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Helfen im Waisenhaus: „Morning, teacher“

Brandenburgerin in Tansania Helfen im Waisenhaus: „Morning, teacher“

Mareike Lange hat etwas getan, über das viele andere in ihrem Alter zwar nachdenken, es letztlich aber nicht tun: Sie engagierte sich in ihren Semesterferien ehrenamtlich in einem Waisenhaus in Tansania. Seit einigen Wochen ist die Brandenburgerin nun zurück von ihrer Arbeit mit Waisen im Vorschulalter, die sie in Englisch und Mathematik unterrichtete.

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Mareike Lange und Waisenkinder aus Tansania.

Quelle: privat

Brandenburg an der Havel. Als Mareike Lange durch den langen Flur des Waisenhauses zu ihrem Zimmer ging, hörte sie den fünfjährigen Eludi singen. Das war der Moment, in dem sie den Wert ihrer Arbeit realisierte. Die 26-Jährige aus Brandenburg an der Havel verbrachte den September in Sansibar, um ehrenamtlich zu unterrichten. Seit Anfang Oktober ist sie wieder in Deutschland.

„Eludi kam mit seinen beiden Brüdern etwa eine Woche vor mir in Bububu an. Am Anfang waren die drei total schüchtern und still, saßen mit verschränkten Armen und Beinen da und schauten nach unten,“ erzählt die angehende Erziehungswissenschaftlerin. Doch in ihrem Unterricht gingen die Brüder bald so richtig auf, vor allem der Apple-Song, ein Lied, das den Kindern verschiedene Fruchtarten beibrachte, hatte es ihnen angetan. „Als ich Eludi das singen hörte, habe ich mich so gefreut“, sagt sie.

Mareike Lange erlebte tolle Momente mit den Kindern auf Sansibar

Mareike Lange erlebte tolle Momente mit den Kindern auf Sansibar.

Quelle: privat

Mareike war die einzige der zeitweise sieben Freiwilligen, die direkt im Waisenhaus untergebracht war. Im Internet fand sie die afrikanische Organisation Project Overland, die ihr den Platz vermittelte. Im Vorfeld sammelte sie per Crowdfunding Geld für Flüge, Visa und Impfungen, alles zusammen kostete etwa 2.500 Euro. Ihre Familie unterstützte sie sehr, aber auch im Internet kamen 700 Euro zusammen.

Niemand war vorbereitet

Als Mareike Anfang September im Waisenhaus ankam, war erst einmal niemand so richtig vorbereitet. „Es war gerade eine Menge los, als ich ankam“, erzählt sie. Doch als sie vor der Klasse stand, begrüßten die Kinder sie im Chor und sangen „Good morning teacher, welcome teacher“, erinnert sie sich – Von 8 bis 12 Uhr unterrichtete sie jeden Tag Englisch und Mathematik. Ugali, ein Maisbrei, und Bohnen gab es zum Mittagessen, am Abend kochten Suzana, die Gründerin des Waisenhauses und ihre Tochter: „Essenstechnisch hat es mir an nichts gefehlt, der arabisch-indische Einschlag hat mir sehr gefallen.“

Improvisation und Kreativität

Verständigen konnte sich die Studentin mit den Kindern fast gar nicht, jedoch fand sie spielerisch einen Zugang zu ihnen, puzzelte oder malte viel. Nur wenige der Kleinen konnten Englisch sprechen, Mareike lernte deshalb auch ein paar Wörter Suaheli. Manchmal gab es jedoch Missverständnisse: „Ich hätte gerne genau gewusst, was die Kinder reden,“ bedauert sie. Und das Zusammenleben im Waisenhaus? „Es war laut, denn es gab keine Fenster, sondern nur Gitter und die Kochstelle lag nicht weit weg von meinem Zimmer. Erst als ich wieder in Deutschland war, merkte ich den Lagerfeuer-Geruch an mir.“

Waisenkinder beim Unterricht

Waisenkinder beim Unterricht.

Quelle: privat

Vor Ort gab es keine Erzieher und die Kinder gingen oft erst 23 Uhr ins Bett. „In Deutschland ist alles viel strukturierter, dort musste ich mehr improvisieren und kreativer sein“, sagt Mareike. Beispielsweise musste sie sich das Unterrichtsmaterial selbst zusammensuchen, malte Buchstaben und Zahlen vor und kreierte Bilder, zu denen die Kinder Vokabeln nennen mussten. Auch ihre Mutter schickte ihr aus Deutschland Arbeitsblätter mit dem Alphabet und der Zuordnung von Mengen.

Ob der Bus auch wirklich hält?

Mit der Zeit wuchs Mareike die Tochter von Suzana, Janet, ans Herz. Alleine durfte die 18-Jährige nicht das Haus verlassen, es musste immer jemand an ihrer Seite sein. „Es ist ein christliches Waisenhaus, doch die Gegend dort ist zu 99 Prozent muslimisch geprägt“, erzählt Mareike. Manchmal machten die beiden eine „Daladalafahrt“, eine Fahrt mit dem dortigen Bus nach Stonetown. Auch Mareike hatte am Anfang Angst, alleine rauszugehen, denn sie war die einzige Weiße und auch die Haltestellen waren oft nicht ausgeschildert: Sie wusste manchmal nicht, ob der Bus wirklich anhält oder nicht.

„Am Anfang hatte ich auch noch keine Bettdecke und das Zimmer war sehr dreckig. Die Abende musste ich oft alleine verbringen, ich las vier Bücher in der Zeit. „Aber nachdem ersten Kulturschock hatte sich alles gelegt. Generell muss man bei einer solchen Freiwilligenarbeit viel Geduld mitbringen und das Wissen, dass man nicht die Welt retten kann. Du kannst Ratschläge geben, aber wenn sie es anders machen, musst du es akzeptieren“.

Schockierende Momente

Mareikes Angst, dass sie dort nichts zutun haben könnte, bestätigte sich nicht: „Ich hätte noch viel mehr machen können, aber das ist eine Frage der Organisation.“ Sie wünscht sich, dass Aufgaben schon früher feststehen, so dass sie sich von Deutschland aus schon Gedanken machen kann, wie sie beispielsweise das Beet umgestalten kann. Die Brandenburgerin erlebte auch schwierige traurige und schockierende Momente. „Einmal wurde den Kindern Blut abgenommen. Es waren riesige Kanülen und die Kinder haben dabei gekreischt. Pflaster gab es nicht. Diese Situation war schon sehr erschreckend“, erzählt sie.

Die Gruppe unternahm in der Freizeit auch Ausflüge

Die Gruppe unternahm in der Freizeit auch Ausflüge.

Quelle: privat

Mit der Gründerin des Waisenhauses, Suzana Maziku, steht sie noch eng im Kontakt, mehrmals pro Woche schreiben sie sich lange E-Mails. Mareike überlegt, im nächsten Jahr wieder nach Sansibar zu fahren. „Ich möchte Geld sammeln, damit ich Suzana bei der Miete oder dem Strom unter die Arme greifen kann“, sagt sie.

Ein Schweizer Pärchen beispielsweise installierte eine Solaranlage auf dem Dach und finanzierte einen medizinischen Rundumcheck für alle Kinder. Im Moment können die Waisenkinder dort nur eine Grundschulbildung erhalten, doch die Leiterin des Hauses sucht händeringend nach Sponsoren, damit die Größeren auf weiterführende Schulen gehen können. „Das kostet 500 Dollar pro Jahr und Kind,“ weiß Mareike.

„Eine Erfahrung, die jeder gemacht haben sollte“

Ein Satz eines Taxifahrers ist Mareike im Gedächtnis geblieben: „Ihr Deutschen wollt immer in allem die Besten sein, uns ist das egal.“ Ihre Freiwilligenarbeit ist eine Erfahrung, die jeder einmal im Leben gemacht haben sollte, findet sie.„Ich denke, es geht uns viel zu gut und wir sind viel zu unzufrieden. Die Menschen dort sind glücklich und vor allem sehr gastfreundlich.“

Von Melanie Höhn

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