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Heimatmuseum wird europaweit ausgeschrieben

Brandenburg an der Havel Heimatmuseum wird europaweit ausgeschrieben

Von der Idee, bald mit dem Heimatmuseum ins Stadtbad umzuziehen, muss sich Brandenburg verabschieden. Ein als Legitimation für den Standort geplantes Verfahren erwies sich laut dem Beigeordneten Wolfgang Erlebach (Linke) als ungeeignet. „Wie werden europaweit ausschreiben. Das bringt uns wohl ein Jahr Verzug“, so Erlebach zur MAZ.

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Galt bisher als Favorit für das neue Heimatmuseum: Die Schwimmhalle des alten Stadtbades.

Quelle: Maloszyk Volkmar

Brandenburg/H. Von der Idee, bald mit dem Heimatmuseum ins Stadtbad umzuziehen, muss sich Brandenburg verabschieden. Ein als Legitimation für den Standort geplantes Interessenbekundungsverfahren erwies sich laut dem Kulturbeigeordneten Wolfgang Erlebach (Linke) nach Abschluss als ungeeignet. „Wie werden europaweit ausschreiben. Das bringt uns wohl ein Jahr Verzug“, so Erlebach zur MAZ.

Ursprünglich geplant war, aus dem Verfahren einen SVV-Beschlussvorschlag zu erarbeiten. Das wird nichts: Das Verfahren ist rechtlich unzulässig. Darauf wies der Mitbewerber Bernd Jansen hin. Der hatte für den Ausbau des Straßenbahndepots zum Heimatmuseum einen hoch gelobten Entwurf abgegeben, wie ihm Kulturfachbereichsleiter Tim Freudenberg bestätigte.

Jahrelange Quälerei mit Heimatmuseum

Dennoch läge das Stadtbad vorn. „Den Ausschlag haben die bau- und stadtgeschichtliche Bedeutung und die herausragende Qualität des Standortes gegeben“, schreibt Freudenberg. Jansen ist sauer, denn: Der historische Wert des Gebäudes – die Stadt hielt auch einen Neubau für möglich – war nicht Gegenstand der Ausschreibung. Außerdem hatte die Stadt das „Alte Stadtbad“ kurz zuvor an den Projektentwickler Florian Grotmann für 255000 Euro verkauft, weil sie keinen Nutzen darin sah.

Zur Erinnerung: Jahrzehntelang hatte sich die Stadt mit ihrem Heimatmuseum gequält. Die Ausstellung war mies, die Depots in der Stadt verteilt, Konzept und roter Faden für 1000 Jahre Stadtgeschichte fehlten. Im Frühjahr 2016 schien die Lösung gefunden.

„Glücksfall Stadtbad“

Wie Erlebach damals sagte, könne das Museum im alten Stadtbad Platz finden. Angeboten hatte das Bauhausensemble Florian Grotmann. Die Stadtspitze war begeistert. Von Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU) bis Erlebach gab es Beifall, erinnert sich ein Teilnehmer der Beigeordnetenrunde damals. In der Folge erarbeitete die Verwaltung eine Wirtschaftlichkeitsberechnung.

Womöglich war es die Einsicht, dass es den Geldgebern schwer zu vermitteln sei, dass die Stadt sich drei Jahrzehnte und mehr in ein Haus einmieten wolle, das ihr eben noch gehörte, vielleicht war es auch nur, um Grotmann im Preis zu drücken. Im Frühjahr 2017 schrieb die Verwaltung ein Interessenbekundungsverfahren aus, nachdem sie noch im Winter drei Varianten ohne Ausschreibung zur Abstimmung stellen wollte: Den Verbleib des Museums in der Ritterstraße, einen Neubau auf dem Wiesenweg – den die Stadt durchrechnen ließ – und die Anmietung des Stadtbades.

„Wir sind von allen gewarnt worden!“

Dann begann das Interessenbekundungsverfahren und plötzlich hatte die Stadt zwei gute Bewerber und Erlebach, der noch eben vom „Glücksfall Stadtbad“ sprach, musste sagen: „Es gibt keine Vorfestlegung, wir werden unabhängig nach dem Stichtag und dem Öffnen der Angebote entscheiden.“

„Wir sind von allen Seiten gewarnt worden, dass alles feststeht. Ich wollte es dennoch wissen“, sagt Bernd Jansen. Als Architekten hat er das Planungsbüro Krekeler an Bord geholt. Dessen Seniorchef Achim Krekeler ließ Jansen lange abblitzen: „Uns haben auch viele gesagt, dass das entscheiden war und wir wollten nicht wieder das Feigenblatt in einem schon verlorenen Schauwettkampf sein.“

Dann überredete ihn Jansen doch. Mit Geld und der Aussicht auf ein großartiges Projekt im Straßenbahndepot, „dass einfach nach der Nutzung als Museum und Depot schreit“, wie Krekeler jetzt sagt. Die geforderten Flächen von etwa 6000 Quadratmetern konnten Krekeler und Jansen allein in der 3000 Quadratmeter großen Halle nachweisen, auf die sie ab der Deckenhöhe von mehr als neun Metern ein dezentes Stockwerk setzten. Zudem glaubten sie mit Flächen ringsherum, die ausreichten für Ergänzungsbauten und der möglichen Entwicklung der Halbinsel sowie vielen Pkw- und einem Dutzend Busstellplätzen zu punkten.

Jury ohne Architekten

Es kam aber wie erwartet: Nicht öffentlich und ohne dass bis heute jemand offiziell die beiden Arbeiten kennt, entschied eine von der Verwaltung zusammengesetzte Jury – der kein Architekt angehörte – in welche Richtung das Pendel ausschlug. Jansen erfuhr zwar von Tim Freudenberg, dass sein Entwurf „in fachlicher Hinsicht die Museumsexperten überzeugt hat. Es wurde einhellig attestiert, dass die Potentiale des Gebäudes hervorragend und maximal ausgeschöpft wurden. Dem Gebäude fehle aber eine mit dem Baudenkmal Stadtbad vergleichbare Exklusivität.“

Auch die Exklusivität des Gebäudes, das eben noch verkauft wurde, war gar kein Ausschreibungsmerkmal. Jansen hörte in der Folge nichts mehr von der Stadt, Florian Grotmann schon. Ihm wurde bedeutet, dass die Jury an etlichen Stellen Nachbearbeitungsbedarf sah. Die Fassade des Neubaus im Innern des Bades gefiel der Jury nicht, eine Decke sollte verschwinden, das Dachrestaurant entfallen und der Behinderteneingang verlegt werden.

Ein Brief an die Verwaltung hat genügt

„Wir haben das jetzt gemacht“, sagt Grotmann zur MAZ und ist ebenso verärgert wie Jansen. Denn das man die Büros jetzt gegeneinander antreten lasse und das Projekt des zweifellos großartigen Bauhaus-Stadtbades in Misskredit gerate, sei Folge des Verfahrens.

Um dieses zu stoppen und eine Eu-weite Neuausschreibung zu initiieren, genügte Jansen ein Anwaltsschreiben. Darin fragte Anwalt Christoph von Donat Ende Mai nach, ob es tatsächlich „eine Beschaffungsabsicht“ hinsichtlich des Museumszentrums gäbe. Und ob der Mietvertrag europaweit ausgeschrieben werde. von Donat: „Ein auf das alte Stadtbad zugeschnittener Auftrag wäre eine unzulässige Schaffung eines Alleinstellungsmerkmales, das sich mit dem ehemaligen Straßenbahndepot eine Alternativlösung geradezu aufdrängt.“ Nach der Lektüre seien die Juristen Verwaltung der Meinung gewesen, dass eine Ausschreibung unumgänglich sei.

Von Benno Rougk

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