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Brandenburg/Havel Hebammen schlagen Alarm
Lokales Brandenburg/Havel Hebammen schlagen Alarm
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00:21 02.07.2018
Hebamme Ailin Heinicke (l.) betreut die Göhlsdorferin Marion Brandt und die vier Tage alte Frieda. Quelle: Jacqueline Steiner
Mittelmark

Die Wöchnerinnen-Betreuung in der ländlichen Region durch Hebammen ist dramatisch. Das sagt die Trechwitzer Hebamme Ailin Heinicke, die sechs Tage die Woche arbeitet und täglich zehn bis zwölf Hausbesuche macht. „Ich bin in einem Radius von 25 Kilometern die einzige Hebamme. 20 Prozent der Anfragen muss ich ablehnen, aber ich arbeite so viel ich kann, weil ich weiß, wenn ich nicht komme, kommt niemand.“ Zwei, drei Hebammen mehr in der Region wären schön. „Ich habe schon Anfragen aus Potsdam von Frauen, die bereit sind, privat meine Anfahrt zu bezahlen, damit sie eine Hebamme bekommen. Es ist unglaublich.“

Ähnlich äußert sich die Brandenburger Hebamme Antje Zick. „Es gibt tendenziell immer mehr Wöchnerinnen auf dem Land. Die Hebammen sind mit dieser Zahl überfordert.“ Pro Monat müsse sie zwei, drei Anfragen absagen.

Hebamme Antje Zick aus Brandenburg an der Havel betreut Vanessa Krüger, die im neunten Monat schwanger ist Quelle: Jacqueline Steiner

Auch der Hebammenverband Brandenburg schlägt Alarm: „Die Betreuungssituation ist angespannt, in der Stadt und auf dem Land“, sagt die 1. Vorsitzende Martina Schulze, Hebamme in Stahnsdorf. Seit Jahren kämpft der Verband für eine bessere Versorgung von Schwangeren und Wöchnerinnen. „Bei der Debatte um eine bessere medizinische Versorgung auf dem Land fordern wir, dass die Hebammenbetreuung mit einbezogen wird.“ Marina Schulze plädiert für Gemeinderäume, in denen Ärzte und Hebammen Patienten versorgen könnten.

Hilfe über viele Monate nach der Geburt

Hebammen kontrollieren bei Wöchnerinnen die Rückbildung der Gebärmutter und den Gesundheitszustand. Sie geben Rat, wie das Stillen klappt und helfen bei Problemen. Auch das Gedeihen der Säuglinge überwachen die Hebammen.

Schon in der Frühschwangerschaft können Frauen sich von Hebammen betreuen lassen. Nach der Geburt kommt die Entbindungshelferin die ersten zehn Tage täglich, bis zum dritten Lebensmonat des Babys weitere 16 Mal und acht Mal noch bis zum neunten Lebensmonat. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten.

Die Sterblichkeit von Müttern und Neugeborenen lag nach Angaben von Ailin Heinicke um 1900 noch bei 48 Prozent. Seit 1996 arbeitet die gebürtige Potsdamerin in ihrem Beruf, die Ausbildung machte sie in Hannover. „Ich hatte zuvor 80 Bewerbungen geschrieben. Es gab keine Ausbildungsplätze.“ 136 Wöchnerinnen hat die Trechwitzerin 2017 betreut und fuhr dafür auch bis nach Planetal und Werder.

Eine Tour über die Dörfer von Wöchnerin zu Wöchnerin

An diesem Tag besucht Ailin Heinicke auch die Göhlsdorferin Marion Brandt. Vier Tage zuvor hat die 32-Jährige ihre Tochter Frieda im Klinikum Brandenburg auf die Welt gebracht. Zehn Tage lang kommt nun die Hebamme täglich vorbei und schaut nach den beiden.

Hebamme Ailin Heinicke schaut auch jeden Tag nach der neugeborenen Frieda. Quelle: JACQUELINE STEINER

Ailin Heinicke ist zufrieden. „Frieda ist ein reifes, gesundes Neugeborenes.“ Doch das Stillen braucht Übung. „Wenn sie Ladehemmung hat beim Stillen und weint, kannst du ihr zwei, drei Tropfen abgekochtes Wasser mit einer kleinen Spritze an den Mund träufeln, damit sie einen Schluckreflex hat“, rät die Hebamme der Wöchnerin. Mutter und Kind müssen noch Routine gewinnen.

Ein sensibler Moment in den ersten Lebenstagen

Es ist ein sensibler Moment in der Wöchnerinnenbetreuung. Leicht kommt es zu einem schmerzhaften Milchstau mit der Gefahr einer Entzündung, wenn das Kind zu wenig trinkt. Gleichzeitig wird das Baby immer schwächer: „Gerade bei den hohen Temperaturen – wenn die kleine Maus da nicht trinkt, ist sie schlapp und manche Eltern merken das nicht rechtzeitig.“ Oder sie geben dann doch die Flasche. „Die Kliniken schmeißen so schnell die Frauen raus, die sind dann verloren und verlassen und dann gehen sie zum Kinderarzt, warten zwei Stunden, das machen sie einmal und nie wieder. Und der Kinderarzt sagt: ,Na dann geben Sie halt die Flasche.’“

Auch wenn die Babys „so unstillbar weinen, brennen den Eltern mal die Sicherungen durch. Kinder haben glücklich zu glucksen. Das ist in den Köpfen drin“, sagt Ailin Heinicke. In jedem Ratgeber schaue eine gertenschlanke glückliche Mutter den Leser an. „Es spricht ja keiner drüber, dass er sich scheiße und überfordert fühlt, wenn das Baby weint.“ Den Eltern zu sagen, dass ein Säugling auch mal unzufrieden sein dürfe, sei wichtig. „Das ist meine Hauptbotschaft: Ihr macht es toll, ihr könnt es nicht besser machen.“

Die Wöchnerin ist froh über den Beistand der Hebamme

Marion Brandt ist erfahren und gelassen. Sie hat bereits eine dreijährige Tochter. „Es ist schön, dass die Hebamme zu uns nach Hause kommt. Bei ihr kann ich mich entspannen und jede Frage stellen.“

Wie war die Nacht, möchte die Hebamme von der jungen Mutter wissen. „Hast du Bauchschmerzen? Hast du genug gegessen?“ Marion Brandt geht es gut, aber sie ist noch geschwächt. Es war eine unkomplizierte und schnelle Entbindung. Ailin Heinicke tastet die Gebärmutter ab. Die muss sich langsam wieder in ihre ursprüngliche Größe zurückziehen. Alles in Ordnung. Dann untersucht sie das Neugeborene, Frieda lässt es ruhig über sich ergehen. Behutsam kleidet die Hebamme das Baby aus, kontrolliert, ob der Nabel gut abheilt, wiegt das Neugeborene auf einer kuschlig gepolsterten Waage, die sie mitgebracht hat. Das Gewicht ist in Ordnung.

Derzeit betreut Ailin Heinicke auch zwei Babys mit Herzfehlern. Allein 14 Frauen, die frisch entbunden haben, besucht sie. Bis zum neunten Lebensmonat betreut die Hebamme Mutter und Kind.

Von Marion von Imhoff

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