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Sogar Sissi setzte Heine ein Denkmal

Brandenburg will an Dichter erinnern Sogar Sissi setzte Heine ein Denkmal

Kaiserin Sissi war eine glühende Verehrerin Heinrich Heines, trug stets sein Bildnis bei sich und suchte die spiritistische Nähe des toten Dichters, der seinen Kopf in Brandenburg an der Havel verloren hat. Die Bronzebüste von 1954 haben im Dezember 2014 nämlich unbekannte Kunstfrevler vom Sockel gestoßen. Mit Hilfe von Spendern soll Ersatz her.

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Christian Liedtke kennt sich mit Heine und seinen Denkmälern bestens aus,

Quelle: Lauterbach

Brandenburg/H. Kaiserin Sissi war eine glühende Verehrerin Heinrich Heines, trug stets sein Bildnis bei sich und suchte die spiritistische Nähe des toten Dichters, der seinen Kopf in Brandenburg verloren hat. Die Bronzebüste von 1954 haben im Dezember 2014 nämlich unbekannte Kunstfrevler vom Sockel gestoßen. Mit Hilfe von Spendern soll Ersatz her.

Auftakt zur Spendenaktion für die Rekonstruktion der gestohlenen Büste am Heine-Ufer war am Donnerstagabend im Gotischen Haus der Vortrag eines ausgewiesenen Heine-Kenners. Der Germanist Christian Liedtke hat eine Biografie des großen deutschen Dichter verfasst und arbeitet als Archivar der Heinrich-Heine-Instituts in Düsseldorf.

„Die Nachricht vom Diebstahl des Denkmals hat mich sehr erschreckt“, gestand Liedtke. Er wolle mit seinem Heine-Denkmal-Vortrag in Brandenburg helfen, dass die für die Nachbildung benötigten 9000 Euro Spendengeld zusammenkommen.

9.000 Euro sollen zusammen kommen

Tatsächlich gibt es deutlich weniger Denkmäler des im Nationalsozialismus geächteten Heine als Abbilder von Goethe oder Schiller. Nach dem Brandenburger Kunstfrevel sind in Deutschland nur noch 30 Heine-Denkmäler erhalten und öffentlich zugänglich. Weitere acht befinden sich außerhalb der Landesgrenzen, im französischen Toulon zum Beispiel, in der new Yorker Bronx, in Moskau und auf seinem Grab in Paris-Monmartre.

Die Deutschen taten sich von Beginn an schwer, dem jüdischen Dichter Heine ein Denkmal zu setzen. Gleich der erste Versucht scheiterte trotz der Unterstützung seiner Verehrerin Kaiserin Elisabeth. Die Gegnerschaft in Heines Heimatstadt war 1893 so groß, dass der Dichter 88 Jahre auf ein öffentlichen Kunstwerk in Düsseldorf warten musste.

Spendenaktion der Stadt gestartet

DIe Brandenburger Heine-Büste aus Bronze, die Karl Mertens 1954 geschaffen hat und die 1960 am Ufer der Havel aufgestellt wurde, nennt Liedtke „eines der konzeptionell gelungensten und durchdachtesten Heine-Denkmäler“. Er hoffe sehr, dass es gelinge, das Geld zusammenzubringen, um die gestohlene Büste zu ersetzen.

Die Spendenaktion der Stadt Brandenburg läuft. Nach Angaben der leitenden Denkmalpflegerin Katrin Witt werden 9000 Euro benötigt. Nachfahren des Bildhauers in Rathenow besitzen geeignete Modellbüsten Heinrich Heines. Das Spendenkonto ist über die Stadtverwaltung zu erfragen.

Gestohlen wurde die bronzene Büste vermutlich, um sie zu Geld zu machen. Wenn der Zweck war, sie einzuschmelzen, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass sie noch einmal auftaucht.

Kaiserin Sissi indes fand ihren eigenen Weg, ihrem Idol zu huldigen. Neben ihrem Palast auf Korfu ließ sie ein monumentales Standbild errichten, das allerdings nur sie selbst, ihre Gäste und Bediensteten je zu Gesicht bekamen.

Kaiser Wilhelm II. hatte nach der Ermordung Elisabeths nichts übrig für Heine und die monumentale Erinnerung an ihn. Er verkaufte das Denkmal an Heines Patensohn, über den Umweg Hamburg gelangte dieses erste Heine-Denkmal im Nationalsozialismus ins südfranzösische Exil nach Toulon, wo es seit 1939 steht.

Christian Liedtke unterhielt die rund 60 Gäste des Historischen Vereins am Donnerstag mit pikanten Details der Dichterdenkmalgeschichte. So errichtete ein Plantagenbesitzer aus Opposition zu Wilhelm II. ein improvisiertes Protestmal für Heine im Urwald von Französisch-Kongo. Es existiert allerdings nicht mehr.

Pikante Details aus der Geschichte

Eine Freifrau in Wuppertal erinnerte mit einer Steinpyramide an den Schöpfer des Wintermärchens, Hitlerjungen vernichteten das Denkmal. Die Revolutionäre in Russland wollten mit Heine Monumentalpropaganda schaffen, kamen aber in Petrograd nicht über ein Provisorium aus Gips hinaus.

Arno Breker, genannt der „Michelangelo des Dritten Reichs“, wollte sich nach dem Krieg mit Heine-Denkmälern rehabilitieren. Sein Werk wurde von vielen Städten, denen er es anbot, verschmäht, ehe es vor dem Kurhaus auf Norderney doch noch eine Heimstatt fand. Am Rand des Ostharzes widmete das Dorf Elrich 1945 eine Krieger- in eine Heine-Denkmal um.

Von Jürgen Lauterbach

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