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Hilfe leisten ist für viele ein großes Problem

Leben retten – aber wie? Hilfe leisten ist für viele ein großes Problem

Viele Menschen wissen nicht, wie sie sich bei einem Unfall mit Verletzten verhalten soll. Häufig liegt der Erste-Hilfe-Kurs viele Jahre zurück. DRK, Johanniter und Co. appellieren deshalb an die Brandenburger, ihre Kenntnisse regelmäßig aufzufrischen. Das kann Leben retten.

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Martin Faale (l.) und Danny Bierstedt üben die stabile Seitenlage.

Quelle: Annika Jensen

Brandenburg/H. In Deutschland ist das Nichtwissen, was am Unfallort zu tun ist, ein weit verbreitetes Problem. Die Zahl derer, die ahnungslos am Unfallort verharren, tauch immer wieder in den Medien auf. Dann nämlich, wenn sie besorgniserregend hoch erscheint. Tatsächlich aber sei sie kontinuierlich hoch, weiß der Erste-Hilfe-Ausbilder bei der Johanniter-Unfall-Hilfe in Brandenburg, Sven Reichel, 41.

„Die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung ist da“, erzählt Reichel. „Schwarze Schafe gibt es aber immer. Diese Menschen helfen aus Unwissenheit nicht. Sie haben Angst, etwas kaputt zu machen.“ Es gelte aber: wer nicht hilft, macht sich strafbar. Und wer hilft und Schaden verursacht, kann nicht belangt werden. Offenbar herrscht auch Unwissenheit darüber, wann zu helfen ist. So wollten zwei Frauen in Brandenburg an der Havel bei einem Unfall helfen. Ein Passant rief ihnen aber zu, sie müssten nicht helfen, da der Rettungsdienst alarmiert worden sei. Die beiden Frauen konnten die lebensbedrohliche Blutung des Unfallopfers stillen bevor der Rettungswagen eintraf.

Erste-Hilfe-Kurs liegt oft Jahre zurück

Reichel sagt, dass der obligatorische Erste-Hilfe-Kurs für die Führerscheinanwärter in den meisten Fällen viele Jahre zurückliegt. Die große Gruppe derer, die keinen Führerschein gemacht habe, hat im schlimmsten Fall nie einen Kurs absolviert. Anders sieht es in den Betrieben in der Bundesrepublik aus. „Nach Vorgabe durch die Berufsgenossenschaft müssen fünf bis 20 Prozent der Arbeitnehmer als Ersthelfer ausgebildet sein, abhängig von der Größe des Unternehmens“, so Reichel. Deswegen gebe es für sie einen Grundkurs und alle zwei Jahre ein Training. Die Berufsgenossenschaften kontrollieren die Betriebe regelmäßig, ob sie tatsächlich die erforderliche Anzahl an Ersthelfer im Unternehmen haben.

Defizite in der Ersten Hilfe

Weniger als die Hälfte der Menschen in Deutschland weiß, was an einem Unfallort mit Verletzten zu tun ist.

In einer im Jahr 2013 gemeinsam veröffentlichten europaweiten Studie stellten das Deutsche Rote Kreuz und der ADAC fest:

73 Prozent der in Deutschland befragten trauten sich zwar zu, zu helfen, aber nur knapp 33 Prozent wussten, welche Maßnahmen zu ergreifen sind.

2786 Autofahrer in 14 Ländern waren dazu interviewt worden.

Deutsches Rotes Kreuz, ADAC, Johanniter und Co. empfehlen, die Erste-Hilfe-Kenntnisse regelmäßig aufzufrischen.

Sven Reichel unterrichtet an diesem Dienstagmorgen eine Gruppe von 20 Personen in den Ausbildungsräumen der Johanniter in der Warschauer Straße. Es ist eine Gruppe von Ersthelfern in Betrieben, die turnusmäßig ihr Erste-Hilfe-Training absolvieren. Von 8 bis 16 Uhr dreht sich alles um Verhalten und Maßnahmen am Unfallort – in der Theorie und besonders in der Praxis. In den vergangenen Jahren haben die Ausbildungsstätten den Praxisteil ausgebaut. Auch die Schüler von Reichel spielen reale Situationen durch, um sie danach zu besprechen. Vieles läuft gut, manches lässt sich verbessern, Fragen werden gestellt. „Was ist, wenn wir keinen Verbandskasten dabei haben?“, fragt einer von ihnen. „Man muss sich in unserem urbanen Umfeld nur aktiv umsehen“, antwortet Reichel. „Wir sind heutzutage mit Verbandsmaterial zugepflastert. In jedem LKW, in allen Autos gibt es welches.“

„Man fühlt sich viel sicherer“

Danny Bierstedt (33) und Martin Faale (29) schätzen das Training für betriebliche Ersthelfer. „Ich finde es gut, dass es diese Regelmäßigkeit gibt, dass es gesetzlich verankert ist“, sagt Bierstedt. „Man fühlt sich viel sicherer.“ Beide sind der Meinung, dass mehr Menschen den Kurs regelmäßig auffrischen sollten. „Viele machen den Führerschein, absolvieren dafür den Kurs und vergessen danach alles wieder“, sagt Martin Faale. „Es wäre von Vorteil, wenn es auch eine Verpflichtung für Menschen nur mit Führerscheinkurs gäbe.“

Von Annika Jensen

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