprominenz mit Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann , Rathenows Bürgermeister Ronald Seeger (beide CDU) und Hannelore Klabunde-Quast ( parteilos), Bürgermeisterin von Bad Belzig. Sie alle appellierten an das Land, die Pläne zu stoppen.

Stimmen und Stimmung

Zu den Demonstranten vor dem Potsdamer Landtag hat sich Beate Dabbagh, Sprecherin der Brandenburger Stadtwerke, gesellt. Auch einige weitere ihrer Kollegen nahmen am Aktionstag für die Kreisfreiheit teil. „Es wurde kommuniziert, dass die Kreisreform dazu führen kann, dass es auch für die Stadtwerke irgendwann Konsequenzen hätte“, so Dabbagh. Auf die Frage, ob die Kreisreform noch zu stoppen sei, war ihre einzige Antwort ein Lächeln.

Reinhold Hüpkes, Dienstgruppenleiter der Potsdamer Polizei, achtete mit seinen Kollegen auf die Sicherheit der Versammlung. Er wurde dabei aber nicht ernsthaft gefordert.

Für die Musik hatte das Brandenburger Theater unter anderem die Band „Musikalisches Einsatzkommando“ engagiert.

Eine aus Cottbus angereiste Stadt-Mitarbeiterin räumte ein: „Das hat hier schon den Charakter eines Betriebsausflugs.“

 

Von Marion von Imhoff

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