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Brandenburg/Havel Heiße Debatte um das DDR-Frauenbild
Lokales Brandenburg/Havel Heiße Debatte um das DDR-Frauenbild
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16:57 26.02.2018
„Gleichberechtigung war reine DDR-Propaganda“, sagt Freya Klier (links). Und erntet im Gotischen Haus viel Widerspruch. Quelle: Tobias Wagner
Brandenburg/H

Waren Frauen in der DDR wirklich gleichberechtigt? „Alles Quatsch“, sagt Freya Klier (68). „Eine Gleichberechtigung hat es in der DDR nicht gegeben.“ Am Mittwochabend zeigte die gebürtige Dresdnerin ihre Dokumentation „Wenn Mutti früh zur Arbeit geht“ im Gotischen Haus in der Ritterstraße. Der Film beleuchtet das Thema vom Stand der Frauen in der DDR-Gesellschaft.

Die Frage nach Gleichberechtigung sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der DDR ist auch heute noch von Interesse. Etwa 35 Gäste debattierten im Anschluss an dem Film in einer Diskussionsrunde teils hitzig mit der ehemaligen Bürgerrechtlerin. „So aufgebracht waren die Diskussionen bei anderen Vorführungen bisher nicht“, staunte Klier. „Vielleicht liegt es an der fehlenden Ost-West-Durchmischung des Publikums.“ Diese führe andernorts zu vorsichtigeren Debattenbeiträgen.

Dokumentation „Wenn Mutti früh zur Arbeit geht“

In der Dokumentation, die Freya Klier 2017 produziert hat, begeben sich drei Frauengenerationen auf Spurensuche ihrer DDR-Vergangenheit.

Nadja, die Tochter Freya Kliers, führt als Ich-Erzählerin durch den Film.

Die Dokumentation beginnt mit den Erinnerungen Editha Krummreichs, Mutter der Filmemacherin. Die drei Frauen werfen einen teils kritischen, teils einfühlsamen Blick auf die DDR, in der Gleichberechtigung ein Staatsziel war.

Kernthese: Es kam zur Doppelbelastung der Frauen durch Beruf und Nachwuchs. Viele der DDR- Frauen seien vollkommen ausgepowert und mutlos gewesen.

Experten wie Hildegard Maria Nickel von der Humboldt-Universität Berlin kommen zu Wort.

Dramaturgischer Höhepunkt: die Frage, warum es in den letzten DDR-Jahren fast viermal so viele Abtreibungen gab wie im Westen.

Den Film „Wenn Mutti früh zur Arbeit geht“ sieht man im Netz bei www.youtube.com

Die meisten der hauptsächlich weiblichen Besucher des Abends haben die Zeit in der DDR im Erwachsenenalter erlebt. Viele von ihnen mussten Nachwuchs und Beruf unter einen Hut bringen.

Vor allem die Frage der Kindererziehung erhitzte die Gemüter. Zwar gab es damals genug Plätze in den Krippen, diese waren laut Dokumentation aber schnell überfüllt. Mütter sollten auf „gesellschaftlichen Druck“ schnellstmöglich zurück in den Betrieb. Und für die Masse an Kindern waren nicht genug Erzieherinnen da, ging aus Kliers Dokumentation hervor.

Freya Klier kommt mit den Besuchern ins Gespräch. Quelle: Tobias Wagner

Hinzu kam die Hausarbeit. Laut einer Studie aus dem Jahr 1965 lag die Verteilung zwischen Frau und Mann in der DDR bei 7:1. Sieben Teile der Hausarbeit erledigte die Frau, die gleichzeitig arbeiten ging. Diese Erfahrungen machten zahlreiche Besucherinnen des Abends.

Allerdings sei die Erziehung spezifischer gewesen, hieß es in der Diskussion. Die Erzieherinnen waren subjektiv betrachtet besser ausgebildet als heute. Die teils harten Strafen für Kinder bei Fehlverhalten wurden dem entgegengehalten. „Man müsse vorsichtig sein, Dinge zu verklären“, warnte Klier.

Gegenteilige Auffassungen

Schließlich machte jeder seine ganz eigenen, unterschiedlichen Erfahrungen. Trotz starkem Gegenwind wurde jedoch auch der Mut des Films gelobt. „Natürlich haben Leute gegenteilige Meinungen“, warf ein Besucher in die Runde. „Vielleicht fühlen sich einige der ehemaligen DDR-Bürger hier in ihrem Stolz verletzt“.

Für Klier kein Grund, Dinge zu verklären. „Man muss auch unangenehme Erfahrungen machen, darf diese aber nicht wegsperren.“ Der Vorschlag einer Besucherin, die DDR-Zeit abschließend als historische Chance zu sehen, bei der man aus zwei gegensätzlichen Systemen das beste ziehen und lernen könne, ging dann allerdings im Streitgespräch wieder unter.

Von Tobias Wagner

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