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Brandenburg/Havel Herrenlose Drahtesel unter dem Hammer
Lokales Brandenburg/Havel Herrenlose Drahtesel unter dem Hammer
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00:30 26.06.2015
Hartmut Voss mit seinen beiden Neuerwerbungen. Seit vielen Jahren habe der Berufskraftfahrer kein Fahrrad mehr gehabt. Quelle: C. Nack
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Brandenburg an der Havel

Die Versteigerung ist gerade vorbei und schon hat sich im Fundbüro am Nicolaiplatz ein VW-Autoschlüssel dazu gesellt. „Beim Havelfest ist er wohl jemandem aus der Jackentasche gerutscht“, vermutet Jana Siegel vom städtischen Ordnungsamt. Der Autoschlüssel wurde im Organisationsbüro abgegeben.

„Im Schnitt sind es pro Jahr 120 bis 150 Fundsachen querbeet“, sagt Siegel, die jeden Gegenstand im Fundbuch einträgt. Noch handschriftlich, ab dem nächsten Jahr hofft sie auf Software. „Durch die Buga wird es vielleicht etwas mehr“, überlegt sie. Von Gästen kämen vor allem Nachfragen, die auf dem Heimweg plötzlich Kamera oder Geldbörse vermissen.

Schlüssel führen das Ranking der Fundsachen an, aber nur wenige werden abgeholt. „Keine Ahnung warum.“ Auch Velos sind gut dabei. Im Keller der Stadtverwaltung sammeln sich im Jahr manchmal bis 60 Fahrräder an – von gut bis schlecht. Entweder werden herrenlose Drahtesel von Findern gebracht oder von der Polizei. Eigentümer kämen sehr selten, bei Rädern so gut wie nie. Es gebe zwar etliche Anrufe und Verlustanzeigen, aber meist stimme die Beschreibung nicht überein.

Halbes Jahr Lagerung

„Ein halbes Jahr müssen Fundsachen bei uns im Keller oder im Lager bleiben“, erklärt die Sachbearbeiterin. Diese Frist sei vorgeschrieben, in der sich der Eigentümer melden kann. Wenn sich danach auch der Finder nicht für die Sachen interessiert, werden sie auf dem Havelfest versteigert, um wieder Platz zu schaffen. Und das seit vielen Jahren. 2012/13 allerdings nicht, weil das Fundbüro nicht besetzt war und nebenher lief.

Jana Siegel schlüpfte jetzt zum zweiten Mal in die Rolle der Auktionatorin. Von 88 Artikeln, darunter 35 Fahrräder, kamen bis auf neun alle unter den Hammer und brachten insgesamt 1817 Euro ein. Am billigsten war ein Rucksack für einen Euro, am teuersten ein gut gepflegtes und funktionstüchtiges Elektrorad für 180 Euro.

Öffnungszeiten

Die Verteigerung der Fundsachen beim 52. Havelfest hat insgesamt 1817 Euro erbracht. Das Geld kommt zwei Jahre auf ein Verwahrkonto, falls es Einsprüche gibt. Erst nach Ablauf dieser Frist fließt es in die Stadtkasse.
Öffnungszeiten des Fundbüros am Nicolaiplatz 30 (2. Etage) montags und donnerstags 8 bis 12 Uhr und 13 bis 15 Uhr, dienstags 9 bis 12 Uhr und 13 bis 18 Uhr, freitags von 8 bis 12 Uhr.

Der Brandenburger Hartmut Voss zückte gleich zweimal sein Portmonee. Neben einem Reise rucksack für fünf Euro, den der 53-Jährige für seine Angelurlaube in Norwegen gut gebrauchen kann, blätterte er 57 Euro für ein Damenrad mit Platten hin. Das hat er aber nicht für seine Gattin ersteigert, denn die hat schon eins, sondern für sich. „Dann muss ich die Beine nicht so hochheben“, sagt er schmunzelnd.

Weniger Handys im Bestand

„Da wir nun einen Garten haben, wollen wir gemeinsam hin radeln.“ Bernd Kettelhake wollte für seine Tochter ein Damenrad günstig ergattern, da ihr am Bahnhof schon zwei Räder gestohlen wurden. „Ein neues und ein altes, das ich hier ersteigert hatte“, sagt er, der diesmal ein Schmuck-Schnäppchen gemacht hat. Die in einen Goldring investierten 34 Euro betrachtet er als Wertanlage.

„Schmuck wird selten zu uns gebracht“, sagt Jana Siegel. Auch Brillen, Sporttaschen und Rucksäcke seien nicht die Masse. Handys hätten sehr nachgelassen. Vermutlich behalten es die Leute selbst. „Zwar kann der Finder nach Ablauf der Frist auch ein Handy erwerben, muss aber das Löschen des internen Festspeichers bezahlen“, erklärt sie.

Von Claudia Nack

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