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Brandenburg/Havel Hilfsmission: Brandenburger Arzt ist wieder zu Hause
Lokales Brandenburg/Havel Hilfsmission: Brandenburger Arzt ist wieder zu Hause
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16:46 31.03.2018
Die Seefuchs-Crew bespricht im Bauch des Schiffes mit den Aktivisten von Sea-Watch das weitere Vorgehen. Quelle: privat
Valetta/Brandenburg an der Havel

Nach meiner Rückkehr von der ersten Mission mit dem Schiff Seefuchs war die letzte Woche vor allem von Arbeiten am Schiff Sea-Eye geprägt. Die Maschine wurde durch freiwillige Helfer in der Werft des Hafens von Valletta repariert.

Ich kümmerte mich zusammen mit dem Paramedic, dem Rettungssanitäter Miguel, um die Ausstattung des Bordhospitals. Medikamente mussten gesichtet und aufgefüllt, das Equipment kontrolliert werden. Dabei fiel mir in erster Linie auf, dass das EKG auf dem Schiff nicht einsatzfähig war.

Gregor Rom aus Brandenburg an der Havel hilft auf Seenotrettern, die zwischen der maltesischen Hauptstadt Valletta und der libyschen Küste auf dem Mittelmeer kreuzen. Zwei Wochen seines Urlaubs opfert der Mediziner, um in Seenot geratenen Menschen zu helfen.

Weiterhin fehlten Instrumente wie das Laryngoskop, Nabelschnurklemmen, chirurgische Wundversorgungssets, oder ein Beatmungsbeutel. Teilweise konnte ich Medikamente und Instrumente aus dem Basiscamp organisieren. Am Ende war das Lazarett soweit aufgefüllt, dass man guten Gewissens auslaufen konnte.

Ein spanisches Schiff wird plötzlich beschlagnahmt

Nur die Elektroden für das EKG fehlten weiterhin. Letztlich kam es jedoch nur zu einem Kurzeinsatz der Sea-Eye auf hoher See, da das Wetter eine Fahrt nicht nötig machte. Einziges NGO-Schiff im Suchgebiet war diese Woche die Aquarius, welche gemeinsam von SOS Méditerranée und den Ärzten ohne Grenzen betrieben wird.

Größter Aufreger und Gegenstand langer Diskussionen war die Beschlagnahmung des Schiffs „Open Arms“ durch die italienische Staatsanwaltschaft in Sizilien.

Libysche Küstenwache droht Helfern mit Schusswaffen

Die „Open Arms“ einer spanischen Nichtregierungsorganisation war letzte Woche zusammen mit unserer Seefuchs im Suchgebiet und hatte mehrere Schlauchboote mit Flüchtlingen etwa 70 bis 75 Seemeilen nördlich der libyschen Küste gerettet.

Bei dieser Aktion weit in internationalen Gewässern wurden sie von der libyschen Küstenwache mit Schusswaffen bedroht, die Flüchtlinge an Bord herauszugeben.

Die Besatzung der „Open Arms“ weigerte sich, da Libyen keine Sicherheit garantieren könne. Die Besatzung der „Open Arms“ verweigerte den Libyern die Herausgabe der Geretteten. Die Leitstelle zur Seenotrettung (MRCC) in Rom verweigerte ihrerseits mit Hinweis auf die Libyer die Entsendung eines italienischen Küstenwachenschiffs zur Übernahme.

Zwei Tage lang irrt das Schiff auf dem Mittelmeer umher

Ebenso stellte sich das Anfahren eines sicheren Hafens als schwierig dar, da Tunesien und Malta ihre Häfen grundsätzlich für Aufnahmen sperren und Italien ein Anlaufen der Insel Lampedusa ausschloss.

Nach zwei Tagen Umherfahrt wurde den Spaniern schließlich aufgrund zweier akuter medizinischer Notfälle ein Anlanden im Fährhafen von Pozzallo (Sizilien) erlaubt. Nur nahm die Staatsanwaltschaft Catanias die Gelegenheit zum Anlass, das Rettungsschiff zu beschlagnahmen. Ähnliches hatte sich bereits vor etwa einem halben Jahr in Lampedusa ereignet.

Infolge dieser Ereignisse gab der Verein Sea-Eye ein Papier heraus, das uns Handlungsempfehlungen für solche Fälle an die Hand gab. Dieses wurde kontrovers diskutiert.

Einige erklären sich bereit, weiterzumachen – andere nicht

Eine Abstimmung auf den beiden Schiffen Sea-Eye und Seefuchs ergab, dass sich die Besatzung der Seefuchs bereiterklärte, unter diesen Bedingungen auszulaufen, die Besatzung meiner ersten Mission der Sea-Eye sich aber mehrheitlich weigerte, womit die Mission de facto beendet war.

Zwei Punkte waren für mich entscheidend, mich dem Papier der Vereinsführung zu verweigern. Ich habe kein Problem damit, wenn die Libyer ihrerseits Flüchtlinge retten und sie zurück an ihre Küste bringen. Sie können aber keineswegs in internationalen Gewässern die Herausgabe verlangen oder erpressen.

Auch ein Flugzeug ist im Rettungseinsatz

Neben diesem Hauptaufreger gab es auch eine Unterredung mit Mitgliedern der Organisation Sea-Watch. Deren aktuelles Schiff, die Sea-Watch 3, befindet sich derzeit in einer Werft in Spanien. Jedoch hat die Organisation ein Flugzeug, die Moonbird, mit welchem sie sich an Such- und Rettungsmissionen beteiligt. In diesem Zusammenhang kamen zwei Leute zu uns auf die Schiffe und stellten sich und die Moonbird vor und erklärten, wie eine Zusammenarbeit mit der Moonbird abläuft.

Das Flugzeug ist ebenfalls auf Malta stationiert und kann in das Such- und Rettungsgebiet fliegen und dort etwa drei Stunden entweder selbstständig oder auf Ruf operieren. Dabei geht es in erster Linie um Sichtungen von in Seenot befindlichen Booten und das Durchgeben der Koordinaten, an Rettungsschiffe oder das MRCC.

Am Samstag dann die Entscheidung: die Mission wird abgebrochen

In der Regel fliegt die Moonbird eigenverantwortlich oder in Absprache mit anderen Nichtsregierungsorganisationen. Gerade beim heiß diskutierten Einsatz der „Open Arms“ aber, in deren Folge diese beschlagnahmt wurde, hatte das MRCC die Moonbird ihrerseits jedoch auch aus dem Operationsgebiet der „Open Arms“ noch zu einer weiteren Suche näher an die libyschen Hoheitsgewässer heran delegiert.

Nachdem am Samstag unsere Mission nach Mehrheitsentscheidung abgebrochen wurde und wir alle Arbeiten am Schiff Sea-Eye beendet hatten, entschloss ich mich, vorzeitig abzureisen. So brach ich am vergangenen Montag mit der Fähre von Malta aus auf.

Mediziner zweifelt, ob er noch mal zu einer Mission aufbricht

Bei der Einfahrt in den Hafen von Pozzallo konnte ich noch ein paar Bilder der beschlagnahmten „Open Arms“ machen. Ob ich dieses oder nächstes Jahr an weiteren Missionen teilnehme, hängt in erheblichem Maße von den Vorgaben, unter denen diese erfolgen oder nicht erfolgen kann, ab.

Keineswegs werde ich in ein Suchgebiet fahren, einzig um dort ein Sterben von Flüchtlingen, welche von libyschen Kräften aufgebracht werden, zu dokumentieren. So wichtig auch immer die Öffentlichkeitsarbeit ist. Tatenlos zuzuschauen kann meine Aufgabe nicht sein.

Tolle Menschen kennengelernt, aber tragische Geschichten gehört

Ein Mitglied meiner Seefuchsmission, Harry, ein Rentner aus Bayern und passionierter Segler, hatte mir von einem Ereignis aus dem letzten Jahr erzählt, als er bei einer Missionen dabei zuschauen musste, wie Leute vor seinen Augen im Meer ertranken. Er hatte während der Schilderung Tränen in den Augen.

Persönlich spannend fand ich, wie verschieden die Leute waren, die ich kennenlernen durfte. Klischeeerfüllende Linke, ein muslimischer Konvertit, Konservative, die durchaus eine rigorose Abschiebepolitik befürworten, aber keine Menschen auf dem Mittelmeer ertrinken lassen wollen, Christen, Leute, welche selbst einen Migrationshintergrund haben, Bootsbauer und viele andere.

Unser aller gemeinsamer Nenner war, Flüchtlinge vor dem Ertrinken zu retten. Ich habe großartige Menschen kennengelernt.

Von Gregor Rom

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