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Heftiger Protest schlägt Merkel entgegen

Brandenburg an der Havel Heftiger Protest schlägt Merkel entgegen

Der Wahlkampfauftritt der Kanzlerin Angela Merkel zu Gunsten ihrer Parteifreundin Dietlind Tiemann (CDU) mit dem auch die Volksinitiative gegen die Kreisgebietsreform neuen Schwung bekommen soll, wurde überschattet unerwartet heftigen Protesten, die zwar weitgehend friedlich blieben aber für erheblichen Ärger sorgten.

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Augen zu und durch: Gerade schwillt das Pfeifkonzert an, als Merkel und Tiemann noch locker das Bad in der Menge nehmen.

Quelle: Foto: R.Böhme

Brandenburg an der Havel. Kanzlerin Angela Merkel spricht Dienstag um pünktlich 19 Uhr in Brandenburg an der Havel gegen ein gellendes Pfeifkonzert an und verteilt Freundlichkeiten: „Dietlind Tiemann hat eine ganz wunderbare Arbeit für die Stadt geleistet, ich freue mich auf sie im Deutschen Bundestag. Probleme löst man wie sie durch Anpacken und nicht durch Schreien und Pfeifen.“ Und als Nachfolger empfiehlt sie Tiemanns Vize Steffen Scheller.

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Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende Angela Merkel war am Dienstagabend in Brandenburg an der Havel, um die Direktkandidatin im Wahlkreis 60 und Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann im Wahlkampf zu unterstützen. Ihr Auftritt war begleitet von Buhrufen und gellenden Pfiffen, doch die übergroße Mehrheit der mehr als 1500 Gäste auf dem Neustädtischen Markt empfingen sie wohlwollend bis begeistert.

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Die Oberbürgermeisterin und CDU-Direktkandidatin Dietlind Tiemann kann ihren grenzenlosen Ärger über die Störungen nicht verbergen. „Diejenigen, die hier pfeifen, haben das Loch auf dem Neustädtischen Markt nicht geschlossen. Die Gastfreundschaft in dieser Stadt ist sonst eine ganz andere. Die Störer kommen von außerhalb.“ Glaubt sie.

40 Minuten ununterbrochener Lärm

Unter denen, deren Geschrei und Gepfeife 40 Minuten lang nicht abreißen wird, stehen auch Leute wie der ehemalige Stadtverordnete Tobias Dietrich aus Kirchmöser.

Mehr als 1500 Menschen sind kurz vor 19 Uhr auf den Neustädtischen Markt gekommen, die meisten in friedlicher Absicht. Die CDU-Anhänger sind genauso da wie Mitglieder andere Parteien. Linken-Fraktionschef René Kretzschmar kauft seiner Tochter Maja ein Softeis, SPD-Stadtverordneter Daniel Keip absolviert gerade ein Praktikum bei der Polizei, weil „ich deren Arbeit auch einmal direkt beobachten wollte“. Freie-Wähler-Stadtverordnete Marlis Eichhorn schüttelt über die Störer den Kopf: „Es ist zum Fremdschämen, nur Bekloppte.“ Der CDU-Mann Peter Kaudasch pflichtet ihr bei und glaubt an die „Die-kommen-von-anderswo-These“. Der SVV-Vorsteher Walter Paaschen (CDU) ist ziemlich außer sich.

Polizei hindert die Störer kaum

Er sieht die Demokratie in Gefahr. Denn von der Rede Merkels, die ebenso stoisch wie souverän ihre Text zur Lage der Nation mit voller Lautstärke über den Platz ruft, ist an vielen Stellen kaum zu verstehen.

Insbesondere, dass die Polizei nicht härter durchgreift, bringt Paaschen aus die Palme. Die Gesichter von Ingo Senftleben und Dietlind Tiemann, die hinter Merkel stehen, sind vereist.

Mehrzahl friedlich und verärgert ob der Störungen

Es gibt ihn auch, den friedlichen Protest: Die Jugendlichen vom Rollsportverein halten ein kleines Plakat hoch: „Wir bauen einen Skatepark. LOL CDU-BRB“. Pure Ironie – ein gebrochenes Wahlversprechen. In der klaren Überzahl sind die von der CDU und von der jungen Union verteilten Plakate mit „Voll muttiviert“ und anderen Sprüchen. CDU-Mitglieder bekamen auch Strohhüte mit schwarz-rot-goldener Kordel – es sollte Volksfestcharakter haben.

Nach Merkels rede wendet sich Dietlind Tiemann abermals an die Bundeskanzlerin: „Sie sind willkommen in dieser Stadt und das von ganzem Herzen.“ Das lässt das Pfeifkonzert anschwellen. „Vielleicht hätte Dietlind Tiemann nicht immer wieder die Gegner aufstacheln sollen“, meint der CDU-Mann Ralf Dieckmann nachdenklich.

Merkel kontert Schulz

Merkel hatte zuvor Brandenburg als Wiege der Mark gelobt und betont, dass die Vielfalt der Regionen und Städte das einige Deutschland ausmache. Und das sie die Kreisgebietsreform ablehne. Schnell hatte sie auch reagiert auf die Bildungsversprechen ihres SPD-Kontrahenten Martin Schulz tags zuvor: „Wir als Bund geben Unterstützung für finanzschwache Kommunen beim Bau von Schulen. Wir geben Geld für das Qualifizieren von Lehrern, die ihre Ausbildung abgeschlossen haben als es noch kein Internet und keine sozialen Medien gegeben hat. Es könne nicht angehen, dass bei diesen Themen die Kinder schlauer sind als ihre Eltern und Lehrer.“

Der Auftritt wird ein Nachspiel haben, bei dem die Frage gestellt werden muss, wie es um die Sicherheit der Kanzlerin bestellt ist. Als Merkel kurz von 19 Uhr das Hotel am Molkenmarkt verließ um zu der 50 Meter entfernten Bühne zu gehen, öffneten sich zur Überraschung der Sicherheitskräfte und der Kanzlerin über ihr im Hotel die Fenster einer Suite und die NPD entrollte unter „Merkel-muss-weg“ rufen und schrillen Sirenentönen ein großes Plakat mit der Aufschrift „Asylbetrug macht uns arm! NPD“

Tiemann sichtlich angeschlagen

Fazit: Unerwartet heftiger Protest schlug der Kanzlerin in Brandenburg entgegen. Ihre Rede war souverän. Die Bundestagskandidatin Dietlind Tiemann war sichtlich geschockt. Die insgesamt gut vorbereitete Veranstaltung wird ein Nachspiel haben.

Von André Wirsing und Benno Rougk

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