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Hier erklären Landwirte, warum sie Glyphosat nutzen

Umstrittenes Pflanzengift Hier erklären Landwirte, warum sie Glyphosat nutzen

In drei Wochen läuft die Zulassungsfrist für Glyphosat ab, das im Verdacht steht, krebserregend zu sein. In der MAZ erklären Landwirte, warum sie das umstrittene Pflanzengift nutzen, warum sie auf eine weitere Zulassung hoffen und wo für sie die Grenzen der Nutzung sind.

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Das Pflanzengift Glyphosat ist hochumstritten.

Quelle: imago stock&people

Mittelmark. In drei Wochen läuft die Zulassungsfrist für Glyphosat ab, das im Verdacht steht, krebserregend zu sein. Wenn die Mitarbeiter der Flämingrind e.G. in Bad Belzig mit dem umstrittenen Pflanzengift hantieren, tragen sie Atemmasken, Gesichtsschutz und Handschuhe. Laut Geschäftsführer Ulrich Benedix geben sie jährlich beim Dienstarzt Blutproben ab. „Auffälligkeiten gab es dabei, Glyphosat betreffend, noch nie. Sonst hätten wir reagiert“, sagt Ulrich Benedix. Der studierte Agarökonom ist Mitglied im Vorstand des Kreisbauernverbandes Potsdam-Mittelmark und zählt zu den Befürwortern des Glyphosat-Einsatzes. Benedix sagt aber klar: „Es gehört raus aus den Baumärkten in die Hände von Fachleuten.“

Spuren von Glyphosat finden sich in Bier, Haferflocken und Tierfutter. Selbst im menschlichen Urin lässt es sich nachweisen. Die sechs Abgeordneten der Grünen-Landtagsfraktion in Potsdam haben die Belastung ihrer Köper mit dem Unkrautvernichtungsmittel testen lassen. Laut Grünen-Sprecher Tobias Arbinger wurde bei allen das Pflanzengift nachgewiesen. Benedix lässt das nicht gelten: „Die Messmethoden sind heute so fein, da lässt sich selbst ein Stück Würfelzucker im Bodensee nachweisen.“

Kein Glyphosat auf Braugerste

Die Flämingrind e. G. setzt Benedix zufolge das Glyphosat nur nach der Ernte ein, um die Folgesaat vor Krankheiten zu schützen. „Es gibt kein besseres Mittel, um den Boden klimafreundlich zu bearbeiten“, so Benedix. Auf Weide- und Flächen, die zur Gewinnung von Futtermittel genutzt werden, würde Glyphosat nicht zum Einsatz kommen. Gleiches müsse generell auch für Braugerste und Braumalz für die Bierproduktion gelten, so der Agrarökonom mit Blick auf gefundene Spuren von Glyphosat in Bier. „Das wäre sonst bedenklich.“

Im Ökolandbau verboten

Im Streit über die weitere Zulassung des Pflanzengiftes Glyphosat hat sich die EU am Montag nicht einigen können. In der Abstimmung enthielt sich Deutschland der Stimme. Die in Deutschland an Landwirte verkaufte Menge Glyphosat liegt laut Bundestag pro Jahr bei rund 5900 Tonnen. Mit 40 Tonnen Glyphosat wurde Unkraut in Privatgärten bekämpft.

Im ökologischen Landbau ist Glyphsat verboten. Der Beelitzer Öko-Bauer Thomas Syring bekämpft das Unkraut auf seinen Felderm „mit Hacke und anderen mechanischen Methoden. Das ist arbeitsintensiv und dadurch gibt es im ökologischen Anbau auch andere Preise“. mai

Ein Landwirt, der ebenfalls auf die Zulassungsverlängerung von Glyphosat hofft, ist Florian Wernitz, stellvertretender Leiter für Pflanzenbau der Agargenossenschaft Planetal in Golzow: „Ich befürworte, dass es weiter genehmigt bleibt, weil viele Experten es für nicht krebserregen halten“, so der studierte Landwirt. „Zudem ist es relativ preiswert.“

„Ich möchte Glyphosat nicht missen“, sagt auch Mathias Busse von der Agrargenossenschaft Fiener Bruch in Rogäsen und Vize-Vorsitzender des Kreisbauernverbandes. Das Pflanzenschutzmittel spare Sprit und Kosten, weil sonst andere, teurere Unkrautbekämpfungsmittel eingesetzt werden würden, die zudem häufiger ausgebracht werden müssten, sagt Busse, der Feldbauleiter bei der Agrargenossenschaft ist. Und: „Glyphosat darf aber nicht auf Kulturpflanzen, sondern nur nach der Ernte eingesetzt werden.“

Grüne appellieren an die Landesregierung

Ein häufig genanntes Argument der Glyphosat-Befürworter ist der Schutz des Bodens: Das Pflanzengift spare das häufige Pflügen, was den Boden austrocknen lassen würde. Beides stimme nicht, sagt Martin Häusling, Agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europaparlament und Mitglied im Umweltausschuss, zu diesen Argumenten.

Die Grünen fordern die Landesregierung indes auf, ein „Umstellungsprogramm aufzustellen“. Dieses solle umweltfreundliche Alternativen aufzeigen. „Die Landwirte sind regelrecht abhängig von dem Pflanzengift und haben alternative Methoden verlernt“, sagt Benjamin Raschke, agrarpolitischer Sprecher der Grünenfraktion.

Von Marion von Imhoff

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