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Brandenburg/Havel Hilfloser Mann am Bahnhof bleibt seinem Schicksal überlassen
Lokales Brandenburg/Havel Hilfloser Mann am Bahnhof bleibt seinem Schicksal überlassen
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16:50 29.06.2018
Der Mann liegt am Freitagmorgen am Brandenburger Hauptbahnhof und regt sich nicht. Zunächst hilft niemand, am Ende einer. Quelle: Helmut Matthies
Brandenburg/H

Der Mann mit dem grauen Bart und den etwas zerzausten Haaren ist nicht zu übersehen am Freitagmorgen kurz vor 9 Uhr am Hauptbahnhof Brandenburg/Havel. Er legt reglos genau gegenüber von Gleis 1, dort wo ständig Menschen auf dem Weg vom oder zum Regionalzug vorbei laufen.

Die Haltung des etwas verwahrlost aussehenden Mannes ist gelinde gesagt ungewöhnlich. Gerade ausgestreckt liegt er in seiner Trainingshose und der blauen Steppjacke dies- und jenseits eines Bordsteins halb auf der Grünfläche, halb auf dem harten Pflaster.

Der Unbekannte hätte an diesem Vormittag in Ruhe dort sterben können – gekümmert hätte das offenbar niemanden. Gekümmert hat sich jedenfalls nur ein einziger Mensch um den Mann mit den zwei Flaschen und der Plastiktüte vor sich auf dem Pflaster vor Bahnsteig 1.

Geguckt wird, aber nicht geholfen

Die anderen Zugreisenden helfen nicht, gucken allenfalls. Auch die Schüler und ihre erwachsenen Begleiter auf dem Gleis gegenüber schauen nur, unternehmen nichts.

Helmut Matthies ist um 8.50 Uhr mit dem Zug aus Rathenow angekommen. Auch ihm fällt der liegende Mann auf, die hilflose Person, wie so jemand in der Behördensprache genannt wird.

Der Journalist und Pfarrer geht hin zu dem Fremden, spricht ihn an, versucht ihn aufzuwecken, aufzurichten. Der Mann reagiert nicht, ist weggetreten. Aber immerhin lebendig. Helmut Matthies schaut sich um, ob sonst jemand helfen könnte. Er spricht einen Mann in Deutsche-Bahn-Uniform an. „Hat die Hucke voll“, lautet dessen Ferndiagnose. Ein weiterer Bahnbediensteter tritt hinzu, beide überlegen nun, vielleicht die Bundespolizei anzurufen.

Vielleicht hat er die Hucke voll

Ehe das geschieht, hat der Pfarrer schon den Notruf 112 gewählt. Die Erklärung, dass der Mann nur betrunken ist, klingt zwar plausibel. „Aber das kann doch niemand so genau wissen“, sagt Helmut Matthies. Nach seiner Lebenserfahrung legen sich betrunkene Menschen bequemer hin als der Mann mit dem längeren ergrauten Haar.

Wenig später um 9.04 Uhr treffen die Notärztin und ein Rettungswagen ein, sie versorgen die hilflose Person und bringen sie ins Krankenhaus. Die Ärztin versichert dem Brandenburg-Besucher, dass er sich völlig richtig verhalten habe.

„Ich wundere mich, das niemand, kein Passant, kein Schüler, kein Lehrer den Arzt gerufen hat“, sagt Helmut Matthies durchaus enttäuscht. Ihm ist wichtig, einen Anstoß zu geben, hilflose Menschen nicht einfach ihrem Schicksal zu überlassen.

Die Auflösung

Der Fremde war übrigens wirklich nur betrunken und nicht ernsthaft erkrankt. Er wäre also vermutlich auch ohne Hilfe irgendwann wieder auf die Beine gekommen. Aber wie hat es der entschlossene Helfer ausgedrückt: Das konnte doch niemand so genau wissen.

Von Jürgen Lauterbach

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