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Brandenburg/Havel Heimspiel für einen Dirigenten
Lokales Brandenburg/Havel Heimspiel für einen Dirigenten
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13:00 02.07.2017
Michael Helmrath dirigierte für einen Abend im Brandenburger Paulikloster. Das Publikum begrüßte ihn mit donnerndem Applaus. Quelle: Volkmar Maloszyk
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Brandenburg/H

Geigenflirren – kaum hörbar so zart. Ein Orchesterpart nach dem anderen kommt hinzu. Transparent und schwebend erklingt die Ouvertüre zur Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“ von Otto Nicolai. Immer übermütiger wird die Musik. Ein gelungener Auftakt für die Brandenburger Sommernachtsgala im voll besetzten Paulikloster am Samstagabend.

„Guten Abend, meine Damen und Herren. Ich freue mich, Sie alle wiederzusehen!“ Das Publikum dankt dem Dirigenten mit donnerndem Applaus für diese Begrüßung. Kein Wunder, denn es handelt sich um den beliebten Michael Helmrath, den Ex-Chefdirigenten der Brandenburger Symphoniker. Strahlend und sichtlich gut gelaunt dirigiert er die Sommernachtsgala, die die Operngala der vergangenen Jahre abgelöst hat.

Kammersänger Ulf Paulsen. Quelle: Volkmar Maloszyk

Nachdem das Brandenburger Theater sich unter anderem aus finanziellen Gründen dieses Jahr an einer Operngala nicht beteiligen wollte, hat Veranstalter Michael Treffehn mit dem Archäologischen Landesmuseum einen begeisterten neuen Kooperationspartner gefunden. Geboten wurde ein abwechslungsreiches Programm. Neben bekannten und beliebten Opernarien kamen auch wunderschöne Orchesterwerke zu Gehör. Es spielte das Orchester Camerata Instrumentale Berlin, dem Musiker von Berliner Opern- und Konzertorchestern angehören.

Michael Treffehn ist es erneut gelungen, Gesangssolisten mit herrlichen Stimmen zu engagieren. Michael Helmrath, der wieder auf seine unnachahmliche Art das Konzert moderiert hat, machte sich Gedanken darüber, dass in Opern Friseure wie kein anderer Berufsstand eine besondere Rolle spielen. Schließlich gebe es keine Oper mit dem Titel „Der Klempner von Plaue“. Es sei wohl die vertrauliche Nähe zu den Frauen, die die Neugier entfacht hat, vermutet der Dirigent. Kammersänger Ulf Paulsen vom Anhaltinischen Theater hat mit der Arie des „Figaro“ aus der Oper „Der Barbier von Sevilla“ von Gioacchino Rossini mit seinem kraftvollen Bariton und seinem überschäumenden Temperament das Publikum begeistert.

Kathrin Göring und Tatjana Charalgina harmonierten perfekt. Quelle: Volkmar Maloszyk

Ein entzückendes Duett haben Kathrin Göring und Tatjana Charalgina mit der Arie „Belle nuit o nuit d’amour“ aus der Oper „Hoffmanns Erzählungen“ von Jacques Offenbach dargeboten. Die Stimmen der beiden Sängerinnen harmonieren perfekt. Dass jede auch alleine bezaubern kann, bewies Tatjana Charalgina. Sie sang die Arie „Lied an den Mond“ aus der Oper „Rusalka“ von Antonin Dvorak in der Originalsprache. „So viel Tschechisch werden Sie ja wohl noch können“ wandte sich Moderator Helmrath an das Publikum. Als rassige Carmen präsentierte sich Kathrin Göring mit der Arie „Draußen vor dem Tor von Sevilla“ von Georges Bizet, die sie ebenfalls in der Originalsprache - auf Französisch - sang.

Rund 430 Besucher erlebten einen ergreifenden Konzertabend. Quelle: Volkmar Maloszyk

Als Geigen-Solist trat Tomasz Tomaszewsky auf, seit 1982 Erster Konzertmeister des Orchesters der Deutschen Oper Berlin. Allein um seine Darbietung der Romanze für Violine und Orchester Nr. 2 von Ludwig van Beethoven zu erleben, hätte sich der Besuch der Sommernachtsgala schon gelohnt. Zart und klar ließ Tomaszewsky seine Violine die wunderbare Musik singen. Wer dieses anrührende Werk hört, kann kaum glauben, dass Beethoven Zeit seines Lebens mit seinen Mitmenschen große Probleme hatte. In zwanzig Jahren soll der große Komponist siebzig Mal umgezogen sein, berichtete Michael Helmrath. Auch mit der Havanaise für Violine und Orchester von Camille Saint-Saens bewies Tomasz Tomaszewsky, dass ein wahrer Teufelsgeiger in ihm steckt.

Mit der herrlichen Musik in der wunderschönen Kulisse des Pauliklosters verging die Zeit wie im Fluge. Und schon intonierten die drei Gesangssolisten als dritte Zugabe das „Champagnerlied“ aus der „Fledermaus“ von Johann Strauss. Der begeisterte Applaus verstummte sofort, als Helmrath das Orchester den Radetzky-Marsch von Johann Strauss Vater spielen ließ. Er kennt eben seine Brandenburger. 430 Zuhörer erhoben sich und spendeten stehende Ovationen. Junge, komm bald wieder.

Von Ann Brünink

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