Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 8 ° Sprühregen

Navigation:
Heim-Standorte reichen nicht bis Jahresende

450 Flüchtlinge für Brandenburg an der Havel Heim-Standorte reichen nicht bis Jahresende

Erst 231 Flüchtlinge und Asylsuchende hat die Stadt Brandenburg an der Havel in den ersten acht Monaten des Jahres aufgenommen. Nun müssen schnell knapp 450 weitere Menschen untergebracht werden. Die Verwaltung steht vor einer Mammutaufgabe. Selbst absurde Lösungen sind im Gespräch.

Voriger Artikel
Johanniskirche wird buddhistischer Tempel
Nächster Artikel
Sommer macht Mittagspause auf dem Beetzsee

Die leerstehende Kaserne in Briest würde 300 Menschen Platz bieten, sie ist dennoch ungeeignet.
 

Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg an der Havel.  Etwa 450 Flüchtlinge und asylsuchende Menschen muss die Stadt in diesem Jahr noch unterbringen, weil in den ersten acht Monaten erst 231 aufgenommen wurden. Ausschließlich mit diesem Thema hat sich der Hauptausschuss am Dienstagabend befasst – es türmen sich die Probleme, doch nach wie vor gilt über alle Parteigrenzen hinweg: Keine Turnhallen, Container oder Zelte als Unterkunft. Auch nicht übergangsweise.

Ausgerechnet das Land macht nun zusätzlichen Ärger: Das Landesamt für Soziales und Versorgung LASV verweigert die Zuschüsse für das Einrichten des Übergangsheimes Hafenstraße 5 in Kirchmöser – hier sollen in den kommenden drei Wochen 75 Menschen einziehen. Die Standards fürs Unterbringen seien nicht erfüllt, so die bürokratische Begründung. Das sind etwa 171.000 Euro, die ausstehen. „Wir müssen uns überlegen, ob wir das Risiko eingehen und möglicherweise mit den Kosten die Stadtkasse belasten oder ob wir auf das Haus in Kirchmöser verzichten und die Menschen wieder im Bus nach Eisenhüttenstadt schicken“, sagt Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU). Auch ohne formellen Beschluss war das Votum eindeutig: Es wird niemand weggeschickt, die Menschen werden untergebracht. Sozialbeigeordneter Wolfgang Erlebach (Die Linke) hat postwendend Widerspruch zum Ablehnungsbescheid eingelegt, am Donnerstag hat er einen Termin bei Staatssekretärin Almuth Hartwig-Tiedt.

Mehrere neue Objekte werden eröffnet

Wenn alle bislang ausgewählten Quartiere rechtzeitig fertig werden, reicht der Platz bis Ende November. Bislang gibt es 288 Plätze im Heim Flämingstraße sowie 81 Plätze in so genannten Verbundwohnungen - alle werden vom DRK betrieben. 50 Menschen leben in eigenen Wohnungen. Jetzt geht Kirchmöser mit 75 Plätzen für etwa acht Wochen an den Start – ebenfalls unter der Regie des DRK, das bereits seit Wochen das Herrichten der Unterkunft vorbereitet. Bis 21. September soll die ehemalige Kita Sophien-/Reuscherstraße instand gesetzt sein. Dort kommen 60 Personen unter, betreut von den Johannitern. Auch hier gibt es das Problem, welches das Landesamt bereits in Kirchmöser beanstandet hat: Bis zu acht Menschen in einem 50-Quadratmeter-Raum und nur eine Gemeinschaftsküche. Zum 1. Oktober wird wiederum das DRK das Objekt in der Fohrder Landstraße mit etwa 120 Plätzen übernehmen, sagt Sozialamtsleiterin Kerstin Schöbe. Mit dem Berliner Betreiber „Pro Shelter – Gesellschaft für integriertes Wohnen mbH“ für das Objekt Neuendorfer Sand mit 105 Plätzen sei vorerst ein Vertrag über sechs Monate geschlossen worden.

Rasante Prognoseentwicklung

Die Prognosen für die Zahl der in der Stadt aufzunehmenden Flüchtlinge haben sich übers Jahr rasant erhöht.

242 Menschen kommen nach Brandenburg an der Havel, hieß es im Januar.

366 waren es bereits im Mai.

456 wurden am 4. August avisiert.

665 lautete die Aktualisierung nur 15 Tage später.

231 sind tatsächlich bislang aufgenommen.

25 Menschen kommen jetzt durchschnittlich in jeder Woche hinzu.

Doch all dies wird nicht ausreichen, auch im nächsten Jahr dürften kaum weniger Flüchtlinge und Asylsuchende kommen. Die Stadt sucht nach weiteren geeigneten Objekten im eigenen Portfolio: Wie berichtet, sind die drei Würfelhäuser an der Warschauer Straße in der Prüfung. Ganz neu auf dem Zettel steht die einstige Kaserne im Fliegerhorst Briest. Hier könnten bis zu 300 Menschen unterkommen. „Das ist aber auch der einzige Vorteil“, sagt DRK-Geschäftsführer Andreas Griebel. „Ansonsten ist es weitab von der Stadt, es gibt keine Möglichkeiten zum Einkaufen, für Arzt- und Ämterbesuche. Es müsste also teuer ein Fahrdienst organisiert werden.“ Griebel wirbt für größere Heime, in denen 200 bis 300 Menschen unterkommen. Bei kleinen Standorten seien die Personalkosten zu hoch, weil auch Wachschutz und Betreuung organisiert werden müssen. Der Hauptausschuss hat zwar keinen Beschluss gefasst, die Mehrheit lehnt aber den Standort Briest bislang ab.

Von André Wirsing

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Brandenburg/Havel

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg